Format:eBook

»Prallvoll mit Überlebenslust, Herzwärme und Witz.«Pieke Biermann Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman. Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat. Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Austauschsemester nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramón verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramóns Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. »Liefern« ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
264 Seiten • eBook
Erschienen an: February 14, 2026

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Aktuelle Rezensionen(1)

3.6(7 ratings)
Nancy SchmidtRezension von Nancy Schmidt

Gesellschaftskritisch und leichtfüßig, aber mit einem großen Manko Tomer Gardi verbindet in „Liefern“ verschiedene Geschichten und Schauplätze miteinander, die zunächst eher lose nebeneinanderstehen, sich nach und nach aber zu einem größeren Ganzen zusammenfügen. Dieses episodische Erzählen hat mir ziemlich gut gefallen. Die einzelnen Geschichten lassen sich angenehm lesen und durch die Verbindungen zwischen den Figuren entsteht trotzdem das Gefühl eines zusammenhängenden Romans. Gardis Schreibstil empfand ich als locker, flüssig und sehr zugänglich. Ich brauchte keine lange Eingewöhnungsphase, sondern war schnell mitten im Leben der jeweiligen Figuren. Besonders gelungen fand ich, wie leichtfüßig der Roman teilweise daherkommt und dabei gleichzeitig ausgesprochen ernste gesellschaftliche und politische Themen behandelt. Im Mittelpunkt stehen Menschen, deren finanzielle und rechtliche Situation ihnen kaum Handlungsspielraum lässt. Wer dringend Geld verdienen muss, kann schlechte Arbeitsbedingungen eben nicht einfach ablehnen. Gerade die Perspektive der Lieferanten macht deutlich, wie bequem es sich diejenigen machen können, die am anderen Ende dieses Systems lediglich auf „Bestellen“ klicken müssen. Das hat mich unweigerlich dazu angeregt, mehr über das eigene Konsumverhalten und die Menschen hinter solchen Dienstleistungen nachzudenken. Gesellschaftskritisch funktioniert der Roman für mich deshalb ausgesprochen gut, ohne erhobenen Zeigefinger. Ein großes Manko hat meinen positiven Gesamteindruck allerdings erheblich geschmälert: die Darstellung der Frauen. Während viele der männlichen Figuren eigene Geschichten, Wünsche, Probleme und Widersprüche bekommen, erschienen mir die Frauen erstaunlich häufig vor allem über ihre Beziehung zu Männern definiert. Sie sind Ehefrau, Exfrau, Mutter oder Objekt der Begierde, bleiben dabei aber für mein Empfinden wesentlich blasser als die männlichen Charaktere. Gerade bei einem Roman, der gesellschaftliche Strukturen so aufmerksam betrachtet, fand ich diese Einseitigkeit besonders schade. Ich hätte mir gewünscht, dass Gardi seinen weiblichen Figuren dieselbe Komplexität und Eigenständigkeit zugesteht wie seinen männlichen Protagonisten. Für mich war das nicht nur eine kleine Schwäche, sondern ein Punkt, der meine Begeisterung für das Buch deutlich gebremst hat. Trotzdem ist „Liefern“ ein ungewöhnlicher und sehr gegenwärtiger Roman. Die internationale Perspektive und die miteinander verwobenen Geschichten zeigen, wie ähnlich sich Abhängigkeiten, wirtschaftlicher Druck und die Sehnsucht nach einem besseren Leben an ganz unterschiedlichen Orten der Welt sein können. Besonders empfehlen würde ich das Buch Leser*innen, die gesellschaftskritische Gegenwartsliteratur mögen und sich gerne mit den weniger sichtbaren Seiten unseres alltäglichen Konsums beschäftigen. Sprachlich und konzeptionell hat mich der Roman überzeugt, bei der Ausgestaltung seiner weiblichen Figuren leider deutlich weniger.

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