3.9

Unmöglicher Abschied

von Han Kang, Ki-Hyang Lee

Format:Hardcover
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Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für ihr literarisches Schreiben wurde sie mit dem Yi- Sang-Literaturpreis, den Today’s Young Artist Award und dem Manhae Literaturpreis ausgezeichnet. Für »Die Vegetarierin« erhielt sie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 den Man Booker International Prize, »Menschenwerk« erhielt den renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. Im Aufbau Verlag sind »Die Vegetarierin«, »Menschenwerk«, »Deine kalten Hände«, »Weiß« und »Griechischstunden« lieferbar. Mehr zur Autorin unter han-kang.net Ki-Hyang Lee, geboren 1967 in Seoul, studierte Germanistik in Seoul, Würzburg und München. Sie lebt in München und arbeitet als Lektorin, Übersetzerin und Verlegerin. Für ihre Übersetzungen wurde sie 2024 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
256 Seiten • Hardcover
Erschienen an: December 16, 2024

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Aktuelle Rezensionen(5)

3.9(41 ratings)
ㅤㅤㅤRezension von ㅤㅤㅤ

𝗠𝗜𝗧 𝗦𝗣𝗢𝗜𝗟𝗘𝗥 Ich mochte 𝘜𝘯𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩𝘦𝘳 𝘈𝘣𝘴𝘤𝘩𝘪𝘦𝘥 insgesamt sehr, auch wenn ich mich in der Mitte des Buches tatsächlich dazu überwinden musste, weiterzulesen. Dort verlor die Geschichte für mich zeitweise an Spannung und zog sich etwas. Gleichzeitig schafft Han Kang es wieder, eine unglaublich emotionale und bedrückende Atmosphäre zu erzeugen, die noch lange nachwirkt. Besonders beeindruckend fand ich die Verbindung zwischen der Gegenwart der Protagonistin und der Geschichte des Massakers. Lange habe ich mich gefragt, weshalb der Weg zum Haus der Freundin so ausführlich beschrieben wird. Teilweise wirkte die Reise durch die Kälte und die verschneite Landschaft auf mich fast zu lang und ereignisarm. Gleichzeitig konnte ich diese eisige, unwirtliche Welt beim Lesen sehr stark spüren. Erst gegen Ende wurde für mich deutlicher, welche Bedeutung dieser Weg und die zunehmende Auflösung der Realität haben. Besonders interessant fand ich, dass Han Kang die zentrale Frage des Romans auf mehreren Ebenen stellt: Wer lebt und wer ist tot? Was ist tatsächlich geschehen? Diese Fragen beziehen sich nicht nur auf die Protagonistin, ihre Freundin und deren zwei Vögel, sondern spiegeln zugleich die Fragen wider, die sich im Zusammenhang mit dem Massaker stellen. Auch dort bleiben Schicksale ungeklärt, Menschen verschwinden, Angehörige wissen nicht mit Sicherheit, was mit ihren Familienmitgliedern geschehen ist, und die Vergangenheit setzt sich aus Erinnerungen, Erzählungen und Lücken zusammen. Gerade diese Parallele hat mich beeindruckt. Als Leserin befinde ich mich am Ende in einer ähnlichen Position wie die Angehörigen der Opfer: Ich möchte wissen, wer überlebt hat, wer gestorben ist und was genau passiert ist – bekomme aber keine eindeutige Antwort. Die Unsicherheit der Gegenwart überschneidet sich dadurch mit der Unsicherheit der Vergangenheit. Die Grenzen zwischen Leben und Tod, Gegenwart und Erinnerung sowie Realität und innerer Wahrnehmung werden zunehmend durchlässig. 𝘜𝘯𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩𝘦𝘳 𝘈𝘣𝘴𝘤𝘩𝘪𝘦𝘥 ist für mich deshalb vor allem ein Buch über Erinnerung, Verlust und die Unmöglichkeit, manche Abschiede wirklich abzuschließen. Und vielleicht liegt genau darin seine größte Stärke: Nicht jede Frage wird beantwortet – aber die offene Frage selbst wird zum Teil der Geschichte.

ClaudiaRezension von Claudia

Eine Frau, verletzt im Krankenhaus, bittet ihre Freundin, in ihrem Zuhause, auf einer koreanischen Insel, nach ihrem Papageien zu schauen. Die Fahrt dorthin ist dramatisch. Dort dann vermischen sich die Realitäten und gehen einher mit Erzählungen von einem Massaker 1948. Ein feiner Text, schöne Sprache.

ChiaraRezension von Chiara

Eigentlich ein 5-Sterne Buch, aber es ist wohl an meinem Leseverständnis gescheitert. Die Auseinandersetzung mit intergenerationalem Trauma eines ganzen Landes, auf eine sehr gefühlsintensive und bildliche Weise, hat mich sehr beeindruckt. Zudem habe ich durch dieses Buch viel Neues über die Geschichte Südkoreas gelernt. Ich denke auch, dass dieses Buch aktuell sehr relevant ist, da er Gewalt von Seiten des Staatsapparats sehr intensiv behandelt, und zeigt, was für schreckliche Ausmaße diese hat. Ich weiß, dass das Buch mehr aussagt, als dass ich verstehen konnte. Ich weiß auch, dass dieses Buch absichtlich viele mögliche Interpretationen offen lässt. Und ich finde eine solche symbolische Spache sehr interessant, da sie zum aktiven Mitdenken beim Lesen einlädt, aber das war mir hier glaub ich einbisschen zu hoch. Ich habe zwischendurch die Lust am Lesen verloren, bis ich mir dann wieder Interpretationen der Geschichte von anderen durchgelesen habe, und dann wollte ich wieder weiter lesen. Das Ende hat sich, meiner Meinung nach, auch sehr gezogen, weil es irgendwann nur noch um die Geschichte des Massakers ging (was an sich Mega wichtig ist, aber im Vergleich zu der Spannung die am Anfang des Buches aufgebaut wurde, hat es hier leider etwas nachgelassen) und die beiden Frauen gar nicht mehr richtig beleuchtet wurden. Die letzten Seiten des Buches haben mich aber wieder richtig berührt. Eine krass intensive Zusammenfassung der Wahrnehmung von Personen mit einer Post-traumatischen Belastungsstlrung. Ich wollte dieses Zitat gerne festhalten: „Das Unglaublichste daran war, dass jeden Morgen wieder die Sonne aufging. Wenn ich durch den Wald lief, meinem Traum nachhängend, drang ein schönes und gleichzeitig grausames Licht durch das Blätterwerk, wodurch Millionen kleiner Lichtpunkte entstanden. Wo sich die Strahlen bündelten, zeichneten sich Knochen ab. Dort erschien mir der kleine Mensch mit den angezogenen Knien, und nicht nur er, sondern auch all die anderen Seite an Seite liegenden Leichen, mit Haut, Gesichtern und Haaren.[…] Ich wusste nicht mehr, was mein eigenes Leben war. Ich musste lange graben, damit ich mich daran erinnerte. Ich fragte mich jedes Mal: Wo bin ich, wo treibe ich dahin? Wer bin ich, in diesem Augen-blick?“

olgaRezension von olga

sehr schön gschribe, mega tragischi&wichtigi zeitzeugen ussage, wo ufene tolli art id gschicht inegflochte wärde

AminRezension von Amin

Trurig, aber berührend. Mir het amigs chli d‘struktur gfehlt, suscht wük guet gsi! 4/5⭐️

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