Das Vorkommnis
von Julia Schoch
Die ungeheure Dichte der Korrespondenzen zwischen allen Ebenen des Romans erzeugt ein so reiches 3-DPuzzle, dass man am Abglanz des Lebens darin seine Freude hat, auch wenn es ein entgleisendes Leben ist. Julia Schoch hat einen neuen Weg eingeschlagen. Wir folgen gespannt.
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Das Vorkommnis
von Julia Schoch
Die ungeheure Dichte der Korrespondenzen zwischen allen Ebenen des Romans erzeugt ein so reiches 3-DPuzzle, dass man am Abglanz des Lebens darin seine Freude hat, auch wenn es ein entgleisendes Leben ist. Julia Schoch hat einen neuen Weg eingeschlagen. Wir folgen gespannt.
Aktuelle Rezensionen(4)
Die namenlose Protagonistin ist Schriftstellerin, Dozentin und Mutter von zwei Kindern. Als sie auf einer Lesung eines ihrer Bücher von einer fremden Frau angesprochen wird mit den Worten: „Wir haben übrigens denselben Vater“, gerät ihr bisheriges Leben ins Wanken. Dieses „Vorkommnis“ wirft Fragen zu ihrer Familienstruktur und ihrem Weltbild auf. In Rückblenden versucht sie, ihr bisheriges Leben, ihre Familie und zwischenmenschliche Beziehungen zu reflektieren. Die Erzählerin verarbeitet dieses Erlebnis in einer Reihe kurzer Kapitel, die sowohl Bezug auf ihr reales Leben nehmen als auch aufzeigen, wie diese unerwartete Begegnung ihre Denkweise beeinflusst hat. Besonders interessant finde ich, dass keiner der Figuren einen Namen trägt, was eine gewisse Distanz schafft und es schwer macht, eine persönliche Verbindung aufzubauen. Die Charaktere werden eher abstrakt beschrieben, zum Beispiel als „das ältere Kind“. Ich bin der Geschichte gegenüber zwiegespalten. Einerseits hat mich die Abstraktheit beim Lesen total gefesselt, weil sie eine besondere Atmosphäre schafft. Andererseits empfand ich die Geschichte manchmal als zu abstrakt, was es schwer machte, sich vollständig in die Handlung einzufühlen. Ich schwanke zwischen drei und vier Sternen.
Konnte dem Buch wenig abgewinnen, auch wenn ich viele Zitate rausgeschrieben habe. Die Reaktion auf das Vorkommnis, die Begegnung mit der unbekannten Schwester, und viele der folgenden Gedankengänge sind mir fremd geblieben. Sicherlich interessant, wenn man über autofiktionales Schreiben nachdenken möchte.
Bei einer Lesung wird die namenlose Protagonistin mit einer „neuen Schwester“ konfrontiert, einer wildfremden Frau, die angibt den gleichen Vater zu haben. Aus dieser „trivialen“ Begegnung wird im Verlauf des Romans jedoch so viel mehr-, ein Revidieren, eine Rechfertigung, eine Erkenntnis und vor allem ein tiefes Misstrauen der eigenen Erinnerung. Julia Schoch baut den ersten Part ihrer Biographie einer Frau gekonnt und unerwartet abzweigend, verliert dabei jedoch nicht Kontrolle und wenn doch, dann gewollt. Ein gerade in Zeiten des Booms einer neuen Autofiktionalität, bzw. Ergründung einer Selbst (a la Annie Ernaux) eine schöne Abwechslung und Einführung in die kleinen und großen Geheimnisse der Menschen, die man angeblich am besten kennt.
Auf der Suche nach dem verlorenen Motiv… oh man, das war eine zähe Lektüre. Die Protagonistin fühlt sich aus der Bahn geworfen von einem Vorkommnis, das am Ende durch ein bisschen Small Talk aufgelöst wird. Dazwischen viel jada jada um Verdächtigungen, Misstrauen, Verschwinden und Ahnungslosigkeit. Das Problem: nichts passiert, nichts kommt vor, nichts ereignet sich. Der Roman ist ein einziger Gedankenpalast der Hauptfigur mit nahezu keiner äußeren Handlung. Und das wäre wunderbar, wenn nicht alle Gedanken nur oberflächlich gestreift würden, nur als Bonmot dahin geworfen. Auch nach der letzten Seite kenne ich die Protagonistin nicht wirklich, obwohl sie so viel von sich erzählen möchte. Schade, denn sie hat wunderbare Ideen, spannende Themen… mich als Leserin haben ihre Gefühle und Probleme aber nicht erreicht, was zum Großteil der distanzierten und verknappten Sprache verschuldet ist. Ich habe mich einfach nicht für die Hauptfigur interessieren können.