»Berührend und kitschfrei« Bettina Fraschke, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 28. November 2023
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Lichte Tage
von Sarah Winman, Elina Baumbach
»Berührend und kitschfrei« Bettina Fraschke, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 28. November 2023
Aktuelle Rezensionen(15)
Dieses Buch war eine Empfehlung meines Mannes, die sich bewährt hat und die ich nur weitergeben kann. Selten habe ich einen Roman gelesen, der von der ersten bis zur letzten Seite so voller Melancholie war - und zwar in meisterlicher Ausgewogenheit: nicht zu trist, nicht zu oberflächlich, nicht zu auswegslos. Hier geht es darum, die Schönheit des Traurigen, die Kraft der Einsamkeit und den Wert der Erinnerung zu erkennen, ohne zu überhöhen, aber auch ohne kleinzureden. Man könnte sagen: Ein Sommerroman, der auch in allen anderen Jahreszeiten spielt und dabei eine bewunderswerte Gemächlichkeit entwickelt, die nicht platt wirkt und trotzdem ein leichtes und flottes Lesen erzeugt. Man sollte sich darauf gefasst machen, dass es viel von mann-männlichem Begehren in den 60ern, 70ern und 80ern handelt und die zugehörigen Untiefen auslotet. All das aber ohne große Katastrophenschau, sondern einfühlsam, persönlich und mit Zuneigung. Herzzerreißend sind einige Momente natürlich trotzdem... Melancholie eben. (Abzug gibt es nur für den Stil, den ich vereinzelt zu kitschig und in manchen Übergangen zu sprunghaft fand, und die für mich nicht immer klare Chronologie. Das tut dem Gesamteindruck aber kaum weh.)
Mir fehlen die Worte. Ein Sommerbuch durch & durch - die gelassene Schönheit der Sprache muss man einfach lieben. Tiefgründig und melancholisch , aber auch hoffnungsvoll. 🌻
„Lichte Tage“ hat mich überrascht: Der knappe Klappentext lässt kaum erahnen, wie viele Themen dieser Roman tatsächlich streift. Gerade das hat ihn für mich besonders gemacht. Die Geschichte ist sehr berührend erzählt, in einer Sprache, die einfach, aber immer wieder auch poetisch ist. In ihrer melancholischen, emotionalen Grundstimmung hat sie mich stellenweise an „Ein wenig Leben“ erinnert. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass das Buch etwas umfangreicher ist. So blieben mir die Figuren und Beziehungen zu skizzenhaft, obwohl gerade dort viel Potenzial lag. Insgesamt ein bewegender Roman mit schöner Sprache und mehr Tiefe, als der Klappentext vermuten lässt. Ich hätte gerne mehr Zeit mit den Figuren verbracht!
Ein stilles „Meisterwerk“ – voller Licht, Melancholie und Menschlichkeit „Lichte Tage“ ist ein sanfter, eindringlicher Roman über das, was gesagt wird – und das, was für immer unausgesprochen bleibt. Und da sind Sonnenblumen, da ist Van Gogh, da ist Licht, da ist Einsamkeit, da ist Verlust, da ist Liebe – und da sind die gesellschaftlichen Repressionen während der 1950er- / 1960er-Jahre. Sarah Winman erzählt in poetisch klarer Sprache die Geschichte von Ellis und Michael, zwei Jungen aus dem Arbeitermilieu Oxfords, deren intensive Freundschaft in Jugendjahren zur emotionalen Achse ihres Lebens wird. Aus dieser Nähe, zart und nie vollständig benannt, entwickelt sich eine Liebe, die tief empfunden, aber nie gelebt wird. Der Roman folgt den Spuren dieser Liebe über Jahrzehnte – zwischen Schuld, Verlust und der Sehnsucht nach etwas, das hätte sein können. Während Michael seine Homosexualität erkennt und sich später von der AIDS-Krise gezeichnet nach Frankreich zurückzieht, bleibt Ellis in Oxford zurück: als Ehemann, später Witwer, und als ein Mann, der innerlich immer wieder an Michael zurückdenkt. Winman verwebt Themen wie Liebe, Verlust, Identität, Erinnerung, Schweigen und gesellschaftliche Begrenzung mit großer Feinfühligkeit. Ihre Sprache ist ruhig und zurückhaltend, aber voll leiser Schönheit. Das Symbol der Sonnenblumen – immer in Anlehnung an Van Gogh; sein Werk „Vase mit fünfzehn Sonnenblumen ziert auch das Cover – durchzieht den Text als Lichtträger: für Hoffnung, für das Mögliche, für ein anderes Leben jenseits der gesellschaftlichen Norm.
Ein unglaublich zärtlicher und traurig-schöner Roman über tiefe Verbundenheit.