Empfehlungen basierend auf "Was man von hier aus sehen kann Roman | Schmuckausgabe im Schuber"
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von Paolo Cognetti
Eine Geschichte vom Aufbrechen und vom WiederkehrenWagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?Vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti mit poetischer Kraft die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück. Eine eindringliche archaische Geschichte über die Unbezwingbarkeit der Natur und des Schicksals, über das Leben, die Liebe und den Tod.»Acht Berge« ist ein feiner, lebenskluger Roman, der mit inzwischen 1,5 Millionen verkauften Büchern weltweit viele Leserinnen und Leser begeistert hat; ausgezeichnet mit dem Premio Strega, dem bedeutendsten Buchpreis Italiens.
von Scott Alexander Howard
Wenn du die Möglichkeit hättest, einen der schlimmsten Momente deines Lebens rückgängig zu machen, würdest du es tun? Und zu welchem Preis?
von Charlotte Wood
Es geschah nicht zum ersten Mal, dieses Aufwachen im fahlen Licht des frühen Morgens, erfüllt von dem stillen, aber drängenden Wunsch, in die Kirche zu gehen. Ein Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten, ganz zweifellos. Frontalhirnschädigung, Frömmigkeit, Angst vor dem Tod, alles ein und dasselbe. Jude hatte da keine Illusionen.Diese Sehnsucht – war es eine Sehnsucht? Sie war ihr ein Rätsel, ein Beharren in ihrem Inneren, eine Art Schmerz, der kam und ging, vertraut und doch immer noch überraschend und mächtig, wenn er sich einstellte. Wie die Arthritis, die in ihrem Daumengelenk aufflammte. Der springende Punkt war, dass dieses Gefühl nichts mit Weihnachten oder mit sonst etwas in ihrem wachen Leben zu tun hatte. Es kam aus der Welt des Schlafes, entsprang ihrem träumenden Ich.Anfangs hatte dieses Gefühl sie beunruhigt, aber jetzt gab Jude sich ihm hin. Am Morgen vor Heiligabend lag sie in ihrem weißen Bett und stellte sich den kühlen, dunklen Innenraum einer Kathedrale vor, wo sie vielleicht allein wäre, willkommen geheißen von einer unsichtbaren, samtigen Macht. Sie sah sich dort knien, sah sich den Kopf auf die uralte Holzbank vor sich legen und die Augen schließen. Es war friedlich, in diesem stillen Raum ihrer Vorstellung.Frontalhirnschrumpfung, ganz zweifellos. In ihrem Alter unvermeidlich.Sie stellte sich die weichen, grauen Halbkugeln ihres Gehirns vor und musste an Lammhirne auf einem Teller denken. Hirn hatte sie immer gern gegessen, es gehörte zu den Gerichten, die sie oft bestellte, wenn sie mit Daniel essen ging. Aber beim letzten Mal hatten die drei zarten, winzigen Dinger, angerichtet auf einem rechteckigen Teller, sie angeekelt. Sie waren so klein, dass sie auf einen Dessertlöffel gepasst hätten, und in diesem angesagten türkischen Restaurant wurden sie sozusagen schmucklos serviert, nicht versteckt unter Panaden oder Garnierungen: Einfach drei nackte, pochierte Kleckse auf Grünzeug. Sie aß, natürlich aß sie, das gehörte zu ihren Prinzipien. Man lehnte nichts Angebotenes ab, schon gar nichts selbst Gewähltes. Doch beim ersten Bissen zerschmolz das Ding in ihrem Mund, zu gehaltvoll, wie streichzarte Butter, lauwarm und blassgrau, farblich und geschmacklich wie Motten – oder wie der Tod. In jenem Augenblick zeichnete der Schock ihr ein Bild von drei Lämmern, jedes mit eigenem Bewusstsein, eigenen Empfindungen, individuellen Freuden und Leiden. Danach konnte sie nicht mehr weiteressen und überließ Daniel den Rest. »Ich will nicht sterben«, hätte sie am liebsten gesagt.Natürlich sagte sie das nicht. Stattdessen fragte sie ihn nach dem Roman, den er gerade las. William Maxwell oder William Trevor? Sie verwechselte die beiden