Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Sich anpassen, bloß nicht auffallen – das ist der Preis des Ankommens. Fleiß und Schönheit seine Währung. Trotz aller Widerstände findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft. Als jedoch Jahre später ihre zweijährige Tochter bei einem Unfall Narben davonträgt, droht sie, an ihren Selbstvorwürfen zu zerbrechen. Im 18. Jahrhundert muss Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, als begehrenswert zu gelten. Sie gerät ins Visier der Keuschheitskommission, wird entrechtet und verschleppt. Beiden Frauen ist die Banater Erde eingeschrieben, die zwischen den Jahrhunderten ein Band aus Schmerz und Schönheit spinnt.
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Sich anpassen, bloß nicht auffallen – das ist der Preis des Ankommens. Fleiß und Schönheit seine Währung. Trotz aller Widerstände findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft. Als jedoch Jahre später ihre zweijährige Tochter bei einem Unfall Narben davonträgt, droht sie, an ihren Selbstvorwürfen zu zerbrechen. Im 18. Jahrhundert muss Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, als begehrenswert zu gelten. Sie gerät ins Visier der Keuschheitskommission, wird entrechtet und verschleppt. Beiden Frauen ist die Banater Erde eingeschrieben, die zwischen den Jahrhunderten ein Band aus Schmerz und Schönheit spinnt.
Aktuelle Rezensionen(7)
Gefühlvoll und ruhiger Roman über eine Familiengeschichte, tolle Erzählweisen - man muss die regelmäßigen Wechsel mögen - mir hat's gefallen.
Generationengeschichte. Über die Schönheit, Ideale, das Leben.
Ein bereicherndes und schmerzhaft ehrliches Debüt Betty Boras ist wohl vielen in der Bookstagram-Bubble ein Begriff und umso höher waren auch meine Erwartungen an das Debüt der Autorin. Glücklicherweise konnten die in voller Höhe erfüllt werden. Zuerst einmal bin ich begeistert davon, wie Boras mit ihrer Sprache umzugehen weiß. Ihre Worte sind bewusst gewählt und treffen präzise ins emotionale Zentrum ihrer Leser*innenschaft. Dabei wandert die Autorin sprachlich genau an der Grenze von feiner Poesie und direktem Ausdruck, was ich sehr genossen habe. Sie schweift nicht zu malerisch ab, hat mich aber dennoch zum aufmerksamen Lesen angehalten, woran sich ein anspruchsvolles Werk in meinen Augen erkennen lässt. Spätestens in der Danksagung wird klar, dass Boras sich hier sehr nah an ihrer eigenen Biografie bewegt und das spiegelte sich deutlich in der Authentizität der Erzählung wider. Auf zugängliche und interessante Weise habe ich so etwas gelernt über die Geschichte des Banat und damit auch des späteren Rumäniens. Nach der Lektüre hatte ich dann direkt Lust, noch mehr dazu zu recherchieren und genau dafür liebe ich Bücher. Die feministische Komponente der Geschichte ist fein herausgearbeitet. Besonderes lobenswert finde ich jedoch, wie sich durchaus gängige Reflexionen zum gesellschaftlichen Schönheitsideal fließend verbinden mit Migrationsgeschichte, Rassismus und transgenerationaler Weitergabe. Vio ist als zentrale Figur der Gegenwart komplex und war für mich als Leserin enorm gut greifbar. Sie wird auf zwei Zeitebenen erzählt und macht so deutlich, wie ihre Kindheitserfahrungen und damit auch die Handlungen ihrer Eltern sich auf ihre eigene Mutterschaft auswirken, ohne dabei jemals scharf zu werten. Ergänzt wird der Roman um die Perspektive Theresias, die im 18. Jhd. mit patriarchal-kirchlicher Objektifizierung und Entrechtung zu leben versucht, dabei aber auch weiblichen Zusammenhalt erfahren darf. Für ihre Kapitel habe ich eine Weile gebraucht, weil die Autorin auf jeden Fall mündige Leser*innen anspricht, die sich vom dosierten Einstreuen historischer Begriffe und Sprache nicht überfordern lassen. Dennoch schafft es Boras, stets verständlich zu bleiben und die beiden Frauen am Ende zart miteinander zu verknüpfen. Meine einzige Kritik zielt darauf ab, dass die Wechsel der Perspektiven teils sehr rasant waren und ich einige Seiten lesen musste, bis ich verstanden habe, dass die Vio- und die Ich-Kapitel die gleiche Person an unterschiedlichen Zeitpunkten ihres Lebens betreffen. Doch insgesamt betrachtet ist das Werk sprachlich, inhaltlich und emotional so gut zusammengestellt, dass ich wirklich bereichert aus der Lektüre gehe und das Buch von Herzen empfehlen möchte.
