Wie Inseln im Licht
von Franziska Gänsler
»Die Bilder, die Franziska Gänsler aufruft, sind so einprägsam, dass man es fast wie einen Film vor sich ablaufen sieht (...) Die Trauer um die Mutter und die Schwester schwingt in jedem Satz mit, und trotzdem ist es ein ganz flirrend leichter Roman. Ich musste die 208 Seiten in einem Zug durchschwimmen und würde das Buch jedem ans Herz legen, der emotionale Wärme sucht. Am Schluss lässt Franziska Gänsler alles ganz elegant ausklingen: das ist dramatisch und sanft und tröstlich zugleich - wirklich reine Poesie.« Sarah Elsing, Deutschlandfunk Kultur, 18.04.2024
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Wie Inseln im Licht
von Franziska Gänsler
»Die Bilder, die Franziska Gänsler aufruft, sind so einprägsam, dass man es fast wie einen Film vor sich ablaufen sieht (...) Die Trauer um die Mutter und die Schwester schwingt in jedem Satz mit, und trotzdem ist es ein ganz flirrend leichter Roman. Ich musste die 208 Seiten in einem Zug durchschwimmen und würde das Buch jedem ans Herz legen, der emotionale Wärme sucht. Am Schluss lässt Franziska Gänsler alles ganz elegant ausklingen: das ist dramatisch und sanft und tröstlich zugleich - wirklich reine Poesie.« Sarah Elsing, Deutschlandfunk Kultur, 18.04.2024
Aktuelle Rezensionen(8)
Eine dramatische Geschichte in ruhiger, ernster Sprache um eine verschwundene kleine Schwester in einer Wohnwagensiedlung am Strand am Atlantik. Familiäres Schweigen kann ganze Biographien schlimm belasten — die Protagonistin erkennt nach 20 Jahren der angstvollen unsicheren Erinnerung, wie es damals wirklich war. Trauriges “Familien”-Buch.
Ich habe etwas anderes erwartet nach dem ich Klappentext gelesen habe. Wer wie ich bei dem Klappentext etwas krimiähnliches erwartet wird enttäuscht sein. Die Geschichte ist sehr melancholisch gehalten von Anfang bis Ende. Die Spannung wurde gut gehalten, trotzdem konnten ich mich mit dieser Schreibweise nicht wirklich anfreunden. Mich hat das Buch leider nicht gepackt. Außerdem ist das Buch wirklich klein. Sehr wenig Text 205 kleine Seiten und dafür finde ich das Buch sehr teuer.
„Wie Inseln im Licht“ ist der zweite Roman der Schriftstellerin und Englischdozentin. Er hat in mir den großen Wunsch geweckt, mir auch gleich Franziska Gänslers Debütroman „Ewig Sommer“ zu bestellen. Denn „Wie Inseln im Licht“ war ein ganz wunderbarer Roman für mich und ein super Start in mein Lesejahr 2025. Nachdem die Protagonistin Zoey drei Jahre lang ihre kranke Mutter gepflegt hat, ist sie gestorben. Sie ist nicht besonders alt geworden und hatte die letzten 20 Jahre mit ihrer Tochter in einer kleinen Berliner Wohnung gelebt, die sie die letzten Jahre nicht mehr verlassen hatte. Zoey selber ist 27 und reist nach dem Tod der Mutter an die französische Atlantikküste, um endlich ein altes Trauma aufzuarbeiten. Als junges Mädchen hat sie dort in einem Wohnwagen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Oda gelebt. Dann ist die 5-jährige Oda ist damals plötzlich spurlos verschwunden. Zoey war zu diesem Zeitpunkt selbst erst 7 Jahre alt und hat nur verschwommene Erinnerungen an diese Zeit. Warum gab es damals keine groß angelegten Suchaktionen? Warum ist die Mutter nach Odas Verschwinden mit ihr nach Berlin gezogen? Warum sprach die Mutter nie darüber? Und warum ist aus der Mutter dieser gebrochene Mensch geworden, der ohne Lebenswillen nur noch auf seinen Tod wartet? Die Mutter. Sie ist die zentrale und rätselhafte Figur des Romans und in Zoeys Leben. Das intime Zusammenleben der beiden Frauen hatte ein enges Band zwischen ihnen geknüpft, ohne das die Mutter wirklich greifbar war. “Dann, die Mutter im Badezimmer. Ihr rotes, nasses Kindergesicht. Meine Hand auf ihrem Rücken. Dieses stille kleine Leben. Sie und ich. Das war alles, was sie ertrug.” „Wie Inseln im Licht“ ist ein sehr poetischer, großartig erzählter Roman über Trauer, Liebe und Loslassen. “Und ich denke, dass die Mutter sich auflösen wollte, dass sie verschwinden wollte, damit ich endlich frei davon war. Von ihr, von dieser Schwere.” Mit ihrer Erzählstimme erzeugt Gänsler eine mitreißende und gleichzeitig melancholische Atmosphäre, in die ich mich als Leser*in fallen lassen kann. Die langsame Spurensuche Zoeys in der Vergangenheit sorgt bei mir für Spannung und mit diesen offensichtlich fiktionalen Elementen unterscheidet sich der Roman wohltuend von den vielen autofiktionalen Romanen, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Wirklich ein ungeheuer mitreißender Roman, den ich uneingeschränkt weiterempfehle, wenn du gerne literarische Schönheit mit ein wenig Spannung verbindest und dich mit den Themen Tod und Trauer wohl fühlst. “Ich denke an die Sirenen, daran, dass ihre Körper nach ihrem Tod zu Inseln wurden, zu Klippen. Das ist, was ich für die Mutter will, die Ewigkeit einer Insel, umgeben von spiegelndem Licht.”
Großartiger Schreibstil, tragisch, in den Bann ziehend, gefühlvoll
Der Titel des Romans „Wie Inseln im Licht“ hält, was er verspricht: Franziska Gänslers Sprache ist poetisch und bildhaft. Sofort habe ich mich an einen der großen Atlantikstrände transportiert gefühlt: So wie Gänsler das Wasser, die Dünen, die Menschen am Strand und das Wetter beschreibt – das hat was Atmosphärisches und mir ging es selbst ein wenig wie der Protagonistin Zoey: Der Sommer am Atlantik ist für mich Kindheitserinnerung, die durch Licht, Geruch und Geräusche wieder ein stückweit lebendig wird. Allerdings bemerken wir schnell beim Lesen, dass für die Ich-Erzählerin nicht nur Schönes, sondern auch viel Schmerzhaftes mit dem französischen Badeort verbunden ist. Die bruchstückhaften, isolierten Erinnerungen sind wie Inseln im Licht – isoliert stehen sie im Raum für das Verschwinden der Schwester und das schwierige Verhältnis zur Mutter, die gerade erst verstorben ist. Zoey begibt sich auf die Suche nach dem Vergessenen und muss feststellen, dass sie Dinge nicht nur einfach vergessen hat, sondern ihr vieles beim Heranwachsen in der Familie verschwiegen wurde. "Wie Inseln im Licht“ behandelt die Aufarbeitung und den Bruch des langjährigen Schweigens innerhalb einer Familie. In dem Roman wird das Schweigen, das über Jahre hinweg die Beziehung zwischen den Familienmitgliedern geprägt hat, durch die Protagonistin aufgebrochen. Das Schweigen, das damit verbundene Trauma, unterdrückte Gefühle und intergenerationale Konflikte sind insbesondere in der deutschsprachigen Literatur bekannte Thema, die auch in diesem Roman behandelt werden. Was Gänslers Werk für mich – neben der poetischen Schönheit der Sprache – so besonders macht, ist, die krimiähnliche Struktur der Handlung: Zoey ermittelt das Verschwinden der kleinen Oda und am Ende, mit der Auflösung des Falls, hat sich die Perspektive auf das Geschehene derart gewandelt, dass ich als Leserin mit dieser neuen Sichtweise auf die Ereignisse perplex zurückgelassen wurde. Und das meine ich als Kompliment!