4.1

Trag das Feuer weiter

von Leïla Slimani, Amelie Thoma

Format:Hardcover
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Von der beeindruckenden Suche zweier Schwestern nach Freiheit: der neue große Roman des literarischen Weltstars Leïla Slimani. SPIEGEL-Bestsellerautorin. Prix-Goncourt-Preisträgerin. Der faszinierende Abschluss der Familientrilogie - nach »Das Land der Anderen« und »Schaut, wie wir tanzen«.Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit »brain fog«, einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt. Auf Anraten ihres Arztes reist sie nach Marokko, in das Land ihrer Kindheit, das sie als junge Frau verlassen hat. Als sie auf der Farm ihrer Großeltern in Meknès eintrifft, hat sie das Gefühl eine Fremde zu sein. Sie fragt sich, wer sie ohne die Erinnerungen an ihre Familie ist. Und taucht ein in ihre eigene Geschichte. Eine Geschichte, die auf ganz eigene Weise vom Kampf gegen gesellschaftliche Grenzen erzählt - und von dem Streben nach Freiheit.Rabat, 1980. Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Ihre Mutter ist Gynäkologin. Ihr Vater leitet eine Bank. Die beiden Schwestern könnten nicht unterschiedlicher sein. Mit stillem Befremden verfolgt Mia, wie mühelos sich Ines anpasst, und es braucht Jahre, bis die beiden Schwestern einander näherkommen. Als Mia zum Studium nach Paris zieht, ist es ein Aufbruch in die Freiheit: Zum ersten Mal kann sie dort ihre Homosexualität offen leben. Und es ist ein Versprechen an ihren Vater: das Feuer, das in ihrem Innern brennt, weiterzutragen. So wie Mathilde, ihre Großmutter, und Aisha, ihre Mutter, entscheidet sie sich für einen ganz eigenen Weg.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
448 SeitenHardcover
Erschienen an: January 14, 2026

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Aktuelle Rezensionen(3)

4.1(12 ratings)
Sophia Rezension von Sophia

Ich hätte noch ewig über diese Familie lesen können trotz Kritik an Slimanis Erzählstil. Mir ging dieser Teil etwas zu schnell. Die Zeitsprünge waren teilweise zu krass, wodurch man die Charakterentwicklung nicht mehr so gut nachvollziehen konnte. Ich hätte mir wieder mehr Kapitel über Mia und Ines gewünscht. Insgesamt fand ich jedoch die Familiensaga wirklich gut und ich habe viel gelernt und auch viel mitgefühlt

nessaboRezension von nessabo

Eine Geschichte mit interessanten Figuren, die Ausdauer erfordert Ich kenne die beiden Vorgänger der Trilogie nicht und würde mich der allgemeinen Einschätzung anschließen, dass das auch nicht notwendig ist, gerade den Nebenfiguren aber durchaus ein tieferes Profil gegeben hätte. Ich hatte über eine ziemlich lange Strecke hinweg ganz schön zu kämpfen mit der Struktur des Buches. Die Erzählperspektiven der Kapitel wechseln, auch hin zu Mehdi, obwohl ich eine Geschichte über Mia erwartet hatte. Auch wenn es natürlich ebenso um seine Vergangenheit geht, die Mias Kindheit und Aufwachsen nun einmal geprägt hat, hätte das vielleicht auch auf eine andere Art erzählt werden können. Immer wieder irritierend war zudem, dass aus den Kapitelüberschriften nicht hervorgeht, wer gerade spricht. Bei so komplexen Büchern kenne ich das anders und ich finde es auch ziemlich hilfreich, um beim Lesen nicht immer wieder zu stolpern. Der Roman erfordert nicht nur deshalb ein recht aufmerksames Lesen. Auch die Zeiten wechseln durchaus häufig und sorgen zusätzlich zu den vielen erzählenden Figuren dafür, dass sich die Geschichte recht fragmentarisch anfühlt. Erst in der zweiten Hälfte konnte sich für mich so etwas wie ein Lesesog einstellen. Denn erst dann hatten manche Figuren für mich ein greifbares Profil. Besonders die Nebenfiguren verblassen dagegen zunehmend und gerade Aïcha sowie Selma hätte ich wirklich gern ebenso bis zum Ende begleitet. Das ist deshalb schade, weil Slimani durchaus ein Händchen dafür hat, interessante und ambivalente Figuren zu erschaffen. Mia und Inès sind starke Frauenfiguren, die mich in ihrer jeweiligen Rebellion begeistert haben. Gleichzeitig wurde ich von ihnen auf unterschiedlichen Ebenen berührt. Mia macht eine furchtbare schulische Erfahrung in Bezug auf ihre Homosexualität und erfährt die konkrete Solidarität ihrer ehemals verhassten Schwester, die wiederum ein sexuell sehr aktives Leben führt - mit durchaus fragwürdigen Verbindungen. Aber ich mochte die Zeichnung der beiden, die nicht klassisch gut, sondern eben authentisch ambivalent ist. Was mich schon enttäuscht hat, war der Fakt, dass Mias auf dem Klappentext sowie den ersten Seiten angesprochener Brain Fog und eine damit eventuell in Verbindung stehende Erkrankung überhaupt nicht relevant ist. Ich habe mir wirklich erhofft, Mia auch in der Gegenwart begleiten zu dürfen, aber dem war nicht so. Deshalb kann ich die Vermarktung des Buches nicht so richtig nachvollziehen und bin entsprechend ernüchtert. Ein Werk, welches das große Schreibtalent der Autorin zeigt und mir am Ende auch Lesefreude bereitet hat, das aber bis dahin wirklich viel Ausdauer sowie aufmerksames Lesen erfordert und welches mich trotz der Lichtblicke nicht so richtig nachhaltig beeindruckt hat. Da ich logisch aufgebaute bzw. klar strukturierte Familienerzählungen bevorzuge, habe ich mich hier schwerer getan als erhofft.

