In ihrem ersten Theaterstück durchleuchtet Fatma Aydemir den klassischen Faust-Stoff mit machtkritischem, feministischem Blick und interessiert sich dabei für zwei gegenwärtige Tendenzen: den Personenkult emanzipatorischer Bewegungen und die Gefahr des rechten Populismus. Professorin Dr. Margarete Faust hat ihr Leben der universitären Forschung gewidmet. Im fortgeschrittenen Lebensalter hat sie endlich ihren eigenen Lehrstuhl und wird von ihren Studierenden als Ikone der Genderstudies verehrt. Der rechten Regierung in Deutschland ist sie längst ein Dorn im Auge und als publik wird, dass Faust einer Studentin im Ausland zur Abtreibung verholfen hat, bricht ein Shitstorm über sie herein, der ihr Karriereende bedeutet. Diesen Moment nutzt Mephisto, um Faust an die sinnliche, körperliche Dimension des Lebens zu erinnern und führt ihr Karim zu. Karim ist homosexuell, braucht einen Aufenthaltsstatus und Faust als Doktormutter. Faust, erotisch angezogen von Karim und lustvoll getriggert von Mephisto, begibt sich in ein Spiel der Grauzonen aus Verführung, Interessenskonflikten, Überschreitungen, in dem die Machtverhältnisse eine Eigendynamik entwickeln und damit auch die Frage nach Opfer- und Täter:innenrollen: Braucht es hier überhaupt noch ein Gretchen?
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Doktormutter Faust
von Fatma Aydemir
In ihrem ersten Theaterstück durchleuchtet Fatma Aydemir den klassischen Faust-Stoff mit machtkritischem, feministischem Blick und interessiert sich dabei für zwei gegenwärtige Tendenzen: den Personenkult emanzipatorischer Bewegungen und die Gefahr des rechten Populismus. Professorin Dr. Margarete Faust hat ihr Leben der universitären Forschung gewidmet. Im fortgeschrittenen Lebensalter hat sie endlich ihren eigenen Lehrstuhl und wird von ihren Studierenden als Ikone der Genderstudies verehrt. Der rechten Regierung in Deutschland ist sie längst ein Dorn im Auge und als publik wird, dass Faust einer Studentin im Ausland zur Abtreibung verholfen hat, bricht ein Shitstorm über sie herein, der ihr Karriereende bedeutet. Diesen Moment nutzt Mephisto, um Faust an die sinnliche, körperliche Dimension des Lebens zu erinnern und führt ihr Karim zu. Karim ist homosexuell, braucht einen Aufenthaltsstatus und Faust als Doktormutter. Faust, erotisch angezogen von Karim und lustvoll getriggert von Mephisto, begibt sich in ein Spiel der Grauzonen aus Verführung, Interessenskonflikten, Überschreitungen, in dem die Machtverhältnisse eine Eigendynamik entwickeln und damit auch die Frage nach Opfer- und Täter:innenrollen: Braucht es hier überhaupt noch ein Gretchen?
Aktuelle Rezensionen(4)
ich weiß nicht ganz, was ich über „doktormutter faust“ denken soll. die idee hat mich eigentlich sehr angesprochen und ich habe mich sehr auf eine machtkritische und feministische auseinandersetzung mit goethes klassiker gefreut. es hat mir sehr viel spaß gemacht, nach langer zeit mal wieder ein drama zu lesen und ich mochte einige gedanken, die in monologen verarbeitet waren, sehr gern. allerdings ist immer wieder die rede von graustufen und das finde ich sehr gefährlich, zeitweise verharmlosend. für mich waren die geschilderten geschehnisse überhaupt nicht in graubereichen, sondern sehr eindeutig übergriffig und machtmissbrauchend. auch die art, wie das thema schuld verarbeitet wird, finde ich teilweise ganz schwierig. vielleicht hätte ich auch einfach mehr kontext und einordnung zu dem drama gewünscht.
"Gott, ich hoffe bloß, mir wird hier nicht wieder Rape Culture als Geniestreich verkauft" steht auf dem klappentext des dramas und ruft die fiktionale theaterdirektorin der dichterin im prolog noch zu. während ich ein feministisches stück erwartet habe, das machtkritisch faust neuinterpretiert, musste ich feststellen, dass der klappentext eigentlich schon alles erzählt. immer wieder wird von graustufen zwischen verführung und vergewaltigung gesprochen. ich kann aber keine graustufen erkennen: hier nutzt eine professorin ihre machtposition aus. als beliebte und gefeierte gender-studies-professorin vom schwulen karim als doktormutter angefragt, auch um seinen aufenthaltstitel in deutschland behalten zu können, nutzt margarete faust die abhängigkeit von karim aus, um sich selbst sexuell zu befriedigen. wo soll denn hier margarete faust opfer sein? der text macht mich stellenweise richtig wütend. rape culture ist kein geniestreich.
Gebannt verschlungen - absolut empfehlenswert
Ein absolutes Lebenshighlight! Was Fatma Aydemir mit dem Fauststoff gemacht hat ist zeitgemäß und absolut wichtig. Ich war nach der Lektüre sprachlos und denke regelmäßig darüber nach. Ein Faust ohne Gretchen und irgendwie doch mit. Muss ich mehr sagen?