»Eine der besten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe. »Zwei an einem Tag« für eine neue Generation.« Stacey Halls
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Fast ein Leben
von Kiran Millwood Hargrave, Andrea Stumpf, Gabriele Werbeck
»Eine der besten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe. »Zwei an einem Tag« für eine neue Generation.« Stacey Halls
Aktuelle Rezensionen(3)
💭 M E I N U N G Durch eine Zufallsbegegnung im Jahr 1978 am Pariser Sacre-Coeur kreuzen sich die Wege der Engländerin Erica und der Französin Laure. Trotz ihrer Gegensätze entwickelt sich eine Beziehung, die den ganzen Sommer über anhält, bis Erica zurück nach England geht. Danach treffen die beiden über mehrere Jahrzehnte immer wieder aufeinander und es steht die große Frage im Raum, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie damals in ihrem ersten gemeinsamen Sommer eine andere Entscheidung getroffen hätten. 💭 Besonders beeindruckend fand ich die leise, beobachtende und atmosphärische Sprache, die mich beim Lesen gedanklich nach Paris befördert hat 💭 Paris wird in diesem Roman nicht nur mit der Liebe assoziiert, sondern auch als Herzschmerz- & Sehnsuchts-Stadt gezeichnet, in welcher zu viel Wein getrunken und zu viel geraucht wird, während über Kunst & Literatur diskutiert wird 🗣️ 📚 Auch die Figuren, die dieser Roman enthält, sind durch die feinfühlige Erzählweise fast zum Leben erweckt worden und haben glaubhafte Entwicklungen erlebt. Durch Perspektivwechsel können wir in beiden Protagonistinnen hineinblicken und erleben so eine großartige Zeitreise durch eine Liebe, die ich auf diese Weise bisher noch nicht gelesen habe. Auch wenn ich sonst eher ein Freund von dünneren Büchern (max. 400 Seiten) bin, war die Seitenanzahl für mich hier stimmig. Durch die 570 Seiten konnten viele Thematiken (z.B. Alkoholabhängigkeit, Depression, die Entwicklung der gleichgeschlechtlichen Ehe etc.) in die Geschichte eingebaut werden, ohne dass es zu überladen wirkte. Zwei Mini-Kritikpunkte habe ich allerdings: -Die Kapitellängen: Manche Kapitel gingen über mehr als 50 Seiten, wodurch ich das Buch öfter mal zur Seite gelegt habe und erst dann weitergelesen habe, wenn ich bereit war (und genug Zeit hatte) um ein ganzes Kapitel zu lesen. -Im Text sind mehrere französische Phrasen, die ich zwar für die Pariser Kulisse ganz nett fand und auch ihren Teil zur Atmosphäre beigetragen haben, ich hätte mir jedoch eine Übersetzung (zumindest in der Fußzeile oder im Anhang) gewünscht. ⭐️ F A Z I T Kiran Millwood Hargrave schafft es in „Fast ein Leben“ Figuren zum Leben zu erwecken und über verpasste Chancen zu sprechen, indem sie den Leser auf eine leise, atmosphärische Zeitreise des Lebens zweier Frauen mitnimmt, welche auch nach Abschluss des Buches mit Sicherheit noch eine Weile in mir nachwirken wird ✨ Autorin: Kiran Millwood Hargrave Übersetzung: Gabriele Werbeck und Andrea Stumpf Verlag: Kein&Aber
Ich war so eingesogen in die Geschichte dieser beiden Frauen und mein Herz hat für sie geblutet. Kein Buch für Leute, die happy ends wollen, aber ab und an macht ne tragic sapphic lovestory genau, was sie soll.
Der schmerzhafte und zugleich liebevolle Epos einer Liebe Was für ein unglaubliches Werk! „Fast ein Leben“ ist eine 570-seitige emotionale und vielschichtige Wucht, für die ich mir ordentlich Zeit genommen habe. Wir begleiten Laure und Erica über 35 Jahre hinweg, ausgehend von einer Sommerliebschaft in Paris. Sie werden immer wieder aufeinandertreffen, sich mal näher und mal ferner sein, können einander aber weder halten noch loslassen. Was hier vielleicht wie ein stereotypes Drama klingt, hat mich emotional wirklich auseinandergenommen. Denn am Ende ist die Liebe der beiden Frauen zwar das wiederkehrende Motiv, die Geschichte gibt aber weitaus mehr Themen und Figuren Raum. Der Roman ist politisch und scheut daher auch nicht den Ernst der 70er und 80er-Jahre, als queere Menschen einer besonders offenen Form von Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt waren. Zudem behandelt er Depressionen und Alkoholismus auf derart eindrückliche Weise, dass ich es gar nicht laut genug loben kann. Außerdem dreht sich unglaublich viel um Freund*innenschaft, Fürsorge und bedingungslosen Zusammenhalt. Das hat mir mehr als einmal das Herz zerrissen, aber ich fand es einfach makellos abgebildet. Hargrave schreibt total nah an ihren Figuren und hat die beiden Protagonistinnen mit einem liebevollen Schreibstil begleitet. Laure und Erica werden älter und lernen auf glaubhafte Art dazu, ohne dabei je zu glatt zu wirken. Und obwohl Liebe eine so große Rolle spielt, ist diese Geschichte alles andere als romantisch. Sie ist ehrlich, ungeschönt und entsprechend schmerzhaft. Ich habe mich verloren in diesem Roman mit seinen liebenswerten, kantigen und interessanten Figuren sowie der wundervollen Sprache, welche die Atmosphäre so gut einzufangen vermag. Besonders die Abschnitte in Paris bzw. der Normandie haben mich nostalgisch gestimmt, aber auch Ericas Lebensrealität in Norfolk war beim Lesen zum Greifen nah. Ebenso hat mich die Struktur des Romans begeistert. Die wechselnden Perspektiven vertiefen die Emotionalität der Geschichte und getrennte Kapitel verdeutlichen die räumliche Distanz zwischen Laure und Erica, während sie sich die Kapitel teilen, sobald sie am gleichen Ort sind. In diesem Werk steckt unglaublich viel Arbeit und ich habe jede einzelne Seite genossen. Die Lektüre hat sich so intensiv und umfassend angefühlt wie ein Film, während sie dank der figurennahen Sprache doch gleichzeitig so kurzweilig war. Ganz klare Empfehlung für alle mit Lust auf französisches Flair und ganz viel Potenzial zum tiefen Mitfühlen.