4.0

Sie kam aus Mariupol (German Edition)

By Natascha Wodin

Format:Hardcover

1. Auflage. Rowohlt, Hamburg, 2017. 363 S.m Pappband mit Schutzumschlag - sehr gutes Exemplar -

Literary & Contemporary Fiction
363 pagesHardcover
First published 2017-02-01

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ArminReviewed by Armin

„Die Bezahlung der Zwangsarbeiter ist ein Hohn, und Frauen verdienen noch weniger als Männer. Nach Abzug der Steuer, der Sozialversicherung, der Ostarbeiterabgabe und der Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden meiner Mutter, wenn ich richtig gerechnet habe, weniger als sechs Reichsmark die Woche geblieben sein. Dafür kann sie sich so gut wie nichts kaufen.“ (S.272) Mariupol ist nicht das erste mal zum Angriffsziel gewowrden. Denn schon im zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt Mariupol schwere Zerstörungen. Die Nationalsozialisten deponierten zwischen 1939 und 1945 eine unbekannte Menge von Menschen aus Osteuropa in die deutschen Fabriken als Arbeitssklaven. Natascha Wodin erfuhr sehr spät, dass ihre Mutter und Vater Teil der Zwangsarbeiter waren, als sie sich auf der Suche nach der Geschichte der eigenen Mutter begibt. Ins russische Internet wird sie fündig, als sie den Namen, der eigenen Mutter sucht. Natascha versucht den Stammbau so weit es geht zu rekonstruieren und entdeckt auch ihre italienischen Wurzel. Natascha wuchs in deutschen DP-Lager (Displaced Person) und später in einem katholischen Mädchenheim. Die schwer traumatisierte und depressive Mutter ließ die Kinder ohne je über die eigene Herkunft zu erzählen im Stich und begibt Suizid. Es ist definitiv kein einfaches Buch zum Lesen, denn Natascha gräbt sehr tief in ihrer Herkunftsgeschichte und nimmt die Lesenden schonungslos und schmerzhaft mit. Auch diesmal zu meiner Schande wusste ich gar nichts über das Schicksal der sowjetischen Zwangsarbeiter, die nach Kriegsende in ihrer Heimat verstoßen wurden, weil sie für den Feind gearbeitet hatten (gegen deren eigenen Willen), und über ihr Schicksal in Deutschland, dem Land ihrer ehemaligen Peiniger, wo sie ebenfalls diskriminiert wurden. Sehr verstörend und tieftraurig beschreibt die Autorin den Hungersnot, in der sich die Mutter und viele andere armen Menschen befanden. Natascha Wodin setzt sich schonungslos mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinander und schafft nicht nur für sich, sondern für alle Lesenden eine qualvolle, aber durchaus von Relevanz maßgebende Lektüre der Gegenwart. „Viele essen Hunde und Katzen. Nachdem alle Hunde und Katzen aufgegessen sind, kommen die Menschen dran. Man hört von Frauen, die Kinder mit Essbarem in ihr Haus locken und sie töten, um Hackfleisch und Braten aus ihnen zu machen.“ (S.187)

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