»Ähnlich wie in einer Kunstausstellung präsentiert sie anschauliche Impressionen, die häufig als Metaphern verstanden werden können.«
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Weiß
von Han Kang, Ki-Hyang Lee
»Ähnlich wie in einer Kunstausstellung präsentiert sie anschauliche Impressionen, die häufig als Metaphern verstanden werden können.«
Aktuelle Rezensionen(9)
Han Kang verarbeitet in „Weiß“ den frühen Tod ihrer älteren Schwester. Die Erzählerin nähert sich der Erinnerung nicht chronologisch, sondern in zahlreichen kurzen Texten und Bildern rund um die Farbe Weiß. Die kurzen, lyrischen Kapitel werden ergänzt durch Illustrationen, Fotos und eine besondere Typografie, sodass das Buch nur schwer als klassischer Roman zu bezeichnen ist. Gerade diese Form passt aber zum Thema: Die Trauer wird nicht als zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern erscheint in Momentaufnahmen, Erinnerungsbildern und Assoziationen. Subtil und metaphorisch hat Han Kang mich beim Lesen berührt.
𝗠𝗜𝗧 𝗦𝗣𝗢𝗜𝗟𝗘𝗥 »Weiß« hat mich auf eine Weise berührt, die ich kaum in Worte fassen kann. Oberflächlich betrachtet ist es ein Buch über den Tod einer Schwester, die die Erzählerin nie kennenlernen konnte. Doch für mich ist es viel mehr als das. Es ist ein Sehnsuchtsbrief – an eine Schwester, die nie da sein durfte, und gleichzeitig an das eigene Leben. Das Paradoxe daran hat mich nicht mehr losgelassen: Wäre die Schwester am Leben geblieben, wäre die Erzählerin vielleicht nie geboren worden. Die eigene Existenz scheint auf einer Abwesenheit zu ruhen. Wie trauert man um jemanden, dessen Leben das eigene möglicherweise verhindert hätte? Wie vermisst man einen Menschen, den man nie gekannt hat und der doch ein ganzes Leben lang fehlt? Während des Lesens hatte ich immer wieder das Gefühl, als würde die Erzählerin aus der Perspektive dieser fehlenden Schwester durch die Welt streifen – suchend, beinahe schwerelos, ohne wirklich anzukommen. Nicht, weil sie eine Antwort erwartet, sondern weil etwas in ihr unvollständig geblieben ist. Sie klammert sich an kleine weiße Dinge: Licht, Schnee, Reis, Stoff. An flüchtige Schönheiten, die den Schmerz nicht heilen, ihm aber für einen Augenblick eine Form geben. Han Kang schafft etwas, das mich jedes Mal aufs Neue staunen lässt: Mit wenigen Worten erschafft sie Gefühle, die größer sind als ganze Romane. Sie erklärt nichts. Sie urteilt nicht. Sie lässt Bilder sprechen – und genau deshalb treffen sie so tief. »Weiß« ist für mich kein Buch, das man einfach liest und wieder ins Regal stellt. Es ist ein stilles Echo. Eines, das noch lange nachhallt.
Durch die kurzen Kapitel ist man gut durchgekommen. Jedoch kann ich nicht wirklich beurteilen, ob es gut war oder mich einfach nicht so erreicht hat.
Poetisch, traurig, hoffnungsvoll.
Han Kang zwingt mich, langsam - aufmerksam - zu lesen. Oft nicht mehr als ein Gefühl. Das bleibt. Und nachwirkt. Dicht. Großartig.