oft. Daniel war ein leidenschaftlicher Leser. Ein echter Leser. Der sich über Männer lustig machte, die keine Romane lasen, also über fast alle, die er kannte. Sie hätten Angst vor irgendetwas in sich selbst, sagte er. Angst, sich lächerlich zu machen, nicht zu verstehen – oder, wahrscheinlicher, Angst vor dem Gegenteil: dazu gebracht zu werden, sich selbst zu verstehen, und das sei ihnen unheimlich. Daniel schnaufte verächtlich. Sie behaupteten, keine Zeit zum Lesen zu haben, was ja wohl ein Witz war.Jude zog das Laken bis zum Kinn hoch. Der Tag fühlte sich jetzt schon stickig an, die Baumwolle kühlte ihren klebrigen Körper.Was wäre, wenn sie eines Morgens nicht aufwachte? Wenn sie eines Nachts in ihrem Bett starb? Niemand würde es merken. Tage würden vergehen. Irgendwann würde Daniel anrufen und sie nicht erreichen. Und dann? Sie hatten nie darüber gesprochen, was zu tun wäre, wenn sie in ihrem Bett starb.Letzte Weihnachten war Sylvie noch da, diese nicht – und jetzt sollten sie das Haus in Bittoes entrümpeln. Nehmt euch, was ihr wollt, hatte Gail aus Dublin in einer E-Mail geschrieben. Betrachtet es als Ferien. Wie man im Zusammenhang mit der Auflösung des Hauses einer toten Freundin an Ferien denken konnte, war Jude unbegreiflich. Aber es war nun mal Weihnachten, und Gail hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie nach Irland abgezischt war und es ihnen überlassen hatte. Von daher. Nehmt euch, was ihr wollt.Es gab nichts, was Jude wollte. Von den anderen wusste sie es nicht.Sylvie lag seit elf Monaten unter der Erde.Die Trauerfeier hatte im Restaurant stattgefunden (nicht mehr wiederzuerkennen, nichts außer dem Namen war geblieben). Es hatte wunderbares Essen und guten Champagner gegeben, gute Reden. Wendy hatte wundervoll gesprochen, ehrlich, poetisch. Gail war von einem stummen, schrecklichen Schluchzen geschüttelt worden und Sylvies armer, trauriger Bruder Colin, der neben Gail saß, zu keiner tröstenden Geste fähig gewesen. Er war einundachtzig, hatte im Golfclub ihrer Heimatstadt als Greenkeeper gearbeitet, war dort geblieben, als der Rest der Familie das Städtchen längst verlassen hatte, und war nie darüber hinweggekommen, dass seine Schwester lesbisch war.Zum Schluss landete Sylvie an einem Ort, den niemand erwartet hatte: Sie bekam eine altmodische Beerdigung in Mona Vale, neben ihren Eltern. Jude, Wendy und Adele waren mit Colin und Gail hingefahren, und mit Andy und Elektra von früher. Sie hatten mit dem mitfühlenden Priester (Ein Priester! Für Sylvie!) auf dem heißen Friedhof gestanden. Jude hatte eine Handvoll Erde genommen und ins Grab geworfen. Seltsam, dass sie das nach all den Jahren zum ersten Mal tat, oder auch nur sah, wie jemand es tat, außer in einem Film. Sie kam sich albern vor, als sie im Dreck niederkauerte und mit ihren lackierten Nägeln in der trockenen, kiesigen Erde scharrte, aber als sie sich aufrichtete und die Erde auf Sylvies Sarg hinabregnen ließ, ergriff sie ein furchtbarer Kummer, stieg in ihrem Körper hoch und flog hinaus in das ohrenbetäubende, helle Rauschen der Zikaden.Sylvie war tot und empfand keinen Schmerz mehr. Sie hatten sich verabschiedet. Es gab nichts zu bedauern, trotzdem lag sie da drin, in dieser Kiste, unter dem Gewicht dieser ganzen Erde, in der ihr kalter kleiner Körper verweste.Gail sagte, zum Schluss habe sie friedlich ausgesehen. Aber das hatte nichts mit Frieden zu tun, sondern mit dem Fehlen von Muskeltonus, von Leben. Der Tod ließ einen jünger aussehen, das war eine Tatsache. Jude hatte inzwischen sechs oder sieben Tote gesehen, und ihre Gesichter hatten sich alle geglättet, nachdem das Leben aus ihnen gewichen war, und sie