»Die Ich-Erzählerin nimmt die Lesenden mit auf die schmerzhafte und schonungslos ehrliche Reise ihres Lebens und berührt durch zarte, poetische Sprache.« Susanne Hartmaier, Der Evangelische Buchberater, Ausgabe 01/2024
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Das rote Buch der Abschiede
von Pirkko Saisio, Elina Kritzokat
»Die Ich-Erzählerin nimmt die Lesenden mit auf die schmerzhafte und schonungslos ehrliche Reise ihres Lebens und berührt durch zarte, poetische Sprache.« Susanne Hartmaier, Der Evangelische Buchberater, Ausgabe 01/2024
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das rote buch der abschiede war das zweite buch, das ich aus pirkko saisios autofiktionaler trilogie gelesen habe (der letzte teil der reihe) und ich habe es sehr geliebt. saisios schreibstil hat mir schon in „gegenlicht“ so sehr gefallen und auch hier hat mich die bildhafte, poetische, witzige und liebevolle sprache in ihren bann gezogen. wir begleiten die protagonistin sprunghaft durch zeiten des studiums an der theaterhochschule in helsinki, ihr queeres erwachen in einer zeit, in der homosexualität in finnland noch strafbar ist, durch die geburt ihres kindes mit ihrer partnerin, durch viele verluste, aber auch durch viele befreiungen. das rote buch der abschiede ist schmerzhaft, aber auch tröstlich, es ist fragmentarisch, zeitweise verwirrend und schön. „du musst türen aufmachen und wieder zumachen. du darfst nicht vergessen, hinter dir liegende türen zuzumachen. du darfst nicht vergessen zu atmen.“
Liest sich wie Eribon und Ernaux - nur: wenn diese Autor*innen mit Verve und Dringlichkeit erzählen, schlendert die Erzählerin hier durch ihr Leben. Einige Momente wirken eher plakativ (Schriftstellergeister, die sie selbst zur Schriftstellerin machen), andere sind poetische Herzschmerzbetrachtungen und lesen sich gut. Mir war’s als Lektüre etwas zu zäh und die schönen Sätze konnten mich nicht durch die als eher dröge empfundenen Tage im Leben der Boheme tragen. Mir war es nicht aufrührerisch genug, zu sehr nach innen gekehrt und auf Erzählebene häufig ohne Mehrwert zu konfus. “Havva hat ihr Leben in der Hand wie ein zerbrechliches Gefäß. Und gleich ist es kaputt. Havva weiß das, sagt aber nichts.” “Die Zeit raschelt in den Ecken des Schlafzimmers, rückt aber nicht voran.” “Sie lernten mit Blicken Tieferes zu sagen als mit Worten. Das Tiefste drückten sie mit Berührungen aus, kleinen Gesten in der Öffentlichkeit.”
„das rote buch der abschiede“ ist der dritte teil der autofiktionalen trilogie von pirkko saisio, der 1998 erschienen ist und nun auch ins deutsche übersetzt wurde. der roman erzählt in fragmentarischen abschnitten über queere liebe im untergrund helsinkis, über den kommunismus und das theater, über mentale gesundheit und selbstbestimmung. die poetische sprache hat mir richtig gut gefallen & die wechselnden erzählzeiten und -perspektiven haben es geschafft, eine ganz besondere form der spannung aufrecht zu erhalten. ansonsten würde ich nicht denken, mich könnte der dritte teil einer biografischen reihe, von der ich die ersten zwei teile nicht gelesen habe, überzeugen, aber „das rote buch der abschiede“ hat das mit seiner besonderen sprache auf jeden fall geschafft. auch wenn ich nicht zu 100% warmgeworden bin und nicht sagen kann, dass dieser roman ein neues lieblingsbuch werden könnte, bleibt in mir eine ganz besondere atmosphäre, die pirkko saisio da geschaffen hat.