3.5

Unser Haus mit Rutsche

von Safia Al Bagdadi

Format:Hardcover
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Vom Aufwachsen im Dazwischen – berührend, komisch und täuschend leicht erzählt von Safia Al Bagdadi Laylas Eltern sind das glamouröseste Liebespaar der Welt – oder zumindest Saarbrückens. Ihr irakischer Vater hat ständig neue spektakulär scheiternde Geschäftsideen und verspricht seiner staunenden Familie zugleich Umzüge nach New York, ein Haus mit Rutsche in den Tigris, eine große Zukunft. Ihre französische Mutter dagegen stammt aus dem nobelsten Bürgertum, rebelliert gegen ihr Elternhaus und trägt dabei doch Chanel Nº5. Alles in dieser Familie kann nur schiefgehen und ist dennoch für einige Kindheitsjahre ungeheuer leicht und wunderschön. Dann bricht 1991 der Golfkrieg aus. Eingeholt von der Realität, wird Laylas Vater ein Fremder. Ein tragikomischer Familienroman über das Leben zwischen den Kulturen, in dem man jede Figur umarmen will.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
320 Seiten • Hardcover
Erschienen an: 2026-02-17

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Aktuelle Rezensionen(3)

3.5(7 ratings)
walliliestRezension von walliliest

Die Kinder Layla und Nouri leben mit ihren Eltern in einer Altbauwohnung in Saarbrücken. Vater Amir, Babe genannt, stammt aus dem Irak und wurde von seiner Familie zum Studium nach Deutschland geschickt, hat zehn Jahre studiert und in dieser Zeit seine französische Frau Claire kennengelernt. Claire, Maman genannt, entstammt der französischen Bourgeoisie, liegt jedoch im Clinche mit ihrer bourgeoisen Mutter Lyne. Das Buch erzählt auf zwei Zeitebenen. Die erwachsene Layla lebt in Paris als mittellose Schauspielerin und Schriftstellerin. Sie ist depressiv und hadert mit der Beziehung zu ihrem Vater. Einst ihr großer Held und Atheist, versteht sie seinen Lebenswandel hin zum religiösen Fanatismus nicht, der zum Scheitern der Ehe ihrer Eltern geführt hat. In der zweiten Zeitebene erzählt Layla aus kindlicher Perspektive aus ihrem Leben. Besonders hängen geblieben ist bei mir das französische Weihnachtsessen in der Villa ihrer Großeltern, Oma Mamie und Opa Papi, das filmreif die unterschiedlichen Kulturen aufeinander prallen lässt. Witzig und zugleich bitterböse beschrieben, wie die Ansichten über Tischkultur, Religion und Politik auseinander gehen, wie die Antipathie der Großmutter gegenüber ihrem Schwiegersohn die Stimmung und das Verhältnis vergiftet und sich ein Kulturkampf schon innerhalb der Kernfamilie abspielen kann. Grandios beschrieben ist die einzige Reise der Familie nach Bagdad, verbunden mit dem Besuch von Oma Layla und Babes Verwandtschaft. Aber warum muss die Familie plötzlich in die Moschee und heilige Stätten besichtigen, wenn doch die Raubkopie von Michael Jacksons Film Moonwalker im Auto wartet? Die schillerndste Figur im Buch ist Babe, der in Dubai und Irak unterwegs ist um Geschäfte zu machen. Computer, medizinisches Gerät verkaufen, das verspricht gutes Geld. Er träumt vom Reichtum und verspricht seinen Kindern ein Haus mit Rutsche direkt in den Tigris in Bagdad, wenn das Geschäft klappt oder eine Penthousewohnung mit Pferd in New York, wenn er die Stelle bei den Vereinten Nationen erhält. Leider wird aus alldem nichts. Der zweite Golfkrieg und das Embargo verhindern weitere Geschäfte mit dem Irak und die UN haben ihn auch nicht eingestellt. Aus Frust über sein Scheitern wird der Atheist Amir immer religiöser und zerstört damit Laylas Familie Die Autorin Safia Al Bagdadi entwirft opulente filmreife Szenen, die kulturelle Differenzen offen legen. Unglaublich witzig und zugleich bitterböse Wortgefechte gepaart mit kulturellen und politischen Eindrücken aus dem Irak machen richtig Lust, dieses Buch zu lesen. Mir hat es sehr gut gefallen!

Marina Schwarz Rezension von Marina Schwarz

Erinnerungen an eine unbeschwertere Zeit "Unser Haus mit Rutsche" erzählt die Geschichte der Autorin Layla, die sich in einer Krise befindet. Die Handlung wechselt dabei zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Dabei werden zum einen innerfamiliäre Konflikte, aber auch glückliche Kindheitserinnerungen thematisiert. Besonders deutlich wird hierbei auch die enge Bindung der Protagonistin zu ihrem Vater und im Gegensatz dazu die eher vorherrschende Distanz zu ihrer Mutter. Gleichzeitig wird aber auch aufgezeigt, wie geschichtliche Ereignisse einen Menschen verändern können. Der Erzählstil ist dabei sehr angenehm. Er überfordert nicht sondern fließt einfach so dahin. Der Wechsel zwischen den Erzählebenen trägt zu einer Verdichtung der Handlung bei und trägt dazu bei, die Protagonistin besser zu verstehen. Die Charaktere wirken authentisch und komplex. All das trägt zum Charakter des Buches bei.

AminRezension von Amin

nach 4 mönet gester wieder ahgfange und gmerkt, dass es doch nöd ganz so schlecht isch, wie ich am ahfang gfunde han. Es spielt im jetzt - wo d'protagonistin hauptsächlich über d'vergangeheit nachdenkt und bi ihrem arzt und psycheaterin isch und über ihri gsundheit reded. und en grossteil spielt ide vergangeheit, wo d'gschicht vo ihrere familie verzelt wird, mit eme vater us em irak, wo viel gschäft mit firmene us em irak macht. de höhepunkt erreicht das ganze, wo de golfkrieg ahfangt und niemer meh gschäft mit em irak mache will und de vater sich verlürt und denn komplett abdrifftet. was für mich sehr spannend isch, dass d'protagonistin ide sitzige mit ihrere psycheaterin ahfangt merke, dass ihres junge ich eh verfälschti sicht uf ihre vater gha het und somit die ganz gschicht (wo us de chinderperspektive verzelt wird) au für mich als leser verschwume wahrgno wird (also eig sött mers es zweitsmal lese, was ich aber nöd mache wird). Inhaltlich hets buech gern chönne es bitzli chürzer sii, wobi ich s'endi wiederum chli überstürzt gfunde han sprachlich ganz ahgnehm, nüt positivs, nüt negativs 3/5

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