Annie Ernaux erzählt von einer alles verzehrenden Leidenschaft für einen irritierend teilnahmslosen Mann – unerschrocken gründlich sucht sie nach der Wahrheit hinter einer Existenz, in der sie sich zusehends aufzugeben droht. Das körperliche Leiden, die Angst des Wartens, die immer nur kurze Erleichterung des Liebemachens, die darauffolgende Lethargie und Müdigkeit, das erneute Verlangen, die kleinen Demütigungen und Erniedrigungen der Besessenheit und des Verlassenseins – mit ruhiger Selbstverständlichkeit berichtet Annie Ernaux von einer schmerzlich langen Episode ihres Lebens; wie sie sich immer heftiger in eine Affäre verstrickt, einem verheirateten osteuropäischen Geschäftsmann verfallen, der eine vage Ähnlichkeit mit Alain Delon hat, schnelle Autos und Alkohol mag und im Französischen keine »obszönen Ausdrücke kennt, oder er hatte einfach keine Lust, sie zu benutzen«.Annie Ernaux beschreibt einen zweijährigen Schwebezustand, worin jedes Wort, jedes Ereignis und jede andere Person entweder eine dringliche Verbindung zu diesem Mann hat oder aber von ihr mit kalter Gleichgültigkeit beschieden wird. Zu einem Mann, der ihr fremder nicht sein könnte.
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Eine Leidenschaft
von Annie Ernaux, Sonja Finck
Annie Ernaux erzählt von einer alles verzehrenden Leidenschaft für einen irritierend teilnahmslosen Mann – unerschrocken gründlich sucht sie nach der Wahrheit hinter einer Existenz, in der sie sich zusehends aufzugeben droht. Das körperliche Leiden, die Angst des Wartens, die immer nur kurze Erleichterung des Liebemachens, die darauffolgende Lethargie und Müdigkeit, das erneute Verlangen, die kleinen Demütigungen und Erniedrigungen der Besessenheit und des Verlassenseins – mit ruhiger Selbstverständlichkeit berichtet Annie Ernaux von einer schmerzlich langen Episode ihres Lebens; wie sie sich immer heftiger in eine Affäre verstrickt, einem verheirateten osteuropäischen Geschäftsmann verfallen, der eine vage Ähnlichkeit mit Alain Delon hat, schnelle Autos und Alkohol mag und im Französischen keine »obszönen Ausdrücke kennt, oder er hatte einfach keine Lust, sie zu benutzen«.Annie Ernaux beschreibt einen zweijährigen Schwebezustand, worin jedes Wort, jedes Ereignis und jede andere Person entweder eine dringliche Verbindung zu diesem Mann hat oder aber von ihr mit kalter Gleichgültigkeit beschieden wird. Zu einem Mann, der ihr fremder nicht sein könnte.
Aktuelle Rezensionen(2)
Ernaux schreibt in nüchternem Ton über die Zeit in ihrem Leben, in der sie ihr ganzes Denken und Handeln einem Mann widmete, mit dem sie eine Affäre hatte. Sie scheint sich dabei selbst ganz genau zu beobachten, beinahe wie jemand, der einen Fallbericht für eine Patientenakte anfertigt, und das macht die Ausmaße ihrer Obsession noch greifbarer und drastischer. Die kühle Distanziertheit bei der Beschreibung von hochemotionalen Zuständen, die sie an den Tag legt, ist faszinierend. Ich bin gespannt darauf, mehr von ihr zu lesen!
Die Werke von Annie Ernaux, so sehr sie sich auch wiederholen wollen und so sehr ich versuche sie nicht mehr zu lesen, schaffen es doch jedes Mal mich an die wenigen Seiten zu bannen. Vielleicht bin ich auch endlich zu Ernaux durchgekommen. Habe einen Zugang gefunden. Einen neuen Blickwinkel erhascht. Mitten in der Lektüre kam mir der Gedanke in ihren Werken das zu haben, was ich mir von meinen Eltern und Großeltern wünschen würde: schonungsloses erinnern. Ein Leben in allen Facetten genannt auf Papier - eine Geschichte, als wäre sie nur für die Augen des lesenden Menschen gedacht und würde für einen Moment eine Art familiäre Beziehung aufbauen. Mittlerweile bin ich fasziniert - auch wenn „Das Ereignis“ ihr bestes Werk bleibt.