Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für eine chinesische Elitefamilie, die ein Leben in Luxus und scheinbar grenzenloser Macht führt. Sie kümmert sich bereits seit vielen Jahren fürsorglich um den siebenjährigen Kuan Kuan. Yu kennt die Geheimnisse der Familie, doch ihre Arbeitgeber ahnen nicht, dass auch sie etwas verbirgt. In der Hoffnung, ein hohes Lösegeld für ihn einfordern zu können, plant Yu, Kuan Kuan zu entführen. Doch die Dinge nehmen eine Wendung, als das Kindermädchen während der Entführung aus dem Radio erfährt, dass der angesehene Patriarch der Familie wegen Korruption verhaftet wurde.In dem unter Druck stehenden politischen Umfeld Chinas kann sich selbst das Schicksal der mächtigsten Familien über Nacht umkehren. Der Vater des Jungen wird verhaftet und seine Mutter ist auf der Flucht. Yu Ling bleibt mit dem Kind allein zurück und muss eine Reihe von Entscheidungen treffen, die ihr Leben verändern werden.
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Schwanentage
von Zhang Yueran, Karin Betz
Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für eine chinesische Elitefamilie, die ein Leben in Luxus und scheinbar grenzenloser Macht führt. Sie kümmert sich bereits seit vielen Jahren fürsorglich um den siebenjährigen Kuan Kuan. Yu kennt die Geheimnisse der Familie, doch ihre Arbeitgeber ahnen nicht, dass auch sie etwas verbirgt. In der Hoffnung, ein hohes Lösegeld für ihn einfordern zu können, plant Yu, Kuan Kuan zu entführen. Doch die Dinge nehmen eine Wendung, als das Kindermädchen während der Entführung aus dem Radio erfährt, dass der angesehene Patriarch der Familie wegen Korruption verhaftet wurde.In dem unter Druck stehenden politischen Umfeld Chinas kann sich selbst das Schicksal der mächtigsten Familien über Nacht umkehren. Der Vater des Jungen wird verhaftet und seine Mutter ist auf der Flucht. Yu Ling bleibt mit dem Kind allein zurück und muss eine Reihe von Entscheidungen treffen, die ihr Leben verändern werden.
Aktuelle Rezensionen(2)
Konnte meine Erwartungen auf Erzähl- und Figurenebene nicht erfüllen Der Klappentext hat mich mit seiner Versprechung auf eine Auseinandersetzung mit dem Klassismus der chinesischen Gesellschaft sehr neugierig gemacht. Und er hat sie auf eine bestimmt Art auch gehalten. Trotzdem hatte ich an verschiedenen Stellen Schwierigkeiten mit diesem Werk, weshalb es nicht zur erwarteten Bereicherung wurde. Wie auch andere schon geschrieben haben, geht es nur ziemlich kurz um die geplante Entführung des Sohnes der wohlhabenden Familie. Das ist aber leider irgendwie der einzige Spannungstreiber im Roman und der Wechsel im Handlungsverlauf kommt ziemlich früh. Danach plätschert die Handlung mehr oder weniger vor sich hin - weder sonderlich aufregend noch übermäßig langweilig. Meine größten Probleme hatte ich aber mit den Figuren und das war leider auch nicht das erste Mal bei südostasiatischer Literatur der Fall. Die Protagonistin blieb mir emotional sehr fremd - selbst in Extremsituationen bleibt sie irgendwie so unbeteiligt, was für mich einfach nicht gut passt. Auch die weiteren Nebenfiguren erschienen mir bis zum Ende recht blass, erschienen plötzlich und verschwanden unauffällig wieder von der Bildfläche. Sprachlich ist der Roman zwar gut zu lesen und ich fand einige Klassismus-Elemente literarisch stark umgesetzt. Aber durch die distanzierte Art erschien mir die Handlung manchmal abgehackt und ehrlicherweise auch manchmal ganz schön verwirrend. Was ich persönlich ebenso schwierig fand, war das Gefühl, nicht so recht zu wissen, wo der Roman hinwill. Obwohl ich ihn dafür überraschend gut lesen konnte, habe ich den roten Faden und damit die Kernaussage der Geschichte primär gesucht und nicht so recht gefunden. Dafür war es mir auch etwas zu zäh im Mittelteil und an anderen Stellen wiederum zu sprunghaft. Die veränderte Rolle, in der sich das Kindermädchen Yu Ling nach Festnahme der Familie befindet, fand ich reizvoll geschrieben. Sie wird damit ja irgendwie zur Mutterfigur, distanziert sich davon aber auch immer wieder, und taucht tiefer ein in das Leben reicher Menschen - inklusive so mancher Haltung, die sie als Kindermädchen vielleicht nicht gezeigt hätte. Der geschilderte Klassismus und auch Sexismus in der chinesischen Gesellschaft wird ungeschönt und schnörkellos vermittelt, was mich zwar wieder einmal frustriert hat, ich aber literarisch gut gemacht fand. Aufgrund der Erzähldistanz und der emotional eher oberflächlichen Figuren war es jetzt kein sonderlich starkes Werk für mich, trotz einiger interessanter Einblicke. Es wird mir wegen der gefühlten Ziellosigkeit und des wirklich verwirrenden Endes auch leider eher nicht besonders im Gedächtnis bleiben.
Schon nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte drin – in der Verstrickung von Yu Ling, die als Kindermädchen in einer wohlhabenden Familie arbeitet. Von heute auf morgen verändert sich alles: Der Großvater und der Vater des Kindes werden verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos. Zurück bleiben Yu Ling und der Junge, um den sie sich kümmert. Ihre Rolle wirkt dabei wie Fluch und Segen zugleich. Einerseits bleibt sie außen vor, Teil einer anderen Schicht, und dennoch trägt sie die volle Verantwortung für ein Kind, das nicht ihres ist. Vor allem aber zeigt sie sich aufopferungsvoll, hingebungsvoll, mit einer fast zärtlichen Fürsorge, die über das reine „Jobsein“ hinausgeht. Gerade in der Beziehung zwischen Yu Ling und dem Jungen entfaltet das Buch seine größte Stärke: die Nähe, das Vertrauen, das gemeinsame Aushalten von Verlust und Unsicherheit. Gleichzeitig erzählt „Schwanentage“ von etwas Größerem: von Klasse, von ungleichen Lebensbedingungen, von der Frage, wie Care-Arbeit ausgelagert wird – und wer dafür unsichtbar Verantwortung trägt. Der Roman ist damit nicht nur eine persönliche Geschichte über Zugehörigkeit und die Suche nach einem Platz im Leben, sondern auch ein leichter, aber eindringlicher Einstieg in das Thema Klassismus.