4.2

Trophäe

von Gaea Schoeters

Format:Hardcover

Ein »ethischer Mindfuck« (Dimitri Verhulst): Gaea Schoetersʼ preisgekrönter Roman erzählt provokant, radikal und mit außergewöhnlicher Tiefenschärfe von den Grenzen zwischen Richtig und Falsch. Hunter, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Doch sein Projekt, die Big Five vollzumachen, wird jäh von Wilderern durchkreuzt. Hunter sinnt auf Rache, als er gefragt wird, ob er schon einmal von den Big Six gehört habe …

Literary & Contemporary Fiction
Hardcover
Erschienen an: July 21, 2026

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Aktuelle Rezensionen(39)

4.2(349 ratings)
Eric Rezension von Eric

Hunter White, reich & ist in Afrika. Zusammen mit van Heeren jagen sie ein Nashorn. Wilderer sind ihm jedoch zuvor gekommen. Van Heeren macht ihm ein Versöhnungsangebot er darf die „Big Six“ erlegen. Hat White den Mut die Trophäe zu jagen? ******************** Jagen & Töten gehören zwangsläufig zusammen. Was bringt die Faszination mit sich? Ist es ein Urinstinkt? Alles beginnt mit dem Töten eines Tieres. Wenn ein Lebewesen in der Hierarchie unter dem Menschen steht, benötigt es weniger Überwindung es zu töten. Wie verhält es sich, wenn ein Mensch auf einen Menschen schießt. Es handelt sich nicht um Notwehr. Eine Selbstreflektion beginnt. Überlegung der möglichen Konsequenzen, welche Auswirkungen hat es auf mich. Gibt es einen Unterschied zwischen dem töten von Mensch & Tier? Ist Töten ein Zeichen der Selbstdarstellung? Ein Zeichen der Macht/Stärke? Die Dominanz wird klar gezeigt. Ein weißer reicher Amerikaner kauft sich die Lizenz zum Töten. Ausländer stehen über den Einheimischen. Sie lesen Spuren, zeigen den Weißen den Weg & bezahlen dafür einen hohen Preis. Dies ist moderner Tourismus & eine Anmaßung der Kultur & dessen Eigentum. In dem Roman lerne ich einiges über die afrikanische Kultur, der Ureinwohner, über das Tierverhalten & den Gefahren die auf einen lauern. „Trophäe“ ist ein Roman der verstörend, radikal & schonungslos ist. Nach 80 Seiten konnte ich mich erst identifizieren. Die leisen Zwischentöne nahmen mich mit Die Sprache ist rasant & beim Lesen hat man die Befürchtung jeden Moment geht ein Schuss. Der Klappentext verrät viel, daher ist schnell klar, in welche Richtung die Story geht. Der Spannungsbogen ist nicht allzu groß. Das Ende war nicht wirklich überraschend & aus meiner Sicht hätten es weniger Seiten sein können. Dennoch ein guter Roman, der ein anderen Blick nach Afrika & seiner Kultur & koloniale Denkmuster offenbart. Der Kampf zwischen Realität & Wahn bei White ist lesenswert. Eine wundervolle Übersetzung.

RoxaneRezension von Roxane

Sehr beeindruckendes Buch mit tollem Schreibstil, in dem so einiges thematisiert wird. Sehr spannend Ich konnte es nicht mehr weglegen. Trotzdem ein sehr hartes Buch, also nicht so eine unbeschwerte Lektüre.

Simon D.Rezension von Simon D.

