3.2

Sister, Sister

von Emily R. Austin, Svantje Volkens

Format:Softcover
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Sigrid und Margit waren als Kinder unzertrennlich - gemeinsam trotzten sie der Kälte ihres Elternhauses. Doch dann schmiss Sigrid die Schule, zog mit ihrer besten Freundin ziellos durch die Kleinstadt und verlor sich zunehmend im Gefühl, nirgends dazuzugehören. Heute lebt Margit ein geordnetes Leben, während Sigrid kaum weiß, wo sie hingehört. Dass ausgerechnet Margit sie nicht mehr versteht, trifft sie wie ein Verrat. Erst ein tragisches Ereignis zwingt die beiden, sich der Wirklichkeit zu stellen. Im leichten, selbstironischen Ton erzählt die Autorin eine herzergreifende Geschichte über zwei Schwestern, die trotz ihrer zunehmenden Entfremdung wieder zueinander finden - und zu sich selbst.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
304 SeitenSoftcover
Erschienen an: June 1, 2026

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Aktuelle Rezensionen(4)

3.2(13 ratings)
loly ☁︎Rezension von loly ☁︎

Ich durfte dieses Buch im Rahmen einer Premierenlesung lesen und wusste nicht genau, was mich erwarten würde. Als ich das Buch aufschlug und die Triggerwarnung las, befürchtete ich, dass es ein trauriges Buch werden würde – doch ich lag falsch. „Sister Sister” ist in drei größere Bereiche gegliedert, was mir wirklich gut gefallen hat, da dadurch mehrere Perspektiven auf das Leben von Margit und Sigrid geboten werden. Im gesamten Buch finden sich kurze Tagebucheinträge oder Briefe, in denen sich die beiden Schwestern mit unterschiedlichen Erlebnissen oder Gedanken auseinandersetzen. Der Schreibstil ließ sich gut lesen und durch die kurzen Abschnitte hatte ich den Eindruck, schnell voranzukommen. An manchen Stellen bin ich über etwas bizarre Analogien gestolpert, die mich jedoch nicht wirklich gestört haben. Sigrid und Margit haben keine optimale Schwesternbeziehung und sind unter weniger erfreulichen Bedingungen aufgewachsen. Mit dieser Geschichte hat Emily Austin aufgezeigt, in welche Richtung sich Kinder entwickeln können, die in einem von Gewalt und Streit geprägten Haushalt aufwachsen, und sie hat die Vor- und Nachteile des Kleinstadtlebens beleuchtet. Sigrid und Margit sind beide spannende und komplexe Charaktere, denen ich gerne zugehört habe. Sie sind sich ähnlicher, als ich erwartet hatte. Kurz dachte ich sogar, dass sie ein und dieselbe Person wären, doch dem war nicht so. Was den eigentlichen Wendepunkt der Handlung anbelangt, so habe ich ihn nicht kommen sehen und mich sehr darüber gefreut. Emily Austin hat eine äußerst runde Geschichte geschrieben, in der einige Elemente regelmäßig auftreten oder sich auf bestimmte Ereignisse mehrmals bezogen wird, ohne repetitiv zu sein. Ich bin nur wenige Jahre älter als die Schwestern und finde, dass man sich als junge Erwachsene in manchen Sorgen und Problemen gut verstanden fühlt. Es hatte zum Teil auch eine melancholische Wirkung auf mich, wenn es um die Kindheit ging. Mir haben die philosophischen Passagen gut gefallen, die Austin in die Geschichte eingebaut hat. Obwohl es nur kurz war, fand ich es gut, dass sie wichtige und ernsthafte Themen, wie Psychotherapie in ihr doch recht verspieltes Buch eingebunden hat. „Sister Sister” hat mich positiv überrascht. Es ist intelligent, humorvoll und reflektiert das Erwachsenwerden mit all seinen Höhen und Tiefen. Ich kann es wärmstens empfehlen – zumindest für diejenigen, für die die Triggerwarnung kein Problem darstellt.