Nancy SchmidtRezension von Nancy Schmidt

Irreführung mit literarischem Anspruch Der Klappentext verspricht eine Geschichte über Gedächtnislücken, Long Covid und die mühsame Rekonstruktion einer Familienvergangenheit. Was „Trag das Feuer weiter“ tatsächlich liefert, ist etwas anderes: der dritte Band einer Familiensaga, der ohne Vorwarnung so tut, als wären wir längst Teil dieses genealogischen Kosmos. Wer, so wie ich, eine eigenständige Auseinandersetzung mit Krankheit, Erinnerung und Identität erwartet, wird erst irritiert und dann zunehmend ungeduldig. Der Prolog stützt dabei erstmal genau diese Erwartung: Long Covid, Erinnerungslücken, eine Erzählerin, die sich tastend ihrer Vergangenheit nähert. Doch nach diesem Auftakt folgt ein abrupter Bruch. Statt einer subjektiven Rekonstruktion entfaltet sich eine breit angelegte Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg. Fragmentarisch erzählt, mit Perspektivwechseln, die nicht immer organisch ineinandergreifen. Ich habe lange darauf gewartet, dass „die eigentliche Story“ wieder aufgenommen wird, aber wurde hier enttäuscht. Inhaltlich kreist der Roman dabei stark um Identität und Zugehörigkeit. Marokko erscheint als Schmelztiegel unterschiedlicher Herkünfte, Sprachen und sozialer Milieus. Klassismus durchzieht das Gefüge ebenso wie die Herabsetzung der arabischen Bevölkerung gegenüber der französischen. Diese kolonial geprägten Hierarchien strukturieren Biografien, Selbstbilder und Lebenswege. Slimani zeigt, wie tief patriarchale Strukturen und postkoloniale Machtverhältnisse in familiäre Dynamiken eingreifen. Besonders eindrücklich war für mich die Figur der Inés: als Kind von den Eltern geliebt, von der Schwester gehasst, bewegt sie sich durch diese Spannungsfelder mit einer fast stoischen Selbstbehauptung. Sie ist keine Heldin im klassischen Sinn, sondern eine Figur, die sich dem familiären Erwartungsdruck entzieht, ohne laut zu rebellieren. In ihr verdichtet sich das Thema weiblicher Selbstverortung zwischen Loyalität und Eigensinn. Sprachlich blieb der Roman für mich kühl und fragmentarisch. Die Perspektivwechsel erzeugen Distanz statt Intimität. Das kann man als bewusste ästhetische Entscheidung lesen - als Spiegel einer zerrissenen Identität. Für mich hatte es eher den Effekt, dass vieles an mir vorbeirauschte. Es fehlte ein erzählerischer Sog, eine innere Dringlichkeit. Gesellschaftskritik ist vorhanden: Klassismus, koloniale Nachwirkungen, patriarchale Familienstrukturen. Aber sie entfaltet sich nicht als scharfe Anklage, sondern als stilles, fast beiläufiges Mitlaufen im Hintergrund. Vielleicht ist das literarisch konsequent. Emotional hat es mich leider kaltgelassen. Was bleibt, ist der Eindruck eines Romans, der mehr sein will, als er einlöst und eines Marketings, das falsche Versprechen macht. Nicht das Thema ist dabei für mich das Problem, sondern die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Ausführung. Ein literarisch ambitionierter Text, der an seiner Rahmung scheitert und mich unbefriedigt zurücklässt.

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