hatten ausgesehen wie ihr viel jüngeres Ich. Ein oder zwei sogar wie Babys.Wie lange brauchte ein Körper, um zu verwesen? Sylvie hätte bei dieser Frage gekreischt: Ist ja gruselig, Jude!Der Deckenventilator in ihrem Schlafzimmer drehte sich langsam, tickend, über ihr. Ihr Leben war sauber und klar, klar wie die weißen Ventilatorblätter, die unbeirrt durch die widerstandslose Luft glitten. Das sollte ihr ein Trost sein. Es war ihr ein Trost. Die Zimmer ihrer Wohnung waren nicht mit Vergangenheit vollgerümpelt. Niemand würde sich für Jude durch staubige Kartons und Schränke voller Kram und Krempel wühlen müssen.Sie lag in ihrem Bett und dachte an Kathedralen. Und an Tiere. Ratten unter den Bodendielen, Kakerlaken, die sich hinter den gekreuzten Knöcheln und blutenden Füßen gipserner Jesusfiguren tummelten. Sie dachte an dunkle, bösartige kleine Vögel, an die gedämpften, schwachen Geräusche von Kreaturen, die in den Hohlräumen zwischen Steinen und Verputz, Decken und Dachbalken starben. Sie dachte an deren Kot, der austrocknete und hart wurde, und daran, was wohl aus der Haut, dem Fell und den Organen wurde, die ungesegnet in den Höhlungen von Dächern verrotteten.Natürlich würde sie nicht in die Kirche gehen, schließlich war sie weder dumm noch feige.Stattdessen würde sie zum Fleischer fahren, danach zum Lebensmittelladen und zur Haushaltswarenhandlung, um noch ein paar letzte Putzmittel zu besorgen, und schließlich würde sie ganz ohne Hast die Autobahn zur Küste nehmen, und nachmittags würden die anderen eintreffen.Es war kein Urlaub, hatten die drei Frauen sich gegenseitig gemahnt, aber eigentlich war diese Mahnung für Adele bestimmt, die sich beim ersten Anzeichen von Arbeit verkrümeln würde. Adele würde absolut nutzlos sein, doch sie konnten sie nicht ausschließen.Es waren nur drei Tage. Eigentlich eher zwei, da Einkäufe, Fahrt und Ankunft den größten Teil des heutigen Tages in Anspruch nehmen würden. Am zweiten Weihnachtstag würden die beiden anderen schon wieder abreisen und Daniel kommen. Jude beobachtete das geschmeidige Dahingleiten der Ventilatorblätter. Genau so würde sie sein; gleichmütig würde sie durch die Stundengleiten, bis Adele und Wendy wieder abreisten. Sie würde die üblichen Dinge nicht an sich heranlassen; dafür waren sie alle zu alt.
von Anne Freytag
Als Ferdinand von einem »Sommer auf dem Meer« sprach, hatte Nora etwas anderes im Sinn: weniger abgelegen, weniger beruflich. Auch Franziska ahnte nicht, worauf sie sich einließ, als ihr Mann Kilian einen Urlaub zu siebt ankündigte: mit seinem Chef Walter Bronstein, Ferdinand Mattern, seinem größten Konkurrenten, den drei Ehefrauen und Walters Sohn David. Auf der luxuriösen Superyacht in den Philippinen mangelt es ihnen an nichts, es könnte eine entspannte Zeit sein, aber die Gäste ahnen: Bei diesem Trip geht es um mehr, um etwas Großes. Nur worum genau, das scheint keiner zu wissen. Wieso hat Walter die beiden Kontrahenten und ihre Frauen eingeladen? Zwei Paare in den Vierzigern, die Kinder aus dem Gröbsten raus, die Eigenheime abbezahlt, die Karrieren steil – die der Männer, versteht sich. Alle zeigen sich von ihrer besten Seite. Es wird strahlend gelächelt und gekonnt konversiert. Eheleute, wie man sie sich nicht glücklicher ausmalen könnte. Aber nichts ist, wie es scheint. Sie alle spielen eine Rolle in dieser Inszenierung. Aber für wen? Und wer führt Regie? Anne Freytag beobachtet präzise und deckt schonungslos auf, was sie sieht. Sie erzählt mit großer Dringlichkeit von stillschweigenden Übereinkünften, die aufgekündigt werden, Erwartungs- haltungen und Enttäuschungen, Bedürfnissen und Begierden, Konventionen und Geheimnissen.