Josephine FittkauRezension von Josephine Fittkau

Als ich das Cover gesehen und den Klappentext gelesen habe, dachte ich zunächst, dass es in Sister, Sister vor allem um die Schwesternschaft zwischen Sigrid und Margit geht – darum, wie eng sie sich in der Kindheit standen und wie sie sich im Laufe der Jahre immer weiter auseinanderleben. Margit wirkt dabei wie die „geordnetere“ Schwester: Sie geht ihren Weg, macht ihren Abschluss und scheint ihr Leben im Griff zu haben. Sigrid dagegen verliert sich immer mehr. Sie hat zwar schon seit ihrer Kindheit Träume und Ziele, wirkt aber gleichzeitig orientierungslos und hat große Schwierigkeiten damit, erwachsen zu werden. Man merkt, dass sie am liebsten am Kindsein festhalten würde, weil das Erwachsenwerden für sie bedeutet, etwas zu verlieren. In der Schule findet sie in ihrer besten Freundin eine Art Seelenverwandte, weil diese ähnliche Probleme hat. Die beiden fühlen sich missverstanden und treiben gemeinsam allerlei Unsinn. Genau diese Dynamik hatte ich anhand des Klappentextes erwartet – allerdings wurde die Schwesternbeziehung für mich letztendlich nicht so intensiv beleuchtet, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt. Der erste Teil nimmt den größten Raum ein und war für mich gleichzeitig der schwierigste. Viele Passagen wirkten wie Tagebucheinträge oder Erinnerungen aus Sigrids Kindheit. Dadurch blieb sie für mich leider sehr distanziert und wenig nahbar. Ich konnte emotional keinen richtigen Zugang zu ihr finden. Außerdem gab es einige Wiederholungen, weshalb sich dieser Abschnitt teilweise ziemlich gezogen hat. Im zweiten Abschnitt nimmt die Geschichte dann eine andere Perspektive ein, wodurch vieles plötzlich mehr Sinn ergibt. Besonders spannend fand ich, die Sicht von Margit kennenzulernen. Ab diesem Punkt konnte mich das Buch deutlich mehr fesseln. Zum dritten Abschnitt möchte ich gar nicht viel sagen, um nichts zu spoilern. Nur so viel: Ich bin letztendlich froh, das Buch doch beendet zu haben, weil am Ende einiges aufgelöst wird und man die Geschichte nochmal anders betrachtet. Trotzdem war Sister, Sister für mich wirklich schwere Kost. Das behandelte Thema ist sehr belastend, weshalb ich jedem empfehlen würde, unbedingt vorher die Triggerwarnung zu lesen. Diese befindet sich direkt am Anfang des Buches – was ich in diesem Fall sehr gut fand. Hätte ich die Triggerwarnung vorher gekannt, hätte ich mich vermutlich nicht für das Rezensionsexemplar beworben. Ich habe das Buch zwar innerhalb von zwei Tagen gelesen und gegen Ende wurde es auch deutlich flüssiger, dennoch blieb besonders Sigrid für mich emotional schwer greifbar. Insgesamt ist es ein intensives, belastendes Buch, das definitiv nicht für leichte Sommerlektüre geeignet ist.

LindaRezension von Linda

Ein tolles Buch! Auch wenn der Klappentext wahrscheinlich von jemandem verfasst wurde, der das Buch nicht gelesen hat. Es geht tatsächlich um zwei Schwestern, die sich nie wirklich verstanden haben. Eine der beiden begeht einen Suizidversuch und bittet ihre Schwester darum, den Abschiedsbrief zu verfassen. Das Buch besteht aus 3 Teilen: - 21 Abschiedsbriefe - wie es der anderen Schwester danach erging - wie es der suizidalen Schwester weiter erging Ich fand es toll und auf eine doch einfache Art tief geschrieben. Unerwartete Wendungen, viele wichtige Themen und innere Monologe gehen hier Hand in Hand. Triggerwarnung: Suizidversuch, häusliche Gewalt, Vergewaltigung, Homophobie

nessaboRezension von nessabo

Ganz tolle politische Botschaften, emotional aber leider ziemlich distanziert Wie einige andere habe auch ich eher mit einer Schwestern-Geschichte gerechnet und irgendwie ist sie das natürlich auch. Allerdings sind die Erzählperspektiven so losgelöst voneinander, dass ich eine deutliche emotionale Distanz empfunden habe, die ich bei den behandelten Themen wirklich sehr bedaure. Ich wollte so gern von der Beziehungsentwicklung der beiden irgendwie entfremdeten Schwestern lesen. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird auch deutlich, dass sie ihre durchaus schwere Kindheit ganz unterschiedlich verarbeiten und deshalb auch sehr verschieden auf Konflikte reagieren. Hier hätte in meinen Augen so viel Potenzial gesteckt, um die beiden sehr interessanten Figuren miteinander zu verbinden bzw. in direkten Konflikt treten zu lassen. Die Autorin hat sich aber für einen ganz anderen Ansatz entschieden, den ich erzählerisch nicht einmal schlecht finde, aber er entspricht wirklich gar nicht dem Bild, das vom Klappentext gezeichnet wird. Fast die komplette erste Hälfte des Romans wird gefüllt von diversen Versionen eines Abschiedsbriefes. Der Ton Sigrids ist auf absurde Art nüchtern, manchmal zynisch, aber immer ehrlich - zumindest lässt Emily Austin uns das glaube. Denn im Endeffekt führt sie uns in die Irre und das nicht nur ein Mal. Die Perspektivwechsel sind literarisch wirklich stark und vor allem die letzten 50 Seiten haben mich gepackt. Doch emotional blieb mir das Buch leider so fremd. Da ich mich ausschließlich inneren Monologen ausgesetzt sah, blieb für mich kaum Raum zum Fühlen. Ich bin kein großer Fan von sehr langer Introspektion und schätze sie eher als ergänzendes Element. Besonders schade finde ich die Wahl der Erzählweise, weil Sigrids Figur und in Teilen auch die ihrer Schwester sowohl berührend als auch greifbar angelegt sind. Besonders Sigrids Lebensrealität und ihre Struggle damit kommen am Ende wunderbar raus, sodass ich ehrlich mitgefühlt habe. Dieser Part hätte für meinen Geschmack aber viel früher kommen und dann weiterentwickelt werden müssen. So runde ich tendenziell auf für die politisch progressive Komponente der Geschichte und die in jedem Fall spannende Erzählweise, verbleibe aber aufrichtig traurig, dass mich dieses wichtige Thema nicht berühren konnte.

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