4.6

Wer möchte nicht im Leben bleiben

von Helene Bukowski

Format:Hardcover
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»Wie Helene Bukowski aus dem Nachlass einer jungen Frau ein ganzes Leben rekonstruiert und daraus diesen schmerzlichen und klaren Roman komponiert, ist großartige Literatur.«Marion BraschDu sitzt im Übungszimmer, stürzt dich in die Revolutionsetüde, hämmerst mit aller Gewalt auf den Flügel ein, zerlegst den Raum und explodierst wie Leuchtfeuer am Himmel. Später stehst du auf dem Gang, bist brav, still, lächelst. Deine Wut findet nurin den Noten Platz. Deine Wut ist ein dressierter Bär. Ich strecke die Hand aus.Christina besucht die Spezialschule für Musik in Berlin, ihr wird eine große Zukunft als Pianistin in der DDR vorausgesagt. Sie studiert am Tschaikowski- Konservatorium in Moskau. Doch kurz nach ihrer Rückkehr nimmt sie sich das Leben. Zärtlich undeindringlich erzählt Bukowski von der Zerrissenheit einer jungen Künstlerin.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
384 SeitenHardcover
Erschienen an: February 26, 2026

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Aktuelle Rezensionen(4)

4.6(24 ratings)
📖SylviaRezension von 📖Sylvia

Es fällt mir glatt ein wenig schwerer als gedacht, über dieses Buch zu schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass keine Rezension wirklich ausdrücken kann, was Wer möchte nicht im Leben bleiben mit mir gemacht hat. Ich habe in meinem Leben sehr viele Bücher gelesen. Aber ich glaube, ich kann tatsächlich sagen: Dieses ist das beste Buch, das ich bisher gelesen habe. Helene Bukowski erzählt die Geschichte von Christina, einer hochbegabten jungen Pianistin in der DDR, die bereits als Kind ihr Zuhause verlässt, um an einer Spezialschule für Musik ausgebildet zu werden, später in Moskau studiert und deren kurzes Leben schließlich tragisch endet. Und Christina hat wirklich gelebt. Bukowski erhält Jahrzehnte später ihren Nachlass: Briefe, Fotografien, Notizbücher und Tonaufnahmen. Aus diesen Fragmenten versucht sie, sich diesem Leben anzunähern. Und genau die Art, wie sie das tut, ist für mich das Außergewöhnliche an diesem Buch. Denn Helene Bukowski schreibt nicht einfach über Christina. Sie schreibt sich selbst an ihre Seite. Sie recherchiert, sucht Orte auf, spricht mit Menschen, folgt den Spuren dieses Lebens – und gleichzeitig hinterfragt sie immer wieder ihre eigene Rolle als Autorin. Was darf sie wissen? Was kann sie überhaupt wissen? Wo endet das Dokumentierte und wo beginnt ihre Vorstellung? Dadurch entsteht ein Erzählstil, wie ich ihn so noch nie gelesen habe. Bukowski lässt die Grenzen zwischen Biografie, Recherche und Roman verschwimmen und bleibt Christina dabei unglaublich nah, ohne sie jemals für ihre Geschichte zu vereinnahmen. Und dann ist da diese Sprache. So wunderschön. So fein und behutsam. Literarisch herausragend und trotzdem niemals anstrengend oder gewollt kunstvoll. Ich habe Sätze noch einmal gelesen, weil ich sie so schön fand – und gleichzeitig hatte dieses Buch einen unglaublichen Sog auf mich. Ich wollte eigentlich nichts anderes mehr tun als lesen. Wenn ich das Buch weggelegt habe, habe ich an Christina gedacht. Morgens war sie wieder da. Zwischendurch war sie da. Ich wollte wissen, wie es weitergeht, obwohl ich wusste, wohin dieses Leben führen wird. Ich war vollkommen in dieser Geschichte. Und vielleicht ist genau das das größte Kompliment, das ich einem Buch machen kann: Christina war für mich irgendwann nicht mehr nur die Protagonistin eines Romans. Dieses Buch hat mich unglaublich berührt. Es erzählt von Begabung und dem Preis, den ein Mensch dafür bezahlen kann. Von Leistungsdruck und Erwartungen, von Eltern und Kindern, von Musik, der DDR, Moskau, Freiheit und Unfreiheit. Aber vor allem erzählt es von einem jungen Menschen und von der Frage, was von einem Leben bleibt. Nach dem letzten Satz war für mich klar: Dieses Buch wird mich noch sehr lange begleiten. Ich würde Wer möchte nicht im Leben bleiben sechs Sterne geben, wenn ich könnte. Und nachdem ich es nun beendet habe, lege ich mich fest: Von allem, was ich bisher für den Deutschen Buchpreis 2026 gelesen habe, ist dies mein Buch. Ich möchte, dass Helene Bukowski den Deutschen Buchpreis gewinnt. Nicht nur, weil sie Christinas Geschichte erzählt hat. Sondern weil sie dafür eine literarische Form gefunden hat, die diesem realen Leben mit einer unglaublichen Behutsamkeit begegnet. Für mich ein außergewöhnliches Werk. Und eines dieser ganz seltenen Bücher, bei denen man irgendwann sagen kann: Ich werde mich daran erinnern, wie es war, dieses Buch zum ersten Mal zu lesen.

majamajaRezension von majamaja

Helene Bukowski schreibt die junge, talentierte Pianistin Christina. 1961 in der DDR geboren, früh gefördert, mit 11 auf eine Spezialschule für Musik "die Spezi" direkt an der Mauer in Berlin, später aufs Konservatorium in Moskau. Leistungsdruck und Leidenschaft für die Musik zeichnen Christinas Leben. Bukowski schreibt extrem intensiv und berührend. Sie spricht mit Christina, schreibt sich an ihre Seite, schreibt Ereignisse in Christinas Leben hinein. Das ist ungewöhnlich und sehr berührend. Wir sind nah dran, an Christina und irgendwann in Laufe des Buches gibt es einen Wandel und die Leserin entfernt sich von Christina, es entsteht eine Distanz. Vielleicht weil auch Christina sich verliert und nicht zurückfinden Das Ende, eigentlich sehr tragisch, habe ich schon aus weiter Entfernung, wie von oben aus meiner Zeit auf die Christinas blickend gelesen. Das finde ich schlüssig und schade zugleich. Eine sehr besondere, nachwirkende Sprache, die einen berührt und fragend distanziert zurücklässt.

Dominik SteinigerRezension von Dominik Steiniger

Ein Meisterwerk. Eine rauschende Sprache, eine Erzählung voller Respekt vor einem wirklich gelebten Leben, dicht und einfühlsam erzählt. Ein Hybrid zwischen Lyrik und Prosa.

LisaRezension von Lisa

Ufff! Was für ein Meisterwerk habe ich hier gerade beendet? Mich hat schon lange kein Buch mehr so berührt und zeitgleich tief bestürzt, wie dieses hier. Anfangs war ich minimal skeptisch, ob der eher ungewohnten Erzählweise: keine gewöhnliche Ich-Perspektive, keine dritte Person Singular. Helene Bukowski spricht ihre Protagonistin in dieser Annäherung stattdessen direkt an. Genau das hat für mich jedoch nach wenigen Seiten einen kompletten Sog erzeugt und auf eine besondere Art alles fühlen lassen, was Christina (vielleicht) er- und durchlebt hat. Die bildgewaltig-zärtliche Sprache ist auch ne Wucht, die noch lange nachwirkt.

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