4.5

Laura Clark ist dann mal weg

von Helen Russell, Dietmar Schmidt

Format:Hardcover

Der Aufzug klemmt, die Kaffeemaschine tropft, und im Büro stapeln sich die Beschwerden: Laura Clark ist weg. Einfach so. Ihr Ehemann Mark kämpft mit Handwerkern, die sein Haus überrennen, Tochter Siân sucht verzweifelt in Wäschebergen nach Antworten, und im Büro geraten Lauras Mitarbeiter an ihre Grenzen. Niemand, nicht mal ihre beste Freundin weiß, wo Laura abgeblieben ist. Ihr Mann vermutet sie auf einer Beerdigung, ihre Mutter glaubt, sie sei in einem Wellnesshotel. Nur langsam kommt Lauras Umfeld ein unerhörter Gedanke: Könnte ausgerechnet Laura, die sich immer aufopferungsvoll um alles und jeden gekümmert hat, ihr Leben, ihre Familie und ihre Freunde einfach hinter sich gelassen haben?

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
416 SeitenHardcover
Erschienen an: August 31, 2026

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Aktuelle Rezensionen(4)

4.5(8 ratings)
EliseRezension von Elise

Dieses Buch liest sich wie eine Mockumentary über eine Frau, die verschwindet. Wie wenn Claire Dunphy aus Modern Family sich eines Tages entschließt zu gehen und Phil und Haley zurechtkommen müssen. Voller Komik, unterhaltsam und mit zwar überzeichneten, aber trotzdem auch liebenswürdigen Charakteren wird das Thema Care-Arbeit und Mental Load sichtbar gemacht.

SteffiRezension von Steffi

*Rezensionsexemplar* Über die Unsichtbarkeit der Frau und ihrer Arbeit Wie funktioniert denn nur diese Waschmaschine? Warum macht der Hund Pipi ins Wohnzimmer? Und wer kümmert sich um den Betriebsausflug? Dass alles (und noch mehr) wird nur gefragt, weil eine Person nicht auffindbar ist: Laura Clark. Mutter einer 19-jährigen Tochter und Ehefrau eines selbstverliebten Mannes sowie Leiterin der Personalabteilung – das scheint alles zu sein, was Laura ist. Bis Laura eines Tages beschließt, dass sie mehr ist als eine Person, die lediglich für die Bedürfnisse der anderen zur Verfügung steht. Dass sie auch an sich denken darf, ja sogar muss, um ein entsprechendes Vorbild für ihre Tochter zu sein. Damit diese lernt, dass man auch einfach man selbst sein darf, ohne Funktion, ohne Job, ohne Aufgaben für andere zu erfüllen, und trotzdem sehr viel wert ist. Einfach um seiner selbst willen. „Laura Clark ist dann mal weg“ wird hauptsächlich aus den Perspektiven all derer erzählt, die sich blind auf Laura verlassen. Die darauf bauen, dass Laura ihr Leben und das Leben all der Anderen im Griff hat und dafür nichts braucht. Laura ist für alle anderen unsichtbar, bis sie plötzlich fehlt und nach und nach (fast) allen auffällt, was sie eigentlich alles (ge)leistet (hat). Die Charaktere im Buch sind teilweise sehr unsympathisch, was aber zur Story passt. Man kann Laura sehr gut verstehen. Es hat mich anfangs unglaublich wütend gemacht, wie wenig insbesondere ihre Familie Laura wertschätzt und wie unglaublich wenig lebensfähig sie ohne ihre „Managerin“ sind. Auch Lauras Mutter ist ein Ausbund an Egoismus, einfach furchtbar. Es gibt allerdings auch Charaktere im Buch, die eine tolle Entwicklung hinlegen und die durch Lauras Abwesenheit selbst an Stärke gewinnen. Hier hat mir insbesondere die Entwicklung von Lauras Tochter Sian sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist gleichzeitig voller Humor und Sarkasmus und das Buch lässt sich flüssig lesen. Auch wenn ich so einige Gedankengänge der „betroffenen“ Personen nicht nachvollziehen konnte, sondern mich eher schockiert haben, hat mir die Erzählweise sehr gut gefallen. Dass man Lauras Blickwinkel erst am Schluss kennenlernt unterstreicht nur, worum es in dem Buch eigentlich geht: Die Unsichtbarkeit der Frau in ihrem ganzen Sein. Mich hat der Gedanke sehr beschäftigt und ich möchte das Buch jedem empfehlen!

CaroRezension von Caro

💭 M E I N U N G Die Geschichte um Laura Clark erzählt aus deren Umfeld, während diese verschwunden ist. Was genau mit ihr passiert ist, erfährt der Leser erst am Ende, das ist für die Handlung jedoch auch nicht relevant. Denn diese dreht sich insbesondere um das, was Laura zurückgelassen hat und was durch ihr plötzliches Fehlen wegfällt. Wir erleben Lauras Kollegen, die ihre Arbeit bisher als selbstverständlich angesehen haben. Wir lernen ihren Mann Mark und die gemeinsame Tochter Sian kennen, deren Alltag ohne Laura zu einem kompletten Chaos wird. Und auch Lauras Mutter und ihre beste Freundin Ruth Der Roman lebt nicht von Spannung, sondern ist vor allem eines: unterhaltsam und zwar auf eine gesellschaftskritische Art, die mir sehr gut gefallen hat. Er trifft einen wunden Punkt, indem er die Lücken aufzeigt, die durch das Verschwinden einer Frau entstehen und zeigt die Wichtigkeit der häufig übersehenen Aufgaben, die Frauen im Haushalt, Beruf und bei der Care-Arbeit erledigen und auch den Mental Load, den Frauen dadurch oft alleine tragen. Auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe und auch nicht verheiratet bin, hat mich die Geschichte, trotz ein paar Längen, total überzeugen können. Sie hat mich einerseits unterhalten und andererseits zum Nachdenken angeregt. Ich glaube, dass die Geschichte noch eine Weile in mir nachwirken wird 💭 ⭐️ F A Z I T Ein lebensnaher und unterhaltsamer Roman über das Verschwinden einer Frau und die Lücken, die sie dadurch hinterlässt - authentisch und humorvoll erzählt mit warmherzigen Figuren, der zum Nachdenken anregt ✨ Verlag: Bastei Lübbe Autorin: Helen Russel Übersetzung: Dietmar Schmidt

VeroRezension von Vero

Wenn unsichtbare Arbeit plötzlich sichtbar wird: Gesellschaftskritik mit Witz und Leichtigkeit "Bei Glühlampen war er gut. Er war gut darin, zu erkennen, wenn eine durchgebrannt war. Er war gut darin, nach oben zu greifen, sie aus der Fassung zu drehen und die Ersatzlampe hineinzuschrauben. Solange Laura daran dachte, die richtigen Glühlampen zu kaufen, hatte Mark den Laden fest im Griff." Laura war immer da und hat sich um alle und alles gekümmert. Bis sie es eines Tages nicht mehr tut. Laura ist weg, spurlos verschwunden. Ihr Ehemann Mark, ihre Tochter Sian, ihre Mutter, ihre Kollegen und Kolleginnen – alle sind vollkommen aufgeschmissen ohne Laura, nichts läuft mehr ohne sie, alles geht den Bach runter: Ihre Familie hat nichts zu essen, keine gewaschene Kleidung zum Anziehen, der Hund wird nicht mehr Gassi geführt und erleichtert sich im Haus. Im Büro kümmert sich niemand um den defekten Fahrstuhl, die anfallenden Aufgaben werden nicht erledigt, der anstehende Betriebsausflug nicht vorbereitet. Abwechselnd begleiten wir Mark, Sian, Lauras Kollegen Ian bei ihrem Kampf mit dem Alltag ohne Laura, was mich anfangs erheitert hat, mit der Zeit zu Kopfschütteln und Unglauben führte und schließlich Wut und Empörung auslöste. Laura hat sich für die Menschen in ihrem Umfeld aufgeopfert und doch nie ein Dankeschön erhalten, sie und ihr Engagement galten als selbstverständlich und wurden gar nicht erst gesehen; sie war eben immer da, „wie die Tapete.“ (ihre Kollegin Chloe über Laura). Lediglich Lauras beste Freundin Ruth sieht und weiß, was Laura in den verschiedenen Bereichen ihres Lebens alles leistet, und kann ihr Verschwinden nachvollziehen: „[Sie] [h]atte es ein Jahr nach dem anderen hingenommen, übersehen und unterschätzt zu werden.“ Lauras Tochter Sian ist die erste, die irgendwann Einsicht zeigt und das Verschwinden ihrer Mutter mit der fehlenden Wertschätzung in Zusammenhang bringt, gefolgt von Lauras Kollegen Ian. Die Entwicklung der beiden Figuren hat mir gut gefallen und war ein kleiner Lichtblick bei den größtenteils doch eher unsympathischen Charakteren. Der Schreibstil ist zugänglich und mitreißend, der Humor perfekt: voller Ironie, Sarkasmus und scharfer Beobachtungen. Die Reflektionen über Care Arbeit, mental load und Mutterschaft anhand von Zeitungsartikeln und durch Ruth sind mühelos und natürlich in die Geschichte eingebunden, ohne belehrend zu wirken, und haben mir gut gefallen. Das Ende - das ich bis zum Schluss so nicht erwartet habe - war großartig und hat perfekt zur Geschichte passt Die Idee, die Kritik an Rollenerwartungen an Frauen und Mütter sowie fehlender Wertschätzung und Anerkennung für Care Arbeit und mental load nicht explizit zu äußern, sondern durch das Ausbrechen aus und Wegfallen eben jener sichtbar zu machen, fand ich originell und genial. Dadurch kann das Buch möglicherweise auch solche Lesenden erreichen, die auf oben genannte Kritik eher ablehnend reagieren. „Laura Clark ist dann mal weg“ war ein humorvolles Lesevergnügen mit einer klugen und wichtigen Botschaft, und ich kann es nur empfehlen!

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