Nach einem verhängnisvollen Vorfall flieht die 29-jährige Marina Hals über Kopf aus ihrer Heimatstadt Kiruna im Norden Schwedens. Doch im warmen und lauten Stockholm fühlt sie sich nicht wohl. Sie beschließt, es wie die Rentiere zu halten, die ihre Kindheit geprägt haben, und ihrem Impuls zur Rückkehr zu folgen. Die Rückkehr aber bedeutet, dass Marina sich ihrer Familie und einer Liebe, die unmöglich scheint, stellen muss. Wird es ihr trotz allem gelingen, endlich sie selbst zu sein? Die Autorin des Weltbestsellers Das Leuchten der Rentiere besticht mit einem tief bewegenden Roman über die Suche einer jungen Frau nach einem Ort, an dem die Widersprüche ihrer Herkunft sich auflösen – und die Sehnsucht danach, endlich genug zu sein.
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Die Rückkehr der Rentiere
von Ann-Helén Laestadius, Maike Barth, Dagmar Mißfeldt
Nach einem verhängnisvollen Vorfall flieht die 29-jährige Marina Hals über Kopf aus ihrer Heimatstadt Kiruna im Norden Schwedens. Doch im warmen und lauten Stockholm fühlt sie sich nicht wohl. Sie beschließt, es wie die Rentiere zu halten, die ihre Kindheit geprägt haben, und ihrem Impuls zur Rückkehr zu folgen. Die Rückkehr aber bedeutet, dass Marina sich ihrer Familie und einer Liebe, die unmöglich scheint, stellen muss. Wird es ihr trotz allem gelingen, endlich sie selbst zu sein? Die Autorin des Weltbestsellers Das Leuchten der Rentiere besticht mit einem tief bewegenden Roman über die Suche einer jungen Frau nach einem Ort, an dem die Widersprüche ihrer Herkunft sich auflösen – und die Sehnsucht danach, endlich genug zu sein.
Aktuelle Rezensionen(3)
In ihren drei Büchern um die samische Geschichte und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart beleuchtet die Autorin in jedem ihrer Bände andere Aspekte. In Band 1 ging es um die heutige Gesellschaft und die Diskriminierung in Schweden. In Band 2 um die Vergangenheit, die Umerziehungsschulen in die samische Kinder gezwungen wurden. In Band 3 schließt sich der Kreis. Beide Themen werden zusammen gebracht. Was bedeutet es für die heutige Sami Generation wenn sie von einem Teil ihrer Kultur abgeschnitten wurden? Welche Auswirkungen haben die kulturellen Brüche, die durch viele Familien gezogen wurden. Dabei geht es vor allem um die Zeit zwischen 1970er Jahren und den 90ern. Für Marina, ist Samisch eine fremde Sprache, sie kann dadurch auch einen Teil ihrer Verwandten nicht richtig verstehen. Das Trauma ihrer Familie hat auch Auswirkungen auf ihr Leben im Jetzt. Vieles bleibt unausgesprochen, unerzählt, weil damit Schmerz und Leid verbunden ist. Gleichzeitig fühlt sie sich von ihrer Familie immer wieder ausgeschlossen, während ein anderer Teil der Verwandtschaft sich ganz und gar der Religion verschrieben hat. Marina spürt immer wieder, das sie einen Zugang zu diesem Verlorenen finden möchte. Sie weiß nur nicht richtig wie, weil sie oft nicht weiß, welche Fragen sie eigentlich stellen sollte um überhaupt Antworten zu bekommen. Richtig lösen kann sie sich von allem nicht. Erst als sie beginnt, die Stille nicht mehr einfach hin zu nehmen, scheint eine Weiterentwicklung möglich. Manchmal hätte ich mir gewünscht, nicht so viele Namen schnell wieder zu vergessen, da ich gerne Verbindungen zu Band 1 und 2 noch frischer im Gedächtnis gehabt hätte. Manches mal fehlten mir auch mehr Hintergründe, etwa über die 90er in Schweden und ob sich damals in der samischen Community viel änderte. Ich kann die Reihe im gesamten wirklich sehr empfehlen. Die Reihenfolge ist dabei ein bisschen egal, wer also jetzt erst einsteigt, kann ohne weiteres Vorwissen auch die anderen Bände lesen.
Die beiden anderen Bücher der Autorin haben mich mehr überzeugt. In diesem Buch werden viele verschiedene Themen angesprochen, aber nicht final bearbeitet.
Mein drittes Buch der Autorin und wieder etwas ganz Besonderes. Der leise Familienroman erzählt von Weitergabe familiärer Traumata, Benachteiligung und Abwertung der indigenen Bevölkerung und Einfluss der sektenartiger Religion der Laestadianer und ihren Einfluss auf die Menschen der Gemeinde. Wie auch die anderen Geschichten besticht die Erzählung durch ihre Charaktertiefe und macht die strukturelle Probleme im Einzelfall spürbar. Im Mittelpunkt steht Marina, obwohl sie Samin ist, spricht sie die Sprache nicht und lernt von klein auf, sich nicht als solche erkennen zu geben. Wer im Leben etwas erreichen will spricht Schwedisch und benimmt sich auch so. Die Familie väterlicherseits gehört zu dem Laestadianer, einer christlichen Vereinigung mit sehr extremen Ansichten und einer starken Fokussierung, Sünden zu enttarnen und auszumerzen. Als sehr sensibles Kind leidet Marina unter der Verteufelung von kleinen Alltagsannehmlichkeiten und Wünsche von Kindern und Teenagern. Auch die Unfähigkeit ihrer Mutter Probleme zu besprechen und Zuneigung zu zeigen, setzen ihr zu. Durch viele Rückblicke tritt das Familienbild und seine tiefen Verletzungen immer deutlicher zu Tage. Dabei gefällt mir besonders wie deutlich die Konflikte in Situationen gezeigt werden, anstatt nur darüber geschrieben wird. Ich kann die innere Zerrissenheit und Heimatlosigkeit von Marina mit jeder Seite stärker spüren, Panikattacken, falsche Freunde und das familiäre Schweigen lassen sie immer einsamer erscheinen. Zum Ende kullern tatsächlich ein paar Tränen und ich bin erleichtert über das hoffnungsfrohen Ende. Empfehlung für Fans von leisen Erzählungen und charakterorientierte Plots über gesellschaftlich brisante Themen.