von Anne Freytag
Der eine Sommer, in dem alles anfangen sollte. Der Sommer, in dem ein Leben endet – völlig unerwartet, viel zu früh. Als seine Freundin stirbt, bleibt Kennis Welt stehen. Doch das Leben geht einfach weiter, ob man will oder nicht. Nicht mal die Trauer kann es aufhalten. Wann hört ein Ende wirklich auf, und wo fängt man selbst wieder an? Was, wenn der Neuanfang so leise daherkommt, dass man ihn überhört?
von Elisa Hoven
Eva Herbergen, engagierte Strafverteidigerin, will sich langsam aus ihrer Arbeit zurückziehen und mit Ehemann Peter das Alter genießen. Doch die düsteren Schatten ihrer Fälle reichen bis in ihr Privatleben hinein. In packenden Tableaus leuchtet Elisa Hoven juristische wie biographische Dunkelzonen aus: Sicherheit ist Illusion, ein Urteil bleibt immer nur eine Annäherung an die Wahrheit. »Feine Risse« führt ins Dickicht der Zufälligkeiten bei der Entstehung von Straftaten. Die Ursachen verstecken sich oft tief in einer Vorgeschichte – und liegen manchmal so nahe, dass sie umso leichter übersehen werden.
von Linea Maja Ernst
An der Uni waren Sylvia und ihre Freunde unzertrennlich, jetzt haben sie Jobs, Beziehungen, manche sogar Kinder. Doch eine Sommerwoche wollen sie gemeinsam verbringen, in einem Haus am See. Im Mittsommerlicht, beim Kochen und Krebse fangen, in Gesprächen über Liebe, Queerness und das Leben, kehrt die alte Vertrautheit schnell zurück. Doch als zwei von ihnen Heiratspläne verkünden, lassen sich verborgene Sehnsüchte immer schwerer unterdrücken. Leben sie alle wirklich so frei und glücklich, wie sie es sich immer erträumt haben?
von Madeline Cash
»Was für ein Feuerwerk aus Witz, Intelligenz und Energie! Ich hätte ewig weiterlesen und die Familie Flynn auf ihren herrlich abgründigen Wegen begleiten können.« Elena FischerEigentlich könnte die Familie Flynn eine Vorbild-Vorstadt-Familie sein: Mutter, Vater und drei Töchter, sonntags geht man in die Kirche. Eigentlich. Denn die Flynns haben es schwer. Jeder für sich und alle miteinander. Seit Mutter Catherine in einer Sinnkrise beschlossen hat, die Ehe zu öffnen, lebt Vater Bud im Auto in der Garage und findet in der Selbsthilfegruppe zuflucht, die am wenigsten nach Sekte klingt: die Verlorenen Schäfchen. Auch die Töchter suchen ihre Wege aus der familiären Lebenskrise: Die jüngste, Harper, ist sich sicher, dass sie einer großen Verschwörung auf der Spur ist. Louise befindet sich in einem ungünstigen Beziehungsstrudel mit ihrem fundamentalistischen Online-Lover, während die dritte im Bunde, Abigail, einen schweigsamen jungen Mann namens Kriegsverbrecher-Wes datet. Und all diese Fäden laufen ausgerechnet bei einem zwielichtigen Milliardär zusammen.Mit hinreißender Lakonie erzählt Madeline Cash von einer Familie kurz vor dem Kollaps in den Turbulenzen unserer durchmodernisierten Welt. »Verlorene Schäfchen« ist der Familienroman der Stunde.
von Kiran Millwood Hargrave
»Eine der besten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe. »Zwei an einem Tag« für eine neue Generation.« Stacey Halls
von Franziska Gänsler
Die Fleischtheke des Supermarkts am Tag, Stille bei Nacht: So sieht Coras Leben aus. Bis ihre Kindheitsfreundin Olympia verhaftet wird und alles zurückkommt. Der Sommer, in dem sie sich wiedergetroffen haben, in dem alles gesummt hat in ihr, das Seewasser noch auf der Haut, der Glitzer auf der Cap, die verzierten Fingernägel. Die langen Tage im großen, leeren Haus mit Olympia, die Cora erkennt, wie sie ist. Und wie schnell sie Olympia nicht mehr nur für sich hat nach der illegalen Party, auf der sie zum ersten Mal eine Grenze überschreiten, nach der Olympia so viel Zeit mit Ariel und ihrer Aktivistengruppe verbringt. Während Cora versucht, in der Schule und zu Olympia den Anschluss zu halten, schlägt eine radikale Idee ihre Triebe aus – und Cora verstrickt sich in ein Lügengespinst, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. #freeolympia