4.0

Mit beiden Händen den Himmel stützen

von Lilli Tollkien

Format:Hardcover
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Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman.

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: March 11, 2026

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Aktuelle Rezensionen(11)

4.0(83 ratings)
nessaboRezension von nessabo

Eine schmerzhaft-poetische Geschichte über Missbrauch und Heilung Das Debüt von Lilli Tollkien ist ein unglaubliches Werk voller Schmerz und Ehrlichkeit, das seine Leser*innen nicht schont. Ich fand es auf mehreren Ebenen eindrücklich, kann aber gar nicht deutlich genug auf die Inhaltswarnungen verweisen. Ich schließe mich den Vermutungen an, dass Tollkien hier an ihrer eigenen Biografie entlangschreibt. Das macht die Lektüre nicht leichter, im Gegenteil. Denn die Protagonistin Lale erlebt eine schiere Fülle an Leid in ihrem jungen Leben. Die Mutter aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit nicht sorgeberechtigt und der Vater im Gefängnis, kommt sie in eine links anmutende Männer-WG. Obwohl später auch ihr Vater dort einzieht, mangelt es an Schutz und kindgerechtem Umgang. Nicht nur werden auch hier diverse Drogen missbraucht, sodass Lale bereits im Kindesalter mit ihnen in Kontakt kommt. Sie erfährt auch wiederholt sexualisierte sowie verbale und psychische Gewalt. Diese Passagen schreibt Tollkien auf einem unvergleichlich hohen Niveau. Sie wählt eine Sprache, die durch Nüchternheit und Poesie die kindliche Naivität und Unschuld perfekt einfängt. Gleichzeitig verfehlt diese Erzählweise keinesfalls ihre Wirkung - mir wurde wiederholt schlecht beim Lesen. Ich konnte Männer im Zuge dieses Romans wirklich nur verabscheuen. Ihre Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen bzw. Frauen und Mädchen keinen Schaden zuzufügen, hat mich brennen lassen vor Wut. Klug schlägt die Autorin zudem immer wieder den Bogen in die Zukunft; verdeutlicht, wie die erwachsene Lale - später sogar als Mutter - im Zuge ihres Heilungsprozesses auch immer wieder an die Grenzen ihres Traumas stößt. Die Geschichte ist so erschütternd wie kraftvoll und hat mir wirklich einiges abverlangt! Mein kleiner Abzug begründet sich mit genau den poetischen Anklängen der Sprache, die zwar erfolgreich das Traumatische der Geschichte abmildern können, aber wie so oft nicht ganz meinen Geschmack treffen. Auch die nüchtern-distanzierten Schilderungen Lales dienen diesem Zweck, haben mich emotional aber auch mehr auf Distanz gehalten als ich es mir gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz kann ich Tollkien für dieses Debüt nur meinen Respekt zollen. Ein Werk, das wiederholt kraftvoll eingeschlagen hat und welches mich fassungslos zurücklässt. Es ist keine Wohlfühlgeschichte, sie hat nicht einmal ein klares Happy End. Und doch ist es eine Erzählung über innere Stärke und das Finden einer Stütze in sich selbst. . . [CN: sexualisierte, verbale und psychische Gewalt; Alkohol- & Drogenmissbrauch]

carenRezension von caren

„Draußen atme ich die frische Luft ein und renne los, renne um mein Leben, nicht ahnend, dass ich den nächsten Jahren nirgendwo ankommen, immer weiterrennen werde.“ Wahnsinnig authentisch und gleichzeitig auf harte Weise poetisch erzählt Lilli Tollkien vom Aufwachsen eines jungen Mädchens in einer Männer-WG mitten im Berlin der 80‘er Jahre. Zwischen Freiheit und Gewalt strauchelt die Protagonistin jahrelang durch ihr Leben und findet erst spät ihr zuhause in Texten. „Das Schreiben wir ein Zuhause sein. Es ist nicht, als ob ich schreibe, sondern ich schreibe!“ Ein Buch voller schrecklicher Erfahrungen erzählt in wahnsinnig poetischer Sprache - große Empfehlung!

SiaRezension von Sia

Was eine Wucht

AnkiRezension von Anki

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein stark geschriebener und eindringlicher Roman, der Lales Kindheit mit großer sprachlicher Kraft erzählt. Viele Szenen berühren tief, und die kindliche Perspektive wirkt authentisch und intensiv. Für die volle Punktzahl hätte ich mir jedoch etwas mehr emotionale Nähe gewünscht, um noch stärker in Lales inneres Erleben einzutauchen. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das lange nachklingt.

MarshaRezension von Marsha

Was ein wildes Buch voller Gleichzeitigkeiten: Liebe und Vernachlässigung, Fürsorge und Missbrauch, Identitätssuche und Neurodivergenz. Ich hab den Schmerz auf jeder Seite gefühlt, die Sprache dabei ein perfekter Mix aus fast sachlicher Beschreibung der schlimmen Zustände und poetischen Bildern, dabei immer angepasst ans jeweilige Alter der Protagonistin.

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