Empfehlungen basierend auf "Nach dem Sommerregen"
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von Julia Holbe
Vier Freundinnen und ein Sommer am Meer, der alles für immer veränderte.Lenica, Marie, Fanny und Elsa verbringen einen nicht enden wollenden Sommer an der französischen Atlantikküste. Wie ein Versprechen liegt die Zukunft vor ihnen, so ausgelassen und unbeschwert sind sie, dass sie gar nicht merken, wie das Leben seine Weichen stellt. Als sie sich viele Jahre später wiedersehen, erkennen sie, dass ihre Träume sie noch immer wie eine schicksalhafte Kraft verbinden. Trotz allem, was geschehen ist, seit jenem Abend, als Lenica ihren Freund Sean mitbrachte. Und die unaufhaltbare Geschichte ihren Lauf nahm...Julia Holbe erzählt von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: von Liebe und Freundschaft, Schuld und Verrat, von Zufall und Schicksal und davon, dass wir die Vergangenheit immer nur so erinnern, wie wir sie haben wollen.
von Charlotte Wood
Es geschah nicht zum ersten Mal, dieses Aufwachen im fahlen Licht des frühen Morgens, erfüllt von dem stillen, aber drängenden Wunsch, in die Kirche zu gehen. Ein Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten, ganz zweifellos. Frontalhirnschädigung, Frömmigkeit, Angst vor dem Tod, alles ein und dasselbe. Jude hatte da keine Illusionen.Diese Sehnsucht – war es eine Sehnsucht? Sie war ihr ein Rätsel, ein Beharren in ihrem Inneren, eine Art Schmerz, der kam und ging, vertraut und doch immer noch überraschend und mächtig, wenn er sich einstellte. Wie die Arthritis, die in ihrem Daumengelenk aufflammte. Der springende Punkt war, dass dieses Gefühl nichts mit Weihnachten oder mit sonst etwas in ihrem wachen Leben zu tun hatte. Es kam aus der Welt des Schlafes, entsprang ihrem träumenden Ich.Anfangs hatte dieses Gefühl sie beunruhigt, aber jetzt gab Jude sich ihm hin. Am Morgen vor Heiligabend lag sie in ihrem weißen Bett und stellte sich den kühlen, dunklen Innenraum einer Kathedrale vor, wo sie vielleicht allein wäre, willkommen geheißen von einer unsichtbaren, samtigen Macht. Sie sah sich dort knien, sah sich den Kopf auf die uralte Holzbank vor sich legen und die Augen schließen. Es war friedlich, in diesem stillen Raum ihrer Vorstellung.Frontalhirnschrumpfung, ganz zweifellos. In ihrem Alter unvermeidlich.Sie stellte sich die weichen, grauen Halbkugeln ihres Gehirns vor und musste an Lammhirne auf einem Teller denken. Hirn hatte sie immer gern gegessen, es gehörte zu den Gerichten, die sie oft bestellte, wenn sie mit Daniel essen ging. Aber beim letzten Mal hatten die drei zarten, winzigen Dinger, angerichtet auf einem rechteckigen Teller, sie angeekelt. Sie waren so klein, dass sie auf einen Dessertlöffel gepasst hätten, und in diesem angesagten türkischen Restaurant wurden sie sozusagen schmucklos serviert, nicht versteckt unter Panaden oder Garnierungen: Einfach drei nackte, pochierte Kleckse auf Grünzeug. Sie aß, natürlich aß sie, das gehörte zu ihren Prinzipien. Man lehnte nichts Angebotenes ab, schon gar nichts selbst Gewähltes. Doch beim ersten Bissen zerschmolz das Ding in ihrem Mund, zu gehaltvoll, wie streichzarte Butter, lauwarm und blassgrau, farblich und geschmacklich wie Motten – oder wie der Tod. In jenem Augenblick zeichnete der Schock ihr ein Bild von drei Lämmern, jedes mit eigenem Bewusstsein, eigenen Empfindungen, individuellen Freuden und Leiden. Danach konnte sie nicht mehr weiteressen und überließ Daniel den Rest. »Ich will nicht sterben«, hätte sie am liebsten gesagt.Natürlich sagte sie das nicht. Stattdessen fragte sie ihn nach dem Roman, den er gerade las. William Maxwell oder William Trevor? Sie verwechselte die beiden oft. Daniel war ein leidenschaftlicher Leser. Ein echter Leser. Der sich über Männer lustig machte, die keine Romane lasen, also über fast alle, die er kannte. Sie hätten Angst vor irgendetwas in sich selbst, sagte er. Angst, sich lächerlich zu machen, nicht zu verstehen – oder, wahrscheinlicher, Angst vor dem Gegenteil: dazu gebracht zu werden, sich selbst zu verstehen, und das sei ihnen unheimlich. Daniel schnaufte verächtlich. Sie behaupteten, keine Zeit zum Lesen zu haben, was ja wohl ein Witz war.Jude zog das Laken bis zum Kinn hoch. Der Tag fühlte sich jetzt schon stickig an, die Baumwolle kühlte ihren klebrigen Körper.Was wäre, wenn sie eines Morgens nicht aufwachte? Wenn sie eines Nachts in ihrem Bett starb? Niemand würde es merken. Tage würden vergehen. Irgendwann würde Daniel anrufen und sie nicht erreichen. Und dann? Sie hatten nie darüber gesprochen, was zu tun wäre, wenn sie in ihrem Bett starb.Letzte Weihnachten war Sylvie noch da, diese nicht – und jetzt sollten sie das Haus in Bittoes entrümpeln. Nehmt euch, was ihr wollt, hatte Gail aus Dublin in einer E-Mail geschrieben. Betrachtet es als Ferien. Wie man im Zusammenhang mit der Auflösung des Hauses einer toten Freundin an Ferien denken konnte, war Jude unbegreiflich. Aber es war nun mal Weihnachten, und Gail hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie nach Irland abgezischt war und es ihnen überlassen hatte. Von daher. Nehmt euch, was ihr wollt.Es gab nichts, was Jude wollte. Von den anderen wusste sie es nicht.Sylvie lag seit elf Monaten unter der Erde.Die Trauerfeier hatte im Restaurant stattgefunden (nicht mehr wiederzuerkennen, nichts außer dem Namen war geblieben). Es hatte wunderbares Essen und guten Champagner gegeben, gute Reden. Wendy hatte wundervoll gesprochen, ehrlich, poetisch. Gail war von einem stummen, schrecklichen Schluchzen geschüttelt worden und Sylvies armer, trauriger Bruder Colin, der neben Gail saß, zu keiner tröstenden Geste fähig gewesen. Er war einundachtzig, hatte im Golfclub ihrer Heimatstadt als Greenkeeper gearbeitet, war dort geblieben, als der Rest der Familie das Städtchen längst verlassen hatte, und war nie darüber hinweggekommen, dass seine Schwester lesbisch war.Zum Schluss landete Sylvie an einem Ort, den niemand erwartet hatte: Sie bekam eine altmodische Beerdigung in Mona Vale, neben ihren Eltern. Jude, Wendy und Adele waren mit Colin und Gail hingefahren, und mit Andy und Elektra von früher. Sie hatten mit dem mitfühlenden Priester (Ein Priester! Für Sylvie!) auf dem heißen Friedhof gestanden. Jude hatte eine Handvoll Erde genommen und ins Grab geworfen. Seltsam, dass sie das nach all den Jahren zum ersten Mal tat, oder auch nur sah, wie jemand es tat, außer in einem Film. Sie kam sich albern vor, als sie im Dreck niederkauerte und mit ihren lackierten Nägeln in der trockenen, kiesigen Erde scharrte, aber als sie sich aufrichtete und die Erde auf Sylvies Sarg hinabregnen ließ, ergriff sie ein furchtbarer Kummer, stieg in ihrem Körper hoch und flog hinaus in das ohrenbetäubende, helle Rauschen der Zikaden.Sylvie war tot und empfand keinen Schmerz mehr. Sie hatten sich verabschiedet. Es gab nichts zu bedauern, trotzdem lag sie da drin, in dieser Kiste, unter dem Gewicht dieser ganzen Erde, in der ihr kalter kleiner Körper verweste.Gail sagte, zum Schluss habe sie friedlich ausgesehen. Aber das hatte nichts mit Frieden zu tun, sondern mit dem Fehlen von Muskeltonus, von Leben. Der Tod ließ einen jünger aussehen, das war eine Tatsache. Jude hatte inzwischen sechs oder sieben Tote gesehen, und ihre Gesichter hatten sich alle geglättet, nachdem das Leben aus ihnen gewichen war, und sie hatten ausgesehen wie ihr viel jüngeres Ich. Ein oder zwei sogar wie Babys.Wie lange brauchte ein Körper, um zu verwesen? Sylvie hätte bei dieser Frage gekreischt: Ist ja gruselig, Jude!Der Deckenventilator in ihrem Schlafzimmer drehte sich langsam, tickend, über ihr. Ihr Leben war sauber und klar, klar wie die weißen Ventilatorblätter, die unbeirrt durch die widerstandslose Luft glitten. Das sollte ihr ein Trost sein. Es war ihr ein Trost. Die Zimmer ihrer Wohnung waren nicht mit Vergangenheit vollgerümpelt. Niemand würde sich für Jude durch staubige Kartons und Schränke voller Kram und Krempel wühlen müssen.Sie lag in ihrem Bett und dachte an Kathedralen. Und an Tiere. Ratten unter den Bodendielen, Kakerlaken, die sich hinter den gekreuzten Knöcheln und blutenden Füßen gipserner Jesusfiguren tummelten. Sie dachte an dunkle, bösartige kleine Vögel, an die gedämpften, schwachen Geräusche von Kreaturen, die in den Hohlräumen zwischen Steinen und Verputz, Decken und Dachbalken starben. Sie dachte an deren Kot, der austrocknete und hart wurde, und daran, was wohl aus der Haut, dem Fell und den Organen wurde, die ungesegnet in den Höhlungen von Dächern verrotteten.Natürlich würde sie nicht in die Kirche gehen, schließlich war sie weder dumm noch feige.Stattdessen würde sie zum Fleischer fahren, danach zum Lebensmittelladen und zur Haushaltswarenhandlung, um noch ein paar letzte Putzmittel zu besorgen, und schließlich würde sie ganz ohne Hast die Autobahn zur Küste nehmen, und nachmittags würden die anderen eintreffen.Es war kein Urlaub, hatten die drei Frauen sich gegenseitig gemahnt, aber eigentlich war diese Mahnung für Adele bestimmt, die sich beim ersten Anzeichen von Arbeit verkrümeln würde. Adele würde absolut nutzlos sein, doch sie konnten sie nicht ausschließen.Es waren nur drei Tage. Eigentlich eher zwei, da Einkäufe, Fahrt und Ankunft den größten Teil des heutigen Tages in Anspruch nehmen würden. Am zweiten Weihnachtstag würden die beiden anderen schon wieder abreisen und Daniel kommen. Jude beobachtete das geschmeidige Dahingleiten der Ventilatorblätter. Genau so würde sie sein; gleichmütig würde sie durch die Stundengleiten, bis Adele und Wendy wieder abreisten. Sie würde die üblichen Dinge nicht an sich heranlassen; dafür waren sie alle zu alt.
von Alexandra Blöchl
Dieses Buch ist wie ein Strudel, dem man nicht entkommen kann. (…) Wie Alexandra Blöchl atmosphärisch dicht Vidas Gefühle und Sehnsüchte einfängt, habe ich atemlos aufgesaugt.
von Anna Helford
Anna Helford ist ein Name, den man sich merken muss.
von Anna Helford
Das Geheimnis um Mysterious House und die Liebe werfen das geregelte Leben der Sommerschwester völlig aus der BahnSummer, die Sommerschwester, ist die Verantwortungsbewusste und Fürsorgliche der vier. Ihr Job als Grundschullehrerin und das zurückgezogene Leben in ihrem Cottage geben ihr den Halt, den sie als Kind vermisst hat. Sie ist in Wales geblieben, um auf der elterlichen Farm von Zeit zu Zeit das Chaos zu beseitigen, überfällige Rechnungen zu begleichen und sich um ihre jüngste Schwester Autumn zu kümmern. Als die kleine Phoebe neu zu ihr in die Klasse kommt, erwachen unliebsame Erinnerungen in Summer. Denn Phoebes Vater, der alleinerziehende Bryan, ist Musiker, der sein Geld auf Festivals verdient und mit seiner Tochter im Wohnmobil durch England tourt. Sex, Drugs and Rock’n’Roll – ist das auch Phoebes Welt? Und warum ist Summer das nicht egal?
von Claire Lombardo
Claire Lombardo lotet einfühlsam die fragilen Gebilde Familie und Freundschaft aus.
von Peggy Patzschke
Peggy Patzschke war über ein Jahrzehnt die Radiostimme Mitteldeutschlands. Heute arbeitet sie als Redakteurin und Moderatorin vor und hinter der Kamera für ARD, MDR und 3sat und hat einen Podcast. Sie lebt in Leipzig. »Bis ans Meer« ist ihr erster Roman.Mehr unter peggy-patzschke.de 
von Julia Holbe
Eine chaotische Kindheit, ein leeres Elternhaus und das Wiedersehen zweier SchwesternZwei ungleiche Schwestern treffen sich nach Jahren in ihrem Elternhaus wieder. Sie müssen sich entscheiden: verkaufen oder abfackeln? Ihre Zeitreise führt sie in die Kindheit voller verwunschener Hippie-Träume und mit dem alten, orangefarbenen R4 ihrer Mutter in die Bretagne. Bei Crêpes und Cidre unterm Sternenhimmel und einer Fahrt mit dem Boot des Vaters, die anderes endet, als geplant, werden sie von den Gesetzen ihrer chaotischen Familie eingeholt. - Ein Boot und ein Tisch, ein Fest und seine Gäste - und selbstbemalte Playmobilpferde: Manchmal ist das alles, was man braucht. Wären da nicht die großen Fragen des Lebens: Kann man sich alles sagen? Und sollte man das überhaupt? Warum könnte man nicht einfach nur versuchen, glücklich zu sein?
von Catherine Newman
Seit zwei Jahrzehnten freut sich Rocky auf den jährlichen Ausflug ihrer Familie nach Cape Cod. Ihr rustikales Ferienhaus am Strand ist ein Ort voll schöner Erinnerungen, dessen schrullige Möbel und nicht zusammenpassende Töpfe und Pfannen sie wie alte Freunde begrüßen. Diesen Sommer mit ihren Kindern, die erwachsen genug sind, um ohne sie Spaß zu haben, aber noch jung genug, um sie zu brauchen, und ihren Eltern, die noch gesund sind, möchte Rocky am liebsten für immer bewahren. Eine kostbare Woche, in der alles im Gleichgewicht ist. Doch als plötzlich nicht mehr allein ihr Körper für Überraschungen sorgt, gerät die präzise ausbalancierte Urlaubsdynamik ins Wanken. Keine Familie ist perfekt, aber Rockys ist unfassbar liebenswert.
von Rebecca Martin
Rebecca ist Ende zwanzig und hat ihr Leben in Berlin hinter sich gelassen, um in London neu anzufangen. Sie will den Durchbruch als Drehbuchautorin schaffen, mit ihren Freundinnen Champagner trinken, mit interessanten Männern auf Dates gehen, gute Bücher lesen, glamouröse Dinnerpartys schmeißen, sich ganz und gar zugehörig fühlen.Stattdessen lebt sie in einer WG, die sie sich kaum leisten kann, verbringt ihre Tage schreibend in der Bibliothek mit ihren Freundinnen Anne und Melody und versucht, sich mit ihrem Job als Nanny irgendwie über Wasser zu halten. Und sie versucht, ihr gebrochenes Herz wieder zusammenzuflicken, Max zu vergessen. Zu vergessen, wie schlecht er sie behandelt hat, wie lange sie trotz allem bei ihm geblieben ist, wie sehr sie mit der Rolle der Stiefmutter für seinen Sohn gehadert hat.Als sie Jeppe kennenlernt, erinnert sie nichts an ihm an Max, und so lässt sie sich auf eine Sommeraffäre mit ihm ein. Jeppe ist älter als sie und hat die meisten großen Entscheidungen für sein Leben schon getroffen: Er hat zwei Kinder, ist geschieden, ist erfolgreicher Filmproduzent, hat Geld. Sie essen zusammen auf den Terrassen der besten Restaurants, fahren für ein Wochenende nach Paris, übernachten in luxuriösen Hotelsuiten. Wäre das ein gutes Leben? Rebecca erwägt einen weiteren Neuanfang. Doch zu wessen Bedingungen?Sommer und so ist ein Roman über komplizierte Beziehungen – romantische wie freundschaftliche –, über Unsicherheiten und Träume, darüber, was uns prägt, verletzt und hält. Über die Frage, was man vom Leben erwarten darf und was es einem abverlangt. Ein Roman über das Gefühl, mit Ende zwanzig gleichzeitig noch ganz am Anfang und doch schon zu spät dran zu sein.