Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Nach der Ankunft unternimmt das Paar noch einen Gang ins nächste Dorf und kehrt nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen stößt die Frau auf eine unüberwindbare Wand, hinter der Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, richtet sie sich inmittten ihres engumgrenzten Stücks Natur und umgeben von einigen zugelaufenen Tieren aufs Überleben ein.
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Die Wand
Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Nach der Ankunft unternimmt das Paar noch einen Gang ins nächste Dorf und kehrt nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen stößt die Frau auf eine unüberwindbare Wand, hinter der Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, richtet sie sich inmittten ihres engumgrenzten Stücks Natur und umgeben von einigen zugelaufenen Tieren aufs Überleben ein.
Popular Reviews(31)
Eine wirklich einzigartige Leseerfahrung! Die Geschichte gleicht einer Art Meditation, die einen immer tiefer in ihren Bann zieht. Das liegt zum einen an den oft ähnlichen und sich wiederholenden Schilderungen des Alltags der Protagonistin, vor allem aber an den Themen, die unter der Oberfläche mitschwingen. Für mich entsteht daraus eine schonungslose Beschreibung und zugleich desillusionierte Metapher für das Leben. Selten war die Stimme einer literarischen Figur für mich so klar und unmittelbar wie die von Haushofers namenloser Protagonistin. Sie schildert ihr Schicksal mit großer Nüchternheit – gerade angesichts der Schwere dessen, was ihr widerfährt, fast erschreckend emotionslos. Ich konnte das Buch tatsächlich nur in kleinen Dosen lesen, weil es auf eine außergewöhnlich subtile Weise zunehmend belastend wurde. Fast scheint es, als würde sich im Verlauf der Geschichte immer mehr Druck aufbauen – ebenso unerbittlich und bedrückend wie das Schicksal der Protagonistin selbst. Erst nachdem ich das Buch beendet hatte, brachen die Emotionen bei mir durch. All die Anspannung und Gefühle, die während des Lesens keinen Raum gefunden hatten, waren plötzlich da – intensiv und überwältigend. Fast so, als hätte man es sich als Leser, genau wie die Protagonistin, nicht erlaubt, zu viel zu fühlen, weil man es schlicht nicht ertragen hätte.
Genau wie die Protagonistin von der Außenwelt durch die Wand abgeschnitten wird, taucht man als Leserin mit ihr in einen ereignisarmen Alltag aus harter Arbeit, Natur und Tierliebe ein. Das ist manchmal etwas träge, aber wenn man sich drauf einlässt kann man wie die Protagonistin die Entfernung von der Schnelllebigkeit des eigenen gemütlichen Alltags wertschätzen.
„Die Wand“ von Marlen Haushofer ist ein ruhiger, eindringlicher Roman über das Überleben in völliger Einsamkeit. In Tagebuchform schildert die Protagonistin ihren harten Alltag mit ihren Tieren hinter einer unsichtbaren Wand. Die Entbehrungen und die körperlich, wie seelisch zehrende Arbeit werden eindrucksvoll spürbar.
Die Wand - ein dystopischer Roman, ein unaufgeregtes Tagebuch, eine Hymne auf die Natur, eine philosophische Analyse über Isolation und Existenz. Dieses Buch ist ein Flüstern, ein leises Atmen und doch eine Wucht, ein geballtes Feuerwerk. Unaufgeregt schreibt die Protagonisten ihren Alltag zwischen Holz hacken, Stall ausmisten, Acker anlegen, mit dem Hund Luchs wandern gehen, nieder. Sie weiß, wenn sie überleben will, hat sie keine Zeit mit dem Schicksal zu hadern, die Frage nach dem "Warum" zu stellen. Sie muss handeln, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Sie muss lernen, was Überleben bei widrigen Wetterverhältnissen, während der unterschiedlichen Jahreszeiten heißt. Es geht um das nackte Überleben. Und was macht es mit uns, wenn wir nur noch die Grundbedürfnisse befriedigen (Essen und Schutz) können. Wir richten unseren Blick nicht mehr in die Vergangenheit, wir träumen nicht von der Zukunft, wir leben im Hier und Jetzt. Wir verlieren unsere Identität, werden eins mit der Natur, der Mensch steht nicht mehr über dem Tier sondern lebt in Symbiose, in Abhängigkeit miteinander. Wir streifen Make-up, gesellschaftlichen Status, zivilistische Zwänge ab und es bleibt das nackte Menschsein übrig. Und wir kämpfen, wir wollen unsere Menschlichkeit nicht verlieren, Herr über unseren Verstand sein, wir müssen, denn sonst könnten wir auch direkt aufhören zu existieren. Und wir erkennen die Wertlosigkeit von Statussymbolen, erfreuen uns an ein paar Kartoffeln, ein funktionierendes Streichholz, schmecken Beeren und werden uns bewusst wie wichtig unsere Hände und unsere Füße sind. Und Arbeit ist kein Laster, Arbeit ist überlebenswichtig, lässt den Kopf still stehen, bewahrt uns vor dem Sterben, bewahrt uns vor dem Verrücktwerden. Wahres Glück ist minimalistisch, ein warmer Frühlingstag, ein heißer Ofen, ein Blick in die Augen einer Katze und wir vergessen die konsumträchtliche Zeit, vergessen die Reizüberflutung der Zivilisation, schärfen unsere Wahrnehmung, geben unserem Leben einen Sinn. Dieses Buch ist eine Befreiung, eine Hommage ans Leben, ein Abschied von Nichtigkeiten, ein Willkommensgruß an unsere Ur-Instinkte und eine Seelenreise gleichermaßen für Liebe und Tod.
ein buch das packend ist ohne viele plottwists.