Eine Reportage zum wichtigsten Gerichtsprozess unserer Zeit Die monströsen Verbrechen an Gisèle Pelicot, die von ihrem Mann über Jahre betäubt und von ihm und fast 70 anderen Männern vergewaltigt wurde, haben die Welt erschüttert. Das sich anschließende Gerichtsverfahren avancierte zu einem der aufsehenerregendsten Prozesse der letzten Jahrzehnte, nicht nur wegen der Schwere der Schuld, sondern weil weithin klar wurde, dass das dort Verhandelte Millionen von Frauen betrifft. Manon Garcia, eine der wichtigsten Feministinnen der neuen Generation, reiste zum Prozess nach Avignon, um diesen akribisch zu dokumentieren. Sie verbindet ihre präzisen Beobachtungen über den Verlauf des Verfahrens, die Angeklagten und deren Reaktion auf die Vorwürfe mit Überlegungen zur Rolle der Frau in der patriarchalen Gesellschaft. Und sie verknüpft sie mit eigenen Erfahrungen der alltäglichen Gefahr, Opfer zu werden. Angesichts der Abgründe männlicher Gewalt gelangt sie zu der existenziellen Frage: Wie noch mit Männern leben?
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Mit Männern leben
von Manon Garcia, Andrea Hemminger
Eine Reportage zum wichtigsten Gerichtsprozess unserer Zeit Die monströsen Verbrechen an Gisèle Pelicot, die von ihrem Mann über Jahre betäubt und von ihm und fast 70 anderen Männern vergewaltigt wurde, haben die Welt erschüttert. Das sich anschließende Gerichtsverfahren avancierte zu einem der aufsehenerregendsten Prozesse der letzten Jahrzehnte, nicht nur wegen der Schwere der Schuld, sondern weil weithin klar wurde, dass das dort Verhandelte Millionen von Frauen betrifft. Manon Garcia, eine der wichtigsten Feministinnen der neuen Generation, reiste zum Prozess nach Avignon, um diesen akribisch zu dokumentieren. Sie verbindet ihre präzisen Beobachtungen über den Verlauf des Verfahrens, die Angeklagten und deren Reaktion auf die Vorwürfe mit Überlegungen zur Rolle der Frau in der patriarchalen Gesellschaft. Und sie verknüpft sie mit eigenen Erfahrungen der alltäglichen Gefahr, Opfer zu werden. Angesichts der Abgründe männlicher Gewalt gelangt sie zu der existenziellen Frage: Wie noch mit Männern leben?
Aktuelle Rezensionen(20)
Die Französin Manon Garcia ist Philosophieprofessorin und hat den Aufsehen erregenden Prozess gegen Dominique Pelicot und weitere Angeklagte von Anfang bis Ende verfolgt. Ihr Bericht ist eine herausfordernde und grenzwertige, zugleich nötige, Lektüre. Sie vermengt journalistischen Reportagestil mit Exkursen in rechtsstaatliche Diskurse, etwa wenn es um das "consentement" geht, zeigt auf, inwiefern Gisèle Pelicots Wunsch, den Prozess letztendlich vor den Augen der Öffentlichkeit zu führen, ein Erdbeben ausgelöst hat, das nicht nur eine neue feministische Bewegung anstieß, sondern auch Debatten um Sexualmoral, patriarchale Machtsysteme und Opferschutz bzw Missbrauch und dessen Prävention. Sie selbst meldet sich auch ab und zu als persönliche Stimme einer schockierten Frau und Mutter zu Wort, schildert, wie sie der Fall beschäftigt und umtreibt und wie die ersten Videos, die im Gerichtssaal gezeigt werden, für sie einen Alptraum darstellen. Es wird viel über Männlichkeit verhandelt, über die "Proud Boys" und ihre abwertende Sicht auf Frauen, über Grenzen zwischen Normalem und Pathologischem und berichtet, was der Prozess mit den Familien der Angeklagten und der französischen Gesellschaft macht. Garcia lässt uns in eine kaum vorstellbare Missbrauchshölle blicken, es gibt Passagen und Zitate aus dem Prozess, die kaum oder schwer auszuhalten sind. Ihr Buch hilft aber zugleich ungemein, Gisèle Pelicots Geschichte einzuordnen und abseits einer reinen Betroffenheit zu erfassen - das Verb "verstehen" wäre hier fehl am Platz. Auch Männern sei eine Lektüre empfohlen!
Mir fiel es auf den ersten 50 Seiten schwer reinzukommen. Aber danach wollte ich das Buch nicht mehr weg legen. Für mich war es das erste Buch über einen Gerichtsprozess mit Philosophischer Aufarbeitung, daher war es auch nicht immer niedrigschwellig und ein paar Begriffe musste ich recherchieren/übersetzen. An ein paar Stellen wird es explizit - man weiß bei dem Fall ja ungefähr, was auf eine*m zukommt - aber immer eingeordnet. Wenn man sich im Vorfeld mit dem Prozess und den Taten befasst hat, kann man mit diesem Buch noch andere Ebenen darin erkunden. Es sind so viele Gedanken dabei gewesen, die die Vielschichtigkeit des Prozess greifbar machen konnten.
Ein sehr scharfer Bericht über den Pelicot-Prozess. Obwohl es keine 200 Seiten lang ist, habe ich wirklich viel Zeit und viele Pausen gebraucht, um es auszulesen und den Inhalt zu verarbeiten. Nichtsdestotrotz ist es eine gesellschaftlich wichtige Lektüre und stellt am Ende die Frage: wie werden Frauen von Männer gesehen? Und ich frage mich, gerade nach den Aussagen und Motiven der Angeklagten, inwiefern ich Männern vertrauen kann, vor allem, wenn ich glaube sie zu kennen. Der Prozess selbst lässt mich schockiert zurück.
Wichtig für Männer zum Verständnis ihrer Verhaltensmuster, wichtig für Frauen zum Erkennen männlicher Verhaltensmuster. Und im Erkennen liegt ein Ansatz zur Lösung.
Mit Männern leben ist kein Roman, sondern ein feministischer Essay der französischen Philosophin Manon Garcia. Sie setzt sich darin mit Macht, Geschlechterrollen und Gewalt gegen Frauen auseinander und regt dazu an, vieles neu zu hinterfragen. Mich hat das Buch inhaltlich oft verstört, teilweise sogar angeekelt – nicht wegen der Autorin, sondern wegen der beschriebenen Realität. Gleichzeitig merkt man, wie fundiert und sorgfältig Manon Garcia ihre Gedanken entwickelt. Es ist allerdings keine leichte Alltagslektüre: Vieles ist sehr theoretisch und stellenweise anspruchsvoll zu lesen. Für alle, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchten, ist es dennoch ein sehr lesenswertes Buch.