4.3

Brutal fragile Typen. Männer und Gefühle

von Ole Liebl

Format:Softcover
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Wir kennen sie, die schweigenden Männer. Männer, die nicht über ihre Emotionen sprechen können oder sprechen wollen. Und wenn sie Gefühle zeigen, dann vor allem Wut oder Stolz, aber nur selten tiefe Trauer, ausgelassene Freude oder verletzliche Liebe. Auch nach über 100 Jahren des feministischen Kampfes wird die männliche Unfähigkeit, mit Gefühlen umzugehen, von Frauen und queeren Personen beklagt. Viele sind erschöpft von der einseitigen emotionalen Arbeit und leiden unter den Folgen. Doch auch die Männer zahlen einen hohen Preis für die Verkümmerung ihres Gefühlslebens: Ihre Einsamkeits- und Suizidraten sowie ihr Drogenkonsum liegen deutlich über dem Durchschnitt von Frauen.Dabei wird deutlich, dass Begriffe wie »das Patriarchat« zu grob sind, um die Komplexität des Themas zu erfassen. Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Männlichkeit, Gefühlen oder emotionaler Arbeit reden? Fundiert und differenziert liefert Ole Liebl eine Analyse, die die Gemeinschaft aller Geschlechter im Blick behält.

Geschichte, Geistes- & Gesellschaftswissenschaften
288 SeitenSoftcover
Erschienen an: March 24, 2026

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Aktuelle Rezensionen(5)

4.3(24 ratings)
FabiRezension von Fabi

Bitte mehr davon! Ole Liebl schlägt eine Brücke im feministischen Diskurs zu einer Gruppe, die sonst gerne antagonistisch betrachtet wird: Männer. Die meisten Feminist*innen können sich wohl darauf einigen, dass das Patriarchat allen Geschlechtern schadet - auch Männern. Und doch kenne ich es von mir selber nur zu gut, dass es ein fast schon unangenehmes Gefühl hinterlässt, bei feministischen Debatten zu lange über Männer und deren Leiden unter patriarchalen Strukturen zu sprechen. Liebl gelingt es hier ganz wunderbar, genau da den Blick hinzurichten, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass trotz allem immernoch Männer am meisten von diesem System profitieren. Es ist eine Handreichung, ohne Männer aus der Verantwortung zu nehmen. Wer zum Hörbuch greift, sollte sich darauf einstellen, dass der Autor es selbst eingesprochen hat. Das ist zwar einerseits passend, andererseits bevorzuge ich dennoch professionelle Sprecher*innen. Insgesamt eine uneingeschränkte Empfehlung!

JulianRezension von Julian

Ein Buch von einem Mann über die Emotionen und Gefühle von Männern. Klingt erstmal nach einem ziemlichen Selbstfindungsbuch, ist es aber nicht. Ole Liebl beschreibt in diesem Buch wie die Gesellschaft und sozialpolitische Umstände Einfluss auf das Empfinden (oder nicht-Empfinden) von Gefühlen nimmt und warum das bis heute eine Begegnung männlich gelesener Personen mit ihrer Gefühlswelt verhindert. Dabei geht er auf verschiedene Definitiven von Männlichkeit und die durch den Feminismus ausgelöste "Krise" der Männlichkeit ein. Er zeigt auch auf, wie Männlichkeit in aller erster Linie nur ein Konstrukt ist, weil die Definition von Mann auch ein gesellschaftlich soziales ist und bringt so der lesenden Person das große Dilemma der Männlichkeitspropheten nahe. Ich fand das Buch spannend zu lesen, es hat auch einige interessante Gedankenkonstrukte enthalten, die zu eigenen Gedanken anregen. Das Werk bedient sich vieler Filmreferenzen, was die vorgebrachten Ideen gut unterstützt. Was mir allerdings in diesem Werk gefehlt hat war die Klammer, die dieses große Thema zusammenhält. Eine lesende Person ohne Grundwissen über die genannten Begrifflichkeiten wie Patriachat oder Feminismus könnte sich durch die Sprünge in den Themen im Bezug auf das Grundproblem verlieren. Alles in Allem aber auf jeden Fall eine Empfehlung für alle männlich gelesenen und sozialisierten Menschen, die sich aktiv mit ihrer Rolle in der Gesellschaft beschäftigen möchten!

Linda SchmidtRezension von Linda Schmidt

Männer…. Vor dem Lesen dachte ich, dass ich schon ganz gut im Thema sei, aber schau an - es gibt noch jede Menge zu erfahren. Besonders die Dimensionen von Geschlecht fand ich extrem interessant. Insgesamt halte ich das Buch für sehr gut recherchiert und sehr reflektiert aufbereitet. Ole Liebl bringt sehr viele Perspektiven ein und wirkt in besonderem Maße kritikfähig und gesprächsbereit. Nicht, dass ich je mit ihm diskutiert hätte….leider :D Das letzte Kapitel hat mich extrem bewegt. Der Finger liegt direkt in der Wunde, soll dort auch bleiben und doch klingt so viel Versöhnlichkeit mit. Ole Liebl regt dazu an, neue Räume zu öffnen abseits der plattgetretenen Wege Ausschau zu halten nach dem Namenlosen. Das Fazit ist so absehbar wie brutal: Es gibt keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme, aber beginnen darf man….irgendwie irgendwo.

Lena SchalentierRezension von Lena Schalentier

Wie kann Männlichkeit ohne Misogynie aussehen? Warum zeigen Männer seltener Gefühle bzw. warum fühlen sie weniger? Wie steht es um die „modernen Männer?“ Ole Liebl macht viele spannende Fragen auf, zu denen es noch nicht wirklich Antworten gibt, aber das Nachdenken ist schonmal ein guter erster Schritt.

Christopher Rezension von Christopher

Ole Liebl behandelt in „Brutal fragile Typen. Männer und Gefühle“ ein wichtiges Thema: die emotionale Unfähigkeit vieler Männer und ihre Folgen für Beziehungen und Gesellschaft. Stark am Buch fand ich, dass Liebl die politischen Dimensionen von Gefühlen deutlich macht und zeigt, dass auch Männer unter den starren Rollenbildern des Patriarchats leiden. Besonders spannend fand ich die Kapitel zur „Manosphere“ und zu den verschiedenen Dimensionen von „Geschlecht“. Gleichzeitig wirkte das Buch an manchen Stellen etwas unsystematisch, und mir fehlte stellenweise der rote Faden. Vor allem das „Helden“-Kapitel konnte mich nicht ganz überzeugen, was wahrscheinlich daran lag, dass ich den Großteil der referierten Filme nicht kannte. Insgesamt ist Brutal fragile Typen ein interessantes Sachbuch, das wichtige Fragen aufwirft und die Verletzlichkeit hinter männlicher Härte sichtbar macht und thematisiert. Es ist vielleicht kein klassisches Einsteiger*innenbuch, aber sehr lesenswert für alle, die sich mit dem Thema „kritischer Männlichkeit“ beschäftigen wollen, insbesondere für Männer selbst.

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