Die Tochter
von Kim Hye-jin
Kim Hye-jin, die neue literarische Entdeckung aus Südkorea, erzählt die Geschichte einer Frau, deren Weltbild angesichts des queeren Lebensentwurfs ihrer Tochter aus den Fugen gerät. Seit Jahren teilen Mutter und Tochter wenig mehr als ein wortkarges Mittagessen pro Woche. Zwischen ihren Nudelschalen türmt sich ein Berg aus Ungesagtem. Die Mutter, Pflegerin im Seniorenheim, führt ein unauffälliges, bescheidenes Leben. Ihre Tochter Green hat einen anderen Weg gewählt: Sie hat keinen Mann, kaum Einkommen und liebt eine Frau. Als das Paar bei der Mutter einziehen muss, prallen die radikal verschiedenen Lebensentwürfe aufeinander. Mit großer Sensibilität und sanfter Wucht ergründet Kim Hye-jin die Ängste einer Generation, die sich dem selbstbestimmten Leben ihrer Kinder stur in den Weg stellt. Ein notwendiger Roman über die Enge und Starrheit von Tradition und die Möglichkeit zum Wandel.
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Die Tochter
von Kim Hye-jin
Kim Hye-jin, die neue literarische Entdeckung aus Südkorea, erzählt die Geschichte einer Frau, deren Weltbild angesichts des queeren Lebensentwurfs ihrer Tochter aus den Fugen gerät. Seit Jahren teilen Mutter und Tochter wenig mehr als ein wortkarges Mittagessen pro Woche. Zwischen ihren Nudelschalen türmt sich ein Berg aus Ungesagtem. Die Mutter, Pflegerin im Seniorenheim, führt ein unauffälliges, bescheidenes Leben. Ihre Tochter Green hat einen anderen Weg gewählt: Sie hat keinen Mann, kaum Einkommen und liebt eine Frau. Als das Paar bei der Mutter einziehen muss, prallen die radikal verschiedenen Lebensentwürfe aufeinander. Mit großer Sensibilität und sanfter Wucht ergründet Kim Hye-jin die Ängste einer Generation, die sich dem selbstbestimmten Leben ihrer Kinder stur in den Weg stellt. Ein notwendiger Roman über die Enge und Starrheit von Tradition und die Möglichkeit zum Wandel.
Aktuelle Rezensionen(5)
,,Die Tochter“ hat mich vor allem wegen seiner Themen überzeugt. Der Roman behandelt wichtige gesellschaftliche Fragen wie den Zustand des Gesundheits- und Pflegesystems, das Leben queerer Menschen sowie die Erwartungen, die insbesondere an Frauen gestellt werden – von Heirat und heterosexueller Ehe, bis hin zum Druck die Eltern glücklich zu machen. Sprachlich fand ich das Buch eher unauffällig und nicht besonders herausragend. Dafür haben mich die Konflikte und Gedanken der Figuren beschäftigt. Vor allem die Mutter hat mich beim Lesen immer wieder wütend gemacht. Ich habe mich oft gefragt, wie verbohrt man sein kann und warum es so schwerfällt zu akzeptieren, dass nicht alle Menschen mit gesellschaftlichen Konventionen glücklich werden. Besonders angesprochen hat mich die Frage, inwieweit wir unseren Eltern überhaupt etwas schulden. Das Buch zeigt sehr eindrücklich, wie belastend die Erwartung sein kann, das eigene Leben nach den Vorstellungen der Familie auszurichten. Nicht jede Person möchte heiraten, nicht jede Person möchte Kinder, und nicht für jeden bedeuten Ehe und Familie automatisch Glück oder Erfüllung. Kein Highlight, aber ein guter Roman mit relevanten Themen, der zum Nachdenken anregt
Die schmerzvolle Selbstflektion der Mutter macht das Buch für mich besonders
Jahrelang haben Mutter und Tochter nur ein gemeinsames Mittagessen pro Woche geteilt. Mit am Tisch saßen unausgesprochene Gedanken, Ansichten und Gefühle. Bis eines Tages die Tochter in eine finanzielle Notlage gerät und bei ihrer Mutter einziehen muss. Als sie an diesen Tisch nun auch ihre Partnerin mitbringt, prallen zwei Lebensrealitäten aufeinander. Während an der Universität der Tochter diverse Lehrende aufgrund ihrer sexuellen Identität gekündigt werden, steht diese für ihre Werte ein und geht auf Demos, bei denen es auch zu Polizeigewalt kommt. Die Mutter kann den Lebensweg und das Engagement ihrer Tochter nicht verstehen. Sie führt ein bescheidenes und zurückhaltendes Leben. Bei Problemen, wie einem Vorfall von häuslicher Gewalt bei den Nachbarn, schaut sie weg. Man mischt sich nicht in das Leben anderer ein. An ihre Tochter wiederum hat sie Erwartungen und Verpflichtungen gesetzt: eine erfolgreiche Karriere, einen Mann und Kinder. Ihre Formel für ein zufriedenes Leben. Sie fragt sich, wie ihre Tochter freiwillig den anderen Weg wählt? „Es gab eine Zeit, als ich für meine Tochter noch das Zentrum des Universums war. Sie sog meine Worte auf wie ein Schwamm.“ (S. 85) Die Mutter arbeitet als Pflegerin in Seniorenheim, wo sie sich um eine an Demenz erkrankte Patientin kümmert. Dabei bekommen wir Leser:innen Einblicke in die Bedingungen und Missstände in der Pflege. Als eines Tages ihrer Patientin die Mittel gekürzt werden und sie zwangsverlegt werden soll, erwacht in der Mutter der Drang auf sich zur Wehr zu setzen und nicht mehr wegzuschauen. Der Roman hat auf nur 172 Seiten viele Themen: von Machtverhältnissen und Erwartungen in der Eltern-Kind-Beziehung, LGBTQIA+, das Älterwerden und Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen. Da der Roman aus der Perspektive der konservativen und traditionsbewussten Mutter erzählt wird, bekommen wir als Leser:innen ihre diskriminierenden Ansichten aufgedrückt. Deshalb konnte ich das Buch nur mit mehreren Pausen lesen, was die Kapitelaufteilung zum Glück gut ermöglicht hat. Ich war durchgehend wütend über ihre Ansichten und sehr späten sowie langsamen Wandel. Trotz allem gibt es am Ende einen Funken Hoffnung!
Sprachlich eher nicht so interessant. Einige starke Szenen, wenn die Mutter über ihre Einstellung nachdenkt und auf welcher Seite sie steht.
Die Protagonistin ist Witwe und Mutter einer Tochter in Südkorea und arbeitet in der Altenpflege. Sowohl beruflich als auch privat steht sie vor zahlreichen Problemen. Der Umgang mit den alten Menschen in ihrem Heim ist unmenschlich, aber sie kann wenig dagegen tun, wenn sie nicht ihren Arbeitsplatz und damit ihre Lebensgrundlage verlieren will. Außerdem zieht ihre Tochter mit ihrer Freundin wieder bei ihr ein, was die Mutter, die mit dem homophoben Gedankengut ihrer Kultur erzogen worden ist, vor arge Probleme stellt. Und ihre Tochter nimmt lautstark den Kampf gegen die Homophobie in ihrem Land auf. In diesem Minenfeld versucht die Erzählerin, das Richtige zu tun. Ein faszinierendes Buch darüber, wie eine Gesellschaft mit Schwachen und Randgruppen umgeht; keine der hier angesprochenen Problematiken ist wirklich auf Südkorea begrenzt, sie alle finden sich zu einem gewissen Grad auch in unserer Kultur.