Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig – blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund ... Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.
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John of John
von Douglas Stuart, Sophie Zeitz
Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig – blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund ... Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.
Aktuelle Rezensionen(5)
Douglas Stuart macht einen emotional einfach fertig, aber bei diesem Buch auf eine ziemlich sachte Art und Weise. Es waren trotzdem harte Themen, aber auf eine Weise erzählt, mit der ich irgendwie gut umgehen konnte. Ich habe das Setting und den historischen Kontext rund um Schottland geliebt.
Was wollen wir vom Leben? Können unsere Träume verschwinden, wenn wir die lange genug ignorieren? Können sie uns den Rücken kehren, wenn wir ihnen nicht die Pflege bieten, die sie verdienen? Was braucht mehr Mut, Bleiben oder Gehen? Das Bekannte oder das Neue? Viele Fragen denen Stuart sich mit einem Feingefühl und eine Sprache widmet, die sich anfühlt wie eine Umarmung.
Anfang 1990er Jahre. Hebriden Insel. John Calum MacLeod, ist der Sohn von John MacLeod, kurz genannt Cal. Auf der Insel ist Cal wieder John of John. Seine Rückkehr ist geplant. Zur Beruhigung nimmt er 1 Ecstasy-Pille. Er wohnt in dem Haus bei seinem Vater & Oma; Ella. Cal´s Alltag: Schafe hüten & weben. Warum ist Cal zurückgekehrt? ********* „John of John“ von Douglas Stuart ist sein 3.Buch. Was bedeutet Herkunft? Kann man ihr entkommen? Edinburgh war eine Flucht. Cal ging auf eine Modeschule, ist schwul, trägt jetzt grüne Haare & nimmt Drogen. Er kehrt auf die fiktive Insel Falabay zurück. Cal ist für John eine Schande, jedoch nimmt er ihn bei sich auf. In welche Beziehung stehen sie zueinander? Die Vater-Sohn Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Liebe, Geheimnisse & Identität sind die wesentlichen Bestandteile zwischen ihnen. Sie versuchen miteinander klar zukommen & nähern sich an. John ist gegenüber Cal oft handgreiflich. Ein unsichtbares Band hält sie zusammen. Wie der Webstuhl der für den Unterhalt sorgt. Identität & Sexualität gehören nicht auf die Insel. Frau & Mann = Gottespaar. Schwulsein wird nicht akzeptiert & verstößt gegen das Weltbild. Cal ist schwul. John? Er trägt ein Geheimnis mit sich, welches im Laufe des Buches offenbart wird. Stuart hat ein atmosphärisches, düsteres, emotionales Buch geschrieben & gibt wenig Hoffnung auf Besserung. In einem ungewöhnlichen Setting. Er gibt ein Blick auf Handwerk & Tradition. Die Personen kann man nicht mögen, am Ende des Romanes tuen sie mir leid. Ich verstehe warum Cal von der Insel wegwollte. Die Figuren sind sehr reif. Leichte Schmunzler sind zwischen den harten Worten vertreten. Beim Lesen bin ich durch die Seiten geflogen & zum Ende des Buches nimmt die Geschwindigkeit zu. Es liest sich gut, man bleibt an der Story, trotz der harten Sequenzen. Es ist ein Buch über eine Vater-Sohn Beziehung, Identität, Liebe, Sehnsucht & Zugehörigkeit. Am Ende war ich traurig, dass der Roman zu Ende war.
Tiefgründiger, tragischer, großartiger Roman. John of John von Douglas Stuart aus Hanser Berlin Verlag ist ein eindringlicher, atmosphärisch dichter Roman, der weit stärker von seinen Figuren und ihrer inneren Zerrissenheit lebt als von äußerer Handlung. Die Geschichte spielt auf der abgelegenen schottischen Insel - einer rauen, religiös geprägten Gegend, in der Tradition, Arbeit und Glaube das Leben bestimmen. Im Mittelpunkt steht der 22-jährige John-Calum Macleod, meist nur Cal genannt, der nach einem Studium für Kunst und Textilverarbeitung in Edinburgh mittellos nach Hause zurückkehrt. Dort landet er erneut in dem erstickenden Umfeld seiner Kindheit: auf dem kleinen Familienhof seines Vaters John, zwischen Schafen, Webstühlen und strengen presbyterianischen Glaubensregeln. Der Roman entfaltet seine Stärke besonders über die komplizierte Beziehung zwischen Cal und seinem Vater. John ist Schafzüchter, Tweed-Weber und zugleich eine angesehene religiöse Autorität innerhalb der Inselgemeinschaft. Nach außen verkörpert er Härte, Disziplin und religiöse Strenge, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Mann, der sein gesamtes Leben gegen die eigene Identität geführt hat. Cal wiederum versucht verzweifelt, seiner Herkunft zu entkommen, bleibt aber emotional und traditionsbehaftet an die Insel gebunden. Dadurch entsteht zwischen Vater und Sohn eine intensive Spannung: Beide tragen ähnliche Sehnsüchte und Ängste in sich, können aber kaum offen miteinander sprechen. Stuart zeigt eindrucksvoll, wie Schweigen und Scham über Generationen hinweg weitergegeben werden. Auch die Nebenfiguren sind außergewöhnlich präzise gezeichnet. Besonders Ella, Cals Großmutter, bleibt im Gedächtnis. Sie stammt ursprünglich aus Glasgow, wirkt direkter und lebensnäher als die übrigen Inselbewohner und bringt trotz ihrer Schroffheit Wärme und Humor in die oft melancholische Geschichte. Zwischen ihr und dem Vater von Cal herrscht seit Jahren eine unterschwellige Feindseligkeit. Gleichzeitig verbindet die beiden jedoch auch die gemeinsame Sorge um Cal. Hinzu kommen Figuren wie Innes MacInnes, Johns engster Freund, oder Cals Jugendfreund Doll Macdonald, deren Beziehungen nach und nach die verdrängten Geheimnisse der Insel offenlegen. Besonders beeindruckend ist, wie detailreich Douglas Stuart das Leben auf der Insel beschreibt. Die Arbeit am schweren Webstuhl, die Schafhaltung, die gälische Sprache und die strengen religiösen Rituale verleihen dem Roman eine fast greifbare Atmosphäre. Gleichzeitig zeigt Stuart eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und Abweichungen kaum verziehen werden. Diese Enge macht Cals Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung umso schmerzhafter. Was John of John letztlich so außergewöhnlich macht, ist die emotionale Präzision. Stuart schreibt mit großer Sensibilität über Einsamkeit, verdrängte queere Identität und das Gefühl, zwischen Herkunft und eigenem Leben zerrieben zu werden. Der Roman ist ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für Stimmungen, Gespräche und unausgesprochene Konflikte. Gerade dadurch entfaltet die Geschichte eine enorme Wucht. Die Figuren wirken nie konstruiert, sondern schmerzhaft real – voller Fehler, Sehnsucht und unterdrückter Gefühle. Douglas Stuart gelingt damit erneut ein literarisch anspruchsvoller und tief berührender Roman, der lange nachhallt und zu seinen stärksten Werken zählt. Eine unangeschränkte und begeisterte Empfehlung.
Nachdem ich von Douglas Stuart bereits „Young Mungo“ über Vorablesen bekommen habe, habe ich mich sehr auf das neue Werk des Booker-Preisträgers gefreut. Und er bleibt sich und seinem Erzählstil treu. Wir starten im Plot mit Calum John, dem Sohn von John und Titelgeber des Romans, der sich vom schottischen Festland unter der Angst seiner sterbenden Großmutter auf den Weg in die Heimat begibt: die Hebriden, wo sein Vater und seine Großmutter mütterlicherseits alleine ihre Croft betreiben. Dass er zur Überfahrt eine halbe Ecstasy nimmt, erklärt schon viel über seine Gefühle zu seiner Heimat. Auch zu Beginn erfahren wir, dass beide Männer schwul sind, es nicht voneinander wissen, und aufgrund der religiösen und konservativen, überschaubar großen Bevölkerung der Insel auch nicht sollen. Cals Mutter lebt ebenfalls auf der Insel, hat seinen Vater aber für seinen Bruder verlassen und lebt mit den Halbgeschwistern bei diesem. Und dann sind da noch Innes, sein Bruder Sorley und deren pflegebedürftiger Vater. Nachdem wir in das Inselleben eingeführt wurden und alle Inselbewohner kennengelernt haben, begleiten wir den neuen Alltag von Cal. Er kommt mehr oder weniger gut auf der Insel zurecht, trifft alte Bekannte und wird wieder an sein Aufwachsen erinnert. Seine Entscheidung, auf dem Festland zu leben und zu studieren, nehmen ihm einige übel und er spielt immer wieder mit dem Gedanken zurück dorthin zu gehen. Zum Ende überschlagen sich die Ereignisse, was mir fast etwas zu schnell ging für den sonst eher slow-pacing Roman. Das Ende ist versöhnlich und hat einen offenen Ausgang. Die Übersetzung von Sophie Zeitz findet eine super Mischung aus schottischen Begriffen, Gälisch und den Übersetzungen. Ein toller Roman, der Verletzlichkeit und Stärke vereint.