3.9

Das Leben keiner Frau

von Caroline Rosales

Format:Hardcover

Alte weiße Frau - hast Du den Blues?Melanies Fünfzigster ist ein rauschendes Fest. Sie lässt sich feiern, der Champagner fließt in Strömen, ein Flirt liegt in der Luft. Doch dann wendet sich das Blatt. Ihre Mutter, zu der sie nie ein gutes Verhältnis hatte, braucht ihre Hilfe, sie ist alt geworden. Ihre erwachsene Tochter, die nie so werden wollte wie Mel selbst, ist gerne Hausfrau und will auf keinen Fall Karriere machen. Ja, und die Männer. Der Flirt, ein Kollege, redet im Büro schlecht über sie. Mels Chef fördert eine jüngere Kollegin. Ihr Exmann wird Vater, bekommt mit seiner neuen Frau ein Kind. Das Kind, das er mit ihr nie wollte. Mel hat in ihrem Leben alles richtig gemacht. Bis auf die Dinge, die kolossal schiefgelaufen sind. Und heute ist sie nur noch wütend. Ein Buch über die Fallstricke der Emanzipation und den Fluch, alles zum ersten Mal zu machen.„Das Leben keiner Frau“ ist direkt, manchmal laut und auch hart, ein Roman, dem man sich nicht entziehen kann.»Die willigsten Helfer des Partriarchats sind oft die Frauen selbst. Davon erzählt Caroline Rosales in ihrem herrlichen Liebesroman so ehrlich und selbstironisch wie keine andere deutsche Schriftstellerin vor ihr.« Maxim Biller»So zynisch, ehrlich und schonungslos durften bislang nur Männer, Teenie-Mädchen oder Greisinnen in der Literatur sprechen. Eine schöne fünfzigjährige Erzählerin, die derart konsequent Sex, Alter, Beziehungen und Karrieren seziert, ist für mich eine Offenbarung.« Alina Bronsky»Gefälligkeit ist ein Gefängnis aus dem wir Frauen uns befreien müssen. Melanie ist nicht gefällig. Sie ist unbequem. Wir brauchen mehr unbequeme Frauen.« Maria Furtwängler»Endlich ein wirklich fundiertes Buch darüber, dass man besser keine Frau sein sollte, die im Medienbereich arbeitet.« Josef Hader

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
240 SeitenHardcover
Erschienen an: August 30, 2021

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Aktuelle Rezensionen(2)

3.9(16 ratings)
KatiRezension von Kati

Wir reden viel über den alten weißen Mann. Wen wir dabei aus den Augen lassen? Die alte weiße Frau. Schon seit jeher hat sie ein Problem mit Sichtbarkeit. Mit der altersbedingten und fremdbestimmten Abnahme der se*uellen Verfügbarkeit, dem Verlust der Macht über das Wecken männlicher Begierde, und spätestens mit den Wechseljahren wird sie immer transparenter. Wo bleibt sie also, die Protagonistin Melanie, deren Leben nach ihrem fünfzigsten Geburtstag sehr rapide bergab geht? Melanie hat einfach ein großes Problem: sie ist kein Werner. »Werner zählt zu den wenigen Überlebenden unter den Wolfgangs, Jürgens und Rüdigers, die aus Artenschutzgründen noch in ihrer eigenen untergehenden Sonne herumstehen.« Dabei hat sie eigentlich so vieles richtig gemacht. Sie hat sich nicht abhängig gemacht, ist ihrem Traum, dem Journalismus, gefolgt. Hat nicht ausschließlich auf einen, ihren Mann, gesetzt, sondern ist selbstständig geblieben. Soweit man das sein kann, mit Kind. »Kinder sind eine Rechtfertigung für alles. Ich habe glücklicherweise eines bekommen, den Gebärauftrag erfüllt und kann mitreden.« Uff, was für ein Buch. @therealcarolinerosales legt mit "Das Leben keiner Frau" keinen Finger in die Wunde(n), sie nimmt die ganze Hand. Rosales selbst ist deutlich jünger als ihre Protagonistin Melanie, und trotzdem kann ich mir so gut vorstellen, dass ihr erbarmungslos gezeichntes Porträt einer Frau im letzten Lebensdrittel so sehr zutrifft. Ich glaube, die meisten Frauen befürchten es. Mit der Gleichberechtigung und dem langsamen Aufbrechen des traditionellen Rollenbildes kommt nicht nur die große Freiheit, sondern auch die große Angst. Wut, die gesteht man vor allem den jungen Frauen zu, die kämpfen. Den "alten", die schon gekämpft haben, unterstellt man Verbitterung. Wer ist die alte, weiße Frau? Mögen wir sie? Wie wollen wir einmal werden? Unbedingte Leseempfehlung für dieses heftige Buch.

nessaboRezension von nessabo

Keine Wohlfühllektüre und teilweise sehr herausfordernd, aber trotzdem scharf beobachtet "Das Leben keiner Frau" ist wirklich absolut kein Wohlfühlbuch. Mit einer ziemlich unsympathischen Protagonistin sowie einer sehr direkten, zynischen und manchmal vulgären Sprache ist es ein Werk, das polarisiert. Nichts von alledem finde ich zwangsläufig schlecht, bin in meiner Besprechung aber hin- und hergerissen. Ich fand das Buch phasenweise bei aller Frustration von Mel wirklich auf den Punkt. Es wird immer wieder beschrieben, wie die patriarchale Gesellschaft und der strukturelle Sexismus Frauen nicht nur benachteiligt, sondern sie auch gegeneinander ausspielt. Mehrfach habe ich beim Lesen geschwankt zwischen Verständnis und Wut über das, was Mel so von sich gibt. Während sie manchmal messerscharf beobachtet und mir damit Impulse in Bezug auf Ageismus/Abhängigkeiten mitgibt, fand ich einige ihrer Gedanken in Bezug auf jüngere Frauen/Mädchen einfach nur schrecklich. Die komplette Handlung ist eher frustrierend, macht wütend und zieht irgendwie runter. Aber trotzdem habe ich es richtig schnell durchgelesen. Manche Monologe fand ich zwar etwas langatmig, aber insgesamt hat mich das Buch erstaunlich gut unterhalten. Es wurden doch recht viele Themen angeschnitten (u. a. auch Gewalt von Eltern gegenüber ihren Kindern, Alkoholismus, Pflegekrise), sodass manche für mein Empfinden etwas untergegangen sind. Ein wenig mehr Fokus hätte der Geschichte vielleicht gut getan, andererseits ist die Realität natürlich auch genau so komplex. Ich vergebe 3.5 Sterne, für ein Aufrunden reicht es im Vergleich zu meinen anderen Bewertungen allerdings nicht. Eine Empfehlung für Menschen, die weder Zynismus noch eine Sex-offene Handlung scheuen und unsympathische Hauptfiguren bevorzugen.

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