Für Auggie Schnuck sieht die Zukunft so gut aus wie nie zuvor. Als Wrestler hat er fast alles erreicht. Mit Nadine, der Liebe seines Lebens, plant er ein gemeinsames Zuhause. Doch er traut seinem Glück nicht. Je besser es läuft, desto mehr verwandelt sich Auggie, der eigentlich zum Film will, in seine Figur ›The Aug‹. Ein raffiniert erzählter Roman über Träume, die wahr werden und an den Rand von Verstand und Wirklichkeit führen, über Künstlichkeit, Kampf und Zärtlichkeit.
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Sunset Flip
von Joey Goebel, Nicolai von Schweder-Schreiner
Für Auggie Schnuck sieht die Zukunft so gut aus wie nie zuvor. Als Wrestler hat er fast alles erreicht. Mit Nadine, der Liebe seines Lebens, plant er ein gemeinsames Zuhause. Doch er traut seinem Glück nicht. Je besser es läuft, desto mehr verwandelt sich Auggie, der eigentlich zum Film will, in seine Figur ›The Aug‹. Ein raffiniert erzählter Roman über Träume, die wahr werden und an den Rand von Verstand und Wirklichkeit führen, über Künstlichkeit, Kampf und Zärtlichkeit.
Aktuelle Rezensionen(2)
Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Tragik. Mit „Sunset Flip“ aus Diogenes Verlag bewegt sich Joey Goebel erneut in den Themen, die viele seiner Romane prägen: Menschen am Rand der Gesellschaft, zerstörerische Sehnsüchte und die Rolle in der Gesellschaft. Diesmal steht die Welt des Wrestlings im Mittelpunkt – eine Branche, in der Show und Realität ständig ineinander übergehen und die Realität vom purem Theater geprägt wird. Hauptfigur ist Auggie Schnuck, der unter seinem Wrestlingnamen „The Aug“ immer erfolgreicher wird. Eigentlich möchte er das Wrestling hinter sich lassen und Schauspieler werden, doch seine Karriere entwickelt sich genau in die entgegengesetzte Richtung. Gemeinsam mit seiner Freundin Nadine versucht er, sich ein normales Leben aufzubauen, während Ruhm, Leistungsdruck und Selbstinszenierung ihn zunehmend vereinnahmen. Der Roman zeigt eindringlich, wie Auggie immer stärker mit seiner Bühnenfigur verschmilzt. Die körperlichen Folgen des Wrestlings, der Umgang mit Steroiden und die psychische Belastung hinter der grellen Fassade spielen dabei eine große Rolle. Besonders gelungen ist die Darstellung dieser künstlichen Unterhaltungswelt, in der Gewalt zur Ware wird und echte Gefühle kaum noch Platz haben. Nadine fungiert dabei als Gegenpol zu Auggies Selbstzerstörung, auch wenn sie als Figur etwas zu wenig Raum erhält. Trotz der interessanten Grundidee bleibt „Sunset Flip“ jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Goebel macht seine Kritik an Medienkultur und Inszenierung oft sehr direkt deutlich. Vieles wird ausgesprochen, statt sich natürlich aus Handlung und Figuren zu entwickeln. Manche Passagen wirken unnötig wiederholend. Vor allem Auggies innere Konflikte drehen sich mehrfach um dieselben Gedanken, ohne dass sich seine Figur entscheidend weiterentwickelt. Auch die Begriffe und Vorgänge aus der Welt des Wrestlings nehmen zu großen Raum ein. Für die Fans von Wrestlings sicherlich sehr interessant und leicht verständlich, doch für Leser, die mit diesem Sport nichts anzufangen wissen, schwierig. Hinzu kommt, dass der Roman emotional eine gewisse Distanz wahrt. Auggie ist bewusst als schwierige, egoistische und destruktive Figur angelegt, was zwar zur Geschichte passt, aber das Mitfühlen erschwert. Gerade in den ruhigeren Momenten fehlt manchmal die emotionale Tiefe, die nötig wäre, um seine Krise wirklich greifbar zu machen. Nebenfiguren bleiben eher funktional und bekommen zu wenig eigene Konturen. Dennoch besitzt „Sunset Flip“ die typische Handschrift von Joey Goebel. Der trockene Humor, die melancholische Stimmung und der Blick auf kaputte Existenzen funktionieren weiterhin gut. Fans seiner früheren Bücher werden viele vertraute Motive erkennen: Menschen, die an ihren Rollen zerbrechen und verzweifelt versuchen, ihrem Leben Bedeutung zu geben. Die Wrestling-Thematik sorgt zwar für ein ungewöhnliches Setting, doch inhaltlich wiederholt der Roman manches, was Goebel in anderen Werken bereits stärker und präziser erzählt hat. Dadurch bleibt „Sunset Flip“ ein interessanter, aber nicht vollständig überzeugender Roman über Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Identitätsverlust.
Ein Buch über Wrestling? Nicht nur, sondern auch über einen Wrestler und Menschen und sein Lebensweg in der amerikanischen Wrestling-Szene. Über die Höhen und Tiefen in der Arena, aber auch da hinter und die persönlichen Opfer, die damit einher gehen. Ein Buch nicht nur für Leser, die einen Einblick in die WWE bekommen wollen. Auch für Menschen, die eine emotionale und tragische Geschichte zu schätzen wissen.