Ein US-amerikanischer Großwildjäger in Afrika (das Land wird nicht spezifiert) hat eine Mission: Er will die Big Five vollmachen - dafür muss er noch ein Nashorn schießen. Sein Name: Ein Witz - Hunter White. Es dauert nicht lang, bis das auch in der Geschichte aufgegriffen wird. So kann man dem Witz etwas abgewinnen. Platt bleibt er natürlich trotzdem, eine billige Metapher. Andererseits: Jeder andere Name wäre genau so ausgedacht, von daher kann man ruhig mit der Tür ins Haus fallen. Von Beginn an muss man gegen einen dumpfen Ekel anlesen, denn alleine die Vorstellung, dass sich ein - zweiffellos auf dunklen Wegen - steinreich gewordener Westler das Recht nicht nur anmaßt, sondern erkauft, eines der letzten Tiere seiner Art zum Vergnügen zu schießen, bricht mit den meisten Vorstellungen, denen man als linksliberaler, an Natur-, Umwelt- und Artenschutz interessierter Leser anhängt. Interessanterweise blieb ich aber nicht bei reinem Ekel, denn die Hauptfigur zeigt überraschend früh differenzierte Haltungen und reflektierte Handlungen, die nicht ins antizipierte Schema passen. So muss man sich auf eine diffizile Argumentation einlassen, die in einer vielschichtigen und flott erzählten Geschichte ausgebreitet wird. Und unter dem Eindruck dieser Geschichte kann man bestimmten Perspektiven eine gewisse Stichhaltigkeit einräumen, mit denen man sich für gewöhnlich nicht identifizieren würde. Um es an einem zentralen Aspekt des Plots festzumachen: Hunter White nimmt für sich in Anspruch, Artenschutz zu betreiben, indem er für teures Geld eine der seltenen Lizenzen zum Abschuss eines Spitzmaulnashorns kauft. Dafür wird ihm ein Exemplar gezielt zugewiesen: Ein alter Bulle, der für die örtliche Population unwichtig geworden ist und sogar eine Erneuerung und Entwicklung des Genpools durch jüngere Artgenossen entgegensteht. Mit den Einnahmen finanzieren die lokalen Behörden Ranger, Schutz- und Zuchtprogramme und tragen so zur Bestandsvergrößerung bei. Aus antikapitalistischer und naturschutzradikaler Sicht ist das ein dickes Brett. Gleichwohl sind es die Verhältnisse vor Ort, die vermutlich öfter, als es uns lieb ist, ein solches Vorgehen sehr realistisch machen. Doch damit nicht genug: Nachdem es bei der Nashorn-Jagd zu unerwarteten Komplikationen kommt, nimmt die Geschichte noch mehr Fahrt auf und kommt an die Grenzen des eigentlich Erträglichen - und womöglich darüber hinaus. Übrigens ohne dabei in thriller-mäßig extreme Spannung zu verfallen, sondern ausgewogen und orientiert am Erzählten. Denn bei der Jagd muss man mal schnell sein, und mal muss man warten, und mal muss man gemächlich schreiten... Vor diesem Hintergrund werden also übliche Fragen nach dem geopolitischen, historischen, kapitalistischen Kolonialismus aufgeworfen, ohne dass es ausgelutscht wirkt. Viel interessanter für mich war aber, dass darüber hinaus die Frage nach einem moralischen Kolonialismus gestellt wird: Sind die ethischen Sichtweisen und Regeln, die der westliche (Links-)Liberalismus gern mit globaler Bedeutung versieht, überhaupt gültig und anwendbar auf Umstände und Gemeinschaften, deren Teil er nicht (oder eben nur qua kolonialistisch begründeter Anwesenheit) ist? Wer garantiert eigentlich, dass die Werte, die wir für universal halten, es tatsächlich auch sind? Müssen wir uns nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Situationen und Konstellationen, die an anderen Orten mit anderer Historie unter anderen Lebensbedingungen vorkommen, von den Menschen, die Teil davon sind, mit fundamental anderen Maßstäben gemessen werden als wir es tun? Dann müsste man wohl oder übel den universalistischen Anspruch der eigenen Ethik aufgeben und vermehrt die Normativität des Faktischen, das andere geschaffen haben, anerkennen... Literatur - wie dieses Buch - schafft es nun, genau solche Fragen zu stellen. Und nicht nur das: In unseren disparaten Lebenswirklichkeiten und Meinungswelten, in der nicht nur die Auseinandersetzung mit, sondern die reine Akzeptanz der Existenz einer grundverschiedenen Sichtweise schwer fällt, fordert dieser Roman uns auch noch heraus, unangenehme Antworten auf eben diese Fragen zu verarbeiten.

PhucRezension von Phuc

Unfassbar packendes Buch, welches die menschliche Moral nochmal aus verschiedenen Blickwinkeln neu herausfordert. Es hinterlässt Spuren, so wie die Beute den Pfad für den Jäger zeichnet. Und bringt nochmal zum Vorschein, dass auf den Ruinen der Kolonalisierung niemals ein neues, aufrichtiges Haus gebaut werden kann.

LauraRezension von Laura

Krasses Thema. Schockierend und gut geschrieben. Trotzdem kam ich nicht richtig rein.

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