Wie bedeutend ist Schönheit? Von der Handlung her hat mir das Buch weitestgehend gefallen. Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. So begleiten wir Vio, die mit ihren Eltern aus Rumänien gekommen ist, durch ihre Kindheit und Jugend. Gleichzeitig wird erzählt, wie ein Unglück ihr Leben als Mutter verändert. Und zum Schluss wird noch die Geschichte von Theresia erzählt, mit der vor ungefähr 300 Jahren das Leben von Vios Familie in Rumänien begann. Die Handlung fließt eher langsam dahin und verzichtet auf unnötige Spannung. Der Erzählstil ist klar und gut lesbar. Die Charaktere wirken authentisch und ihrer Zeit entsprechend. Man kann sich gut in ihre Gefühle hereinversetzen. Nur manchmal habe ich ein paar Probleme damit gehabt, dass für einige Charaktere das Thema Schönheit eine zu zentrale und bedeutende Rolle eingenommen hat. Schönheit und die rumänische Heimat scheint das Thema zu sein, welches alle Protagonisten und alle Handlungsstränge miteinander verbindet.
Das Buch basiert auf drei Erzählsträngen. Theresia lebt im 18. Jahrhundert in der Nähe von Wien. Von der Keuschheitskommission wird sie mit 19 Jahren ins Banat verbannt und landet in einem Arbeitslager, in dem sie unter schwierigsten Bedingungen als Spinnerin arbeiten muss. Vio lebt mit ihren Eltern und Großeltern in einem deutschen Dorf im rumänischen Banat, in Glogawatz. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch, kann die Familie 1990 legal nach Deutschland auswandern. Vio versucht als Jugendliche nichts mehr, als sich anzupassen und nicht aufzufallen um in ihrer Schule dazu zu gehören. Die Ich-Erzählerin (die erwachsene Vio) zweifelt nach einem tragischen Unfall an sich als Mutter und kann kaum an etwas anderes denken, was die Anderen über sie als Mutter denken. Sie trauert der vermeintlich verlorenen Schönheit ihrer Tochter nach. Und dann gibt es noch die Banater Erde. Sie war schon immer da und weiß über Gefühle und Gedanken ihrer ehemaligen Bewohner zu erzählen. Hat es den Auswanderern wirklich etwas gebracht zu gehen? Sind sie nicht auf ewig mit der Banater Erde verbunden? Fazit: Es geht im Debütroman von Betty Boras um Herkunft, Mutterschaft und Schönheitsideale. Für mich geht es aber auch um meine Wurzeln. Ich bin selbst mit meinen Eltern aus einem deutschen Dorf im Banat ausgewandert, als ich fünf war. Ich kenne das Essen wie Paprikasch und Cremes, die Redewendungen, die Vios Eltern verwenden, und vor allem die Denkweise, dass das wichtigste im Leben überhaupt sei, was die Anderen über einen denken. Es gibt viele Parallelen zwischen Vio und mir und auch ich war mit meinem Mann und meinen Eltern im Banat und wir haben das Kloster Maria Radna besichtigt und Amandine in der Cafeteria Libelula in Arad gegessen. Absolute Leseempfehlung!!!