Jacqueline Harpman, 1929 in Etterbeek, Belgien, geboren, ist eine der großen Stimmen der französischsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihre Familie musste vor den Nationalsozialisten nach Casablanca fliehen und konnte erst nach dem Krieg in ihre Heimat zurückkehren. Nach einem Studium der französischen Literatur begann sie eine Ausbildung zur Ärztin, die sie jedoch aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung nicht abschließen konnte, und wandte sich dem Schreiben zu. Im Jahr 1980 machte sie ihren Abschluss als Psychoanalytikerin. Harpman schrieb über 15 Romane und gewann zahlreiche Literaturpreise.
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Ich, die ich Männer nicht kannte
von Jacqueline Harpman, Luca Homburg
Jacqueline Harpman, 1929 in Etterbeek, Belgien, geboren, ist eine der großen Stimmen der französischsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihre Familie musste vor den Nationalsozialisten nach Casablanca fliehen und konnte erst nach dem Krieg in ihre Heimat zurückkehren. Nach einem Studium der französischen Literatur begann sie eine Ausbildung zur Ärztin, die sie jedoch aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung nicht abschließen konnte, und wandte sich dem Schreiben zu. Im Jahr 1980 machte sie ihren Abschluss als Psychoanalytikerin. Harpman schrieb über 15 Romane und gewann zahlreiche Literaturpreise.
Aktuelle Rezensionen(58)
Junge, Junge. Hab das Buch innerhalb von wenigen Stunden gelesen und war absolut gefasst. Ich weiß noch nicht, was ich aus dem Buch mitnehme, aber es war unfassbar intensiv. 🫂📖
Trotz der Tatsache, dass nach Seite 50 alles sehr langsam vorangeht, bleibt es auf seine Weise spannend. Lediglich das Ende war mir persönlich zu offen. Ein Buch über das man viel diskutieren kann!
Utopie, Lebensbericht
[Spoiler] Ich, die ich Männer nicht kannte hat mich bis zum letzten Satz gepackt. Ich habe so sehr mit der Protagonistin mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, was eigentlich passiert ist. Beim Lesen habe ich ständig Theorien entwickelt und musste danach sofort andere Interpretationen der Geschichte lesen 😄 Als die Protagonistin den Bus findet, habe ich so sehr gehofft, dass dort lebende Menschen sind. Und spätestens als in dem Keller nur 39 statt 40 Frauen waren, dachte ich: Jetzt wird sie bestimmt noch jemandem begegnen. Auch beim Bunker am Ende habe ich wieder gehofft. Natürlich findet sie niemanden… und genau das ist gleichzeitig so enttäuschend und so poetisch. Außerdem fand ich die Sprache wunderschön. Und entgegen mancher Kritik hatte ich nicht das Gefühl, dass es in erster Linie um Männer geht. Für mich ging es viel stärker um Frauen, Gemeinschaft, Einsamkeit und die Frage, was Menschen füreinander sein können. Ein Buch, das viele Fragen offenlässt und gerade deshalb noch lange im Kopf bleibt. Ich finde der Hype ist berechtigt!
TW für das Buch: Suizid, Mord, Folter, Krebs, Schlaganfall, psychische Erkrankungen, Entführung, Kindesmisshandlung Oh boi, naja fangen wir mal mit dem guten Part an 😅 Der Schreibstil hat mir gefallen. Einerseits ließ es sich relativ flott lesen, andererseits war es literarisch noch fordernd genug um nicht zu langweilen. Auch die Erkenntnisse über die Auswirkungen der Gefangennahme auf die Psyche, den Körper, das zusammenleben und das Mensch sein waren interessant dargestellt und angenehm philosophisch untermalt. Doch alles in allem, bin ich ehrlich gesagt enttäuscht, da ich leider ein besonders feministisches Werk erwartet habe. Natürlich muss das Buch im Kontext seines Erscheinungsdatums (1995) beurteilt werden und auch das Geburtsjahr der Autorin (1928) darf nicht außer Acht gelassen werden, dennoch empfinde ich es als sehr befremdlich, dass „Frau sein“ sehr oft im Buch mit Fruchtbarkeit, Kinder gebären und aufziehen, sowie „Sex mit Männern wollen“ gleichgesetzt wird. Lesbische Liebe und Sexualität werden hingegen nach dem „don’t ask, don’t tell“ Prinzip behandelt und als etwas geframt, dass ausschließlich existiert weil es ja „keine bessere Möglichkeit“ (Männer) gibt. Auch das Konzept der bisexualität/pansexualität wird hier gar nicht als potentielle Möglichkeit in Betracht gezogen. Was absolut absurd ist, da sich im Buch mehrere lesbische Pärchen bilden, die auch Sex miteinander haben - etwas, dass die meisten heterosexuellen Frauen nicht tun würden, selbst wenn es keine Männer mehr gibt. Einziger Pluspunkt: gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität werden nicht als Erkrankung angesehen 😅