"Ein Buch, das mit sanfter Beharrlichkeit gegen den Strom schwimmt." MDR Kultur Seit seiner Kindheit ist Simon Leyland von Sprachen fasziniert. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Übersetzer und verfolgt unbeirrt das Ziel, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden. Von London folgt er seiner Frau Livia nach Triest, wo sie einen Verlag geerbt hat. In der Stadt bedeutender Literaten glaubt er den idealen Ort für seine Arbeit gefunden zu haben – bis ihn ein ärztlicher Irrtum aus der Bahn wirft. Doch dann erweist sich die vermeintliche Katastrophe als Wendepunkt, an dem er sein Leben noch einmal völlig neu einrichten kann. Wieder ist Pascal Mercier ein philosophischer Roman gelungen, bewegend wie der "Nachtzug nach Lissabon."
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Das Gewicht der Worte
von Pascal Mercier
"Ein Buch, das mit sanfter Beharrlichkeit gegen den Strom schwimmt." MDR Kultur Seit seiner Kindheit ist Simon Leyland von Sprachen fasziniert. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Übersetzer und verfolgt unbeirrt das Ziel, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden. Von London folgt er seiner Frau Livia nach Triest, wo sie einen Verlag geerbt hat. In der Stadt bedeutender Literaten glaubt er den idealen Ort für seine Arbeit gefunden zu haben – bis ihn ein ärztlicher Irrtum aus der Bahn wirft. Doch dann erweist sich die vermeintliche Katastrophe als Wendepunkt, an dem er sein Leben noch einmal völlig neu einrichten kann. Wieder ist Pascal Mercier ein philosophischer Roman gelungen, bewegend wie der "Nachtzug nach Lissabon."
Aktuelle Rezensionen(1)
Pascal Mercier, das Synonym für den 2023 verstorbenen Philosophen Peter Bieri, hat mit das Gewicht der Worte einen Roman geschrieben, der ohne Zweifel die Bedeutung von Sprache erfahrbare Wirklichkeit werden lässt. Nicht nur für den Übersetzer und Hauptprotagonisten des Romans Simon Leyland, sondern auch für den Autoren selbst, der es bereits mit seinem vorherigen Roman Nachtzug nach Lissabon verstand, eine Sprache zu wählen, die tiefgründige Themen mit einer scheinbaren Leichtigkeit widergibt. Thematisch berührt der Roman brisante Punkte, wie das Leben nach einer Tumordiagnose oder auch die eigene Zugehörigkeit zu gewissen beruflichen "Kasten", die sich aufgrund ihres Verhaltens im Elfenbeinturm der Selbstgefälligkeit verlieren. Besonders stark die Szenen, die die Frage nach Recht und Gerechtigkeit stellen, wenn es um vorsätzlichen Mord aus Mitleid und Empathie geht. Leider hat der Roman auch die altbekannten Schwachstellen einer eigenartig anmutenden Konstruktion der Charaktere. Die Beziehungen wirken in vielerlei Hinsicht zu harmonisch, sodass insgesamt die Glaubwürdigkeit des Gesagten leidet. Gleiches gilt für die mitunter redundante Nabelschau der Hauptfigur. Es wirkt zuweilen zynisch, dass ein ungelernter Übersetzer wie Simon Leyland mehr Angst vor dem Verfassen einer eigenen Geschichte als vor seinem vermeintlichen Hirntumor haben soll. Das führt auch zum Hauptkritikpunkt des Romans: Das Schreiben über das Schreiben, und sei es durch die Augen der Charaktere, wirkt immer einfallslos. Man wird den Eindruck nicht los, dass Mercier hier viele seiner eigenen Ängste verarbeitet. Diese passen aber grundsätzlich nicht zu Ausrichtung des Romans, weil es an dieser Stelle nicht mehr um das Gewicht der Worte, sondern nur noch des Schreibens als solches geht. Auch wenn eine Rahmung der Gesamthandlung besteht, bleibt ein fader Beigeschmack von Ideenlosigkeit am Ende des Romans. Im Vergleich zum Nachtzug nach Lissabon ist das Gewicht der Worte somit insgesamt zwar keine Enttäuschung, aber auch leider keine Wiederholung eines großen Romans.