Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es anders: Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr sicher: Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort? Ann-Christin Kumms Debüt ist ein psychologisch meisterhaft konstruiertes und erotisch flirrendes Spiel mit Macht, Manipulation und Begehren.
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Ultramarin
Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es anders: Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr sicher: Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort? Ann-Christin Kumms Debüt ist ein psychologisch meisterhaft konstruiertes und erotisch flirrendes Spiel mit Macht, Manipulation und Begehren.
Aktuelle Rezensionen(11)
Ultragut
Eins meiner Jahreshighlights. Mein Herz hat gelitten und geschlagen beim lesen. Ich habe mich eingeengt und gekränkt gefühlt und stand bis zum Ende des Buches mehrmals den Tränen nahe. Eine Geschichte über die Auswirkungen zwischenmenschlicher Beziehungen, die durch Macht geprägt sind. Unglaublich bewegend.
Dieses Buch war herausfordernd, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Ich bin kein Fan von fehlenden Anführungszeichen, kam damit dann aber doch ganz gut klar. Die Autorin schafft es durch ihren Schreibtstil Atmosphäre und Gefühle zu transportieren, was einerseits beklemmend war, andererseits große Klasse. Die transportierte Stimmung passte genau zum Inhalt - es geht um emotionale Abhängigkeit und Macht(missbrauch). Kein typisches leichtes Sommerbuch, aber dennoch ein Buch, das gut in die Jahreszeit passt und mir sicher noch eine Weile im Kopf bleiben wird!
Hier werden wir mit sensiblen Themen konfrontiert, die unter die Haut gehen - emotionale Abhängigkeit, Manipulation, seelische und körperliche Gewalt. Raf, der Machthabende, trifft auf Lou, den Unterwürfigen, Unsicheren. Mentos und Cola. Ein übersprudeln der Gefühle, eine toxische Verbindung, die in ein bitteres Ende mündet. Für Raf und Lou geht es in den jährlichen Sommerurlaub, diesmal nach Dänemark. Und diesmal mit Nora, die unbefangen und gut gelaunt durchs Leben geht. Was scheinbar unbeschwert beginnt, endet in einem Fiasko aus Macht, Begehren & Manipulation. …und schnell wird klar, dass auch vor dem Urlaub nichts unbeschwert war. Das Buch liest sich wie ein psychologischer Fiebertraum. Lou ist völlig ins sich gefangen und das nutzt Raf aus. Wir werden hier Zeuge einer maximal toxischen Beziehung, die mit voller Karacho gegen die Wand fährt. Ich habe gemischte Gefühle, was diese Story angeht und ich möchte Lous Situation in keinster Weise klein reden oder verurteilen. Doch vieles konnte ich, trotz großem Verständnis und Empathie dem Thema gegenüber, kaum nachvollziehen. Die Zeitsprünge haben mich verwirrt & die gänzlich fehlende Kommunikation, die Fahrlässigkeit zwischen den Charakteren und die allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit des Charakters Lou war für mich zwischenzeitlich kaum auszuhalten. Die negativen Gedanken und Gefühle, das ständige Herabsetzen seiner eigenen Person waren für mich irgendwann, bei allem Verständnis, das ich aufbringen kann, zu viel. Dieses Buch schmerzte und nervte mich zugleich, was mir schwer macht, das Buch zu bewerten. Ich denke eine gewisse charakterliche Entwicklung hätte der Geschichte gut getan. Die negativen Verhaltens- und Gedankenmuster haben sich ständig wiederholt & auch die Folgen waren immer die gleichen. Man wollte nur noch ins Buch hüpfen und Lou an die Hand nehmen, ihn wachrütteln, ihn in den Arm nehmen. Die Geschichte prallt aussichtslos in eine Sackgasse und eines können die Charaktere hier besonders gut: schweigen. Nichtsdestotrotz gefiel mir der Schreibstil und es war eindrucksvoll, wie hier vor Augen geführt wurde, wie still und leise die emotionale Abhängigkeit zur toxischen Lebenseinstellung werden kann. Und zu was es führen kann, wenn absolut gar nichts unternommen wird.
Die anstrengende, aber glaubhafte Geschichte einer toxischen Beziehung Die Grundidee des Romans hat mir gut gefallen und erst recht die queere Perspektive. Ann-Christin Kumm hat auch auf jeden Fall ein Händchen für die beklemmende, irgendwie gefährliche Atmosphäre ihres Debüts. Und doch hatte ich zunehmende Schwierigkeiten mit dieser Geschichte. Diese begannen für mich schon bei der sprachlichen Gestaltung. Kumm verzichtet auf direkte Rede mit den entsprechenden Satzzeichen, sodass Gespräche nicht direkt erkennbar sind. So etwas irritiert mich sehr, sodass das Lesen immer anstrengender ist als bei Werken mit direkter Rede. Ich kann mich dadurch eher schlecht in die Geschichte fallen lassen. Und auch die Figuren haben es mir nicht so leicht gemacht. Raf ist natürlich ein absolutes Ekel, getragen wird die Geschichte aber von Lous Gedanken. Ich würde seine Figurenzeichnung durchaus als authentisch bezeichnen, aber so wirklich greifen konnte ich ihn nicht. Er blieb mir trotz seiner Erzählperspektive emotional zu distanziert. Gleichzeitig hilft diese Distanzierung sicherlich beim Aushalten der absolut schrecklichen Beziehung zwischen den beiden jungen Männern. Ich finde es fast fatal, wie harmlos sich Lous Schilderungen anhören. Raf ist manipulativ und gewaltvoll, ihre Beziehung strotzt nur so vor Gaslighting und Herabwürdigung, der sich auch Rafs Schwester Sophie durch ihre fehlende Intervention meiner Meinung nach irgendwie anschließt. Ich war wütend beim Lesen und habe Raf von ganzem Herzen verabscheut. Hier steht eine Beziehung im Mittelpunkt, die Lou immer wieder als Freundschaft bezeichnet, die mich aber wirklich angestrengt hat. Zumal Lou auch älter ist in den Gegenwartskapiteln des Buches und ich nicht so recht verstehen konnte, warum er in dieser emotionalen Abhängigkeit verbleibt. Aber andererseits scheint er auch keine Freund*innen zu haben und Raf ist so hart besitzergreifend, dass das auch leichter gesagt als getan ist. Von daher will ich gar nicht so von oben herab über Lous Situation urteilen - ich halte die Dynamik für erschreckend authentisch geschrieben. Es ist lediglich meiner Präferenz geschuldet, dass ich sie als zu anstrengend empfunden habe. Die zunehmende Entwicklung des Buches war mir dann aber auch zu derb und hatte für meinen Geschmack zu viele Psychovibes, die mich besonders am Ende ziemlich verloren haben. Dahingehend nicht mein Buch, aber eine Empfehlung für Menschen mit Interesse an toxischen Beziehungskonstellationen und düsteren Vibes.