4.0

Koschmieder:Dry

von Christine Koschmieder

Format:Hardcover

»Dry« handelt vom Trinken und wie es ein Leben bestimmt. Und es handelt vom Aufhören. Wie sich eine Frau aus der Abhängigkeit ins Schreiben begibt. Klar tritt sie eine Reise in die Kindheit, zum früh verstorbenen Mann, zu den eigenen Rollen als Mutter, Geliebte, Tochter an.Christine Koschmieder scheint immer alles geschafft zu haben: Sie hat den Tod ihres Mannes verarbeitet, drei Kinder großgezogen, Karriere im Kulturbetrieb gemacht. Heimlich geholfen hat ihr dabei der Alkohol. Doch mit Ende 40 weiß sie nicht mehr weiter und liefert sich in eine Suchtklinik ein. Dort begibt sie sich auf Spurensuche. Ist der Krebstod ihres Mannes wirklich der Grund für ihre Abhängigkeit, oder liegen die Wurzeln nicht viel tiefer? Christine Koschmieder hat einen mutigen autofiktionalen Roman geschrieben, der unter die Haut geht. Radikal ehrlich und mit literarischer Meisterschaft erzählt sie von sich und von uns. Dieses Buch ist eine Mutprobe.

Biografien & Memoiren
296 SeitenHardcover
Erschienen an: 2022

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Aktuelle Rezensionen(1)

4.0(4 ratings)
JuliaRezension von Julia

Die Erzählerin hat ein Nähe-Problem, sagt sie über sich selbst. Und das Betörende an diesem Text ist: für uns schält sie sich aus dem Problem heraus und holt uns Seite für Seite näher an sich heran. Verletzlichkeit und Authentizität saugen in diesen autofiktionalen Roman hinein, dazu eine tolle Sprache - klar und schön. „Kein wildes Leben mehr, keine Betrunkenen Straßenbahnfahrten weit nach Mitternacht, keine rauschhaften Gespräche, die die Verzweiflung über die eigene Trägheit und die Unwandelbarkeit der Dinge ins Wanken bringen könnten, die mir einen rettungsanker in dje beschissene Beliebigkeit würfen. Ach, Karl, wach auf und mach, dass das Mutterglück meine Ansprüche wegschwemmt und ich mich vorwurfsfrei mit dir vor den Fernsehfilm der Woche legen kann.“ „[…] und irgendwann nackt waren und im Bett lagen und uns gegenseitig ineinander untergebracht haben auf eine Art und Weise, die sich gut anfühlte und das Vertrauen wachsen ließ, damit wir miteinander weitermachen und weiter gehen zu wollen.“ „Drei Monate lang lebe ich mit Simon Bedingungslosigkeit und Ewigkeit und trinke den Chardonnay mit der Schlange auf dem Etikett und dem gelben Schraubverschluss und verschließe die Augen vor der Realität, weil ich das so sehr will, die Bedingungslosigkeit und die Ewigkeit und die Fiktion. Und als ich die Augen aufmache, ist Simon weg und nur noch der Chardonnay mit der schwarzen Schlange auf dem Etikett da.“ „Genauso verhält es sich mit dem, was im Therapiejargon >>erlaubnisgebende Gedanken<< heißt. >>Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör<<, hat schon Wilhelm Busch erlaubnisgebende Gedanken in Versform gegossen: die Kombination eines Zustandes mit der Notwendigkeit, zu trinken. Auf den Social-MediaKanälen von Müttern heißt das heute >>Mommy needs Vodka<<.“ „es fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich eine neue Sprache lernen, eine, bei der ich nicht mehr ständig in die Metaphern-Tüte greifen muss wie in eine Tüte mit Karamellbonbons.“

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