Wie wir begehren
von Carolin Emcke
Entdecken wir das Begehren oder entdeckt das Begehren uns? Wie frei sind wir, unser Begehren zu leben? Hat es nur eine Form oder ändert es sich, wird tiefer, zarter, radikaler?In ihrem so persönlichen wie analytischen Text schildert Carolin Emcke das Suchen und die allmähliche Entdeckung des eigenen, etwas anderen Begehrens. Sie erzählt von einem homosexuellen Coming of Age, von einer Jugend in den 1980er Jahren, in der über Sexualität nicht gesprochen wurde. Sie buchstabiert die vielen Dialekte des Begehrens aus, beschreibt die Lust der Erfüllung, aber auch die Tragik, die gesellschaftliche Ausgrenzung dessen, der sein Begehren nicht artikulieren kann. Eine atemberaubend ehrliche Erzählung, die gleichermaßen intim wie politisch ist.
Was ist bookie?
- Gratis Lieferung in Deutschland
- Finde Bücher die zu dir passen
- Tracke dein Leseverhalten und setze dir Ziele
- Connecte dich mit anderen Leser*innen
Wie wir begehren
von Carolin Emcke
Entdecken wir das Begehren oder entdeckt das Begehren uns? Wie frei sind wir, unser Begehren zu leben? Hat es nur eine Form oder ändert es sich, wird tiefer, zarter, radikaler?In ihrem so persönlichen wie analytischen Text schildert Carolin Emcke das Suchen und die allmähliche Entdeckung des eigenen, etwas anderen Begehrens. Sie erzählt von einem homosexuellen Coming of Age, von einer Jugend in den 1980er Jahren, in der über Sexualität nicht gesprochen wurde. Sie buchstabiert die vielen Dialekte des Begehrens aus, beschreibt die Lust der Erfüllung, aber auch die Tragik, die gesellschaftliche Ausgrenzung dessen, der sein Begehren nicht artikulieren kann. Eine atemberaubend ehrliche Erzählung, die gleichermaßen intim wie politisch ist.
Aktuelle Rezensionen(4)
Vielleicht das beste Buch, das ich kenne. Ich habe fast alle Bücher von Carolin Emcke gelesen und in ihnen allen so viel Wahrheit und Schönheit gefunden, dass es mich immer wieder erstaunt hat. „Wie wir begehren“ ist der erste Text von ihr, den ich nun zum zweiten Mal gelesen habe; mit einem Abstand von fünf oder sechs Jahren. Wieder hat mich die Sprache ergriffen, die Art zu erzählen und mehrere Geschichten scheinbar mühelos zu einer zu fügen. Es geht in diesem Text um Liebe und Sex, um Ausgrenzung und Trauer, um Musik und Geschichten, Politik und Leben. Ich fühle mich beim Lesen mitgenommen und eingeladen, herausgefordert und getröstet. Was für ein großes Glück, dass jemand so schreiben kann und darf.
eher 3.5 sterne - emcke schreibt schonungslos ehrlich und, wie ich finde, sehr mutig über - vor allem ihre eigene - sexualität und ihr begehren. ich mag ihren stil und an vielen stellen macht sie sehr interessante beobachtungen und überlegungen. es bleibt aber ein bisschen die frage, was eigentlich die idee des buches ist. der erzählstrang ist brückstückhaft, häufig fehlte mir der rote faden. auch ist mir im verlauf des buches nicht so wirklich klargeworden: wer ist denn „wir“? was genau will emcke eigentlich erzählen? eine klarere linie und eingrenzung hätte dem buch meiner meinung nach gut getan. die geschichte von daniel ist extrem schmerzhaft, ihre gedanken dazu, ihre scham und schuldgefühle, ebenfalls. außerdem schreibt sie über das entstehen ihres eigenen begehrens, ihre reflexionen über die so vulnerable phase der pubertät sind durchaus sehr interessant und sie findet hier sehr treffende beschreibungen. besonders die, teilweise auch sehr ausschweifenden, passagen über die musik haben mir persönlich sehr gefallen und mich berührt, sie sind aber eigentlich nicht immer wirklich notwendig oder inhaltlich passend. außerdem hätte meiner meinung nach in der 9. auflage von 2021 doch einiges aktualisiert werden können (bspw. wird immernoch von transsexualität geschrieben, nicht gegendert etc.) insgesamt spannende themen und gedanken, formal jedoch meiner meinung nach nicht immer so gelungen.
4,5/5 „Es sollte einfühlsame Aufklärung sein, für eine Generation, deren Eltern über Sexualität nicht zu sprechen wussten und die sich stattdessen Woche für Woche in Leserbriefen an die »Bravo« wandten.“ (s.88) Über Sexualität wurde in den siebziger und achtziger nicht gesprochen. In Carolin Emckes Jugend war kein Platz für Begriffe wie ‚Begehren‘ oder ‚Lust‘, ganz zu schweigen von den Arten der Lust. Wie hilft man seinen Mitschüler_innen, die in Not und Verzweiflung an den Rand gedrängt werden, ohne Grund und die dann am Ende doch daran zerbrechen? Wie findet man zu sich selbst in einer Form, die gerecht für die heteronormativen Welt ist? Und zu recht stellt sich Carolin Emcke die Frage, wie frei sind wir, unser Begehren zu leben? Mein erstes Buch von Carlin Emcke das ich gerne gelesen habe und ein Buch, das viele Fragen auf den Tisch aufwirft. Spannende Suche nach der Identität und die Mittel des Begehrens in einer Welt, in der Homosexualität noch ein tabu Thema ist. Sehr klug verfolgt sie im Buch einen für sich gefundenen roten Faden, den sie im Musikunterricht gelernt hat. Sie zieht parallelen von der Sexualität mit Aspekten der Musik. Ab ihrem 26. Lebensjahr begehrte Emcke erst Frauen und bereut ihr Begehren zu Männern früher nicht. Interessant wird es als sie in Gaza Ibrahim kennenlernt, der für sie eindeutig als homosexuell zu lesen scheint. Er selbst wusste aber von dem eigenen Begehren zu Männern nicht. Soll sie ihm sagen, dass er anders wirkte als andere Männer? Soll sie ihn retten? In Gaza gilt immernoch die Homosexualität als Sünde und wird bestraft! Am ende des Buches gibt Carolin Emcke kluge Argumentationsgrundlage für eine homosexuelle Ehe bzw. Ehe für alle. „Manchmal sehne ich mich danach. Dass ich jemandem sagen kann: Ja, ich bin lesbisch oder schwul, ja, es ist richtig, das in mir zu sehen, aber es ist eben nur eine Weise, mich zu betrachten. Sie ist nicht falsch, sie stimmt, ich erkenne mich darin auch wieder, aber es ist eben nur eine Deutung, in dem Bild ist auch noch anderes zu erkennen, wenn nur die Bereitschaft zum offenen Betrachten da ist, wen die Bereitschaft da ist, mich auch als etwas anderes zu sehen.“ (s.242)
Eine sehr intime, kluge Aufforderung eine Perspektive einzunehmen, die vielleicht neu ist, die man vielleicht bisher gescheut hat oder die man vielleicht gesucht hat. Carolin Emcke gelingt mit diesen Memoiren Bewegung in den eigenen Gefühlen anzustoßen und Empathie zu schaffen!