4.0

Die Schopenhauer-Kur

von Irvin D. Yalom

Format:Hardcover

Julius Hertzfeld ist fünfundsechzig und ein renommierter Psychoanalytiker, als er ernsthaft erkrankt. Zeit, sich wichtigen Fragen zu stellen. War sein Wirken wirklich bedeutungsvoll? Er erinnert sich an einen Fall, bei der er kläglich versagt hat. An Philip Slate, den er einst wegen dessen Sexsucht in Behandlung hatte. Dieser ist immer noch so arrogant und ichbezogen wie früher, dennoch behauptet er mittlerweile, sich selbst geheilt zhu haben - und zwar mit Hilfe der Lektüre von Arthur Schopenhauer ...

Self-Help, Health & Lifestyle
Hardcover
Erschienen an: 2005-06-30

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Aktuelle Rezensionen(2)

4.0(11 ratings)
Martina Rezension von Martina

Auch dieses Buch von Irvin D. Yalom hat mich in seinen Bann genommen. Die Art und Weise wie er schreibt, beschreibt und erklärt ist einzigartig. In diesem Buch geht es um philosophische Ansätze, wie das Leben und Sterben interpretiert werden kann. Gleichzeitig wird es verbunden mit realistischen Sorgen und Problemen, die in Form der Gruppetherapie aufgearbeitet werden. An was halten wir im Leben fest? An was reiben wir uns auf? Wie sehen und identifizieren wir uns selbst und wie werden wir von anderen wahrgenommen? Durch die Gruppentherapie kommen immer wieder Reflexionen und Feedback über das Warum und die Gefühle zustande, die einem zu nachdenken anregen. Auch die Verknüpfungen mit Religionen fand ich sehr interessant. Immer wieder kommt es allerdings zu Wiederholungen der Inhalte aus den Therapiesitzungen. Wir wissen seit Beginn, warum Philipp in der Gruppe ist, dennoch wird es weitere zweimal beschrieben. Auch der Vorfall zwischen zwei Gruppenmitgliedern wird mehrfach wiederholt, was mich teilweise eher gelangweilt hat. Außerdem wurde für mich nicht überzeugend deutlich, dass der Vorfall zwischen Pam und Philipp als missbräuchlich zu bewerten ist. Ein Mann in einer machtvollen Position nutzt eine Frau aus. In den Gesprächen darüber wurde es als „männlicher Trieb“ von den Mitgliedern abgetan und mir stellenweise nicht deutlich genug betont, dass es nicht in Ordnung ist und gesellschaftlich auch nicht in Ordnung sein darf. Gleichzeitig spiegelt die Diskussion innerhalb des Buches die Argumente in der Realität wieder. Vermutlich lässt sich die Kritik so zusammenfassen, dass mir eine deutlich stärkere feministische Stimme an dieser Stelle gefehlt hat.

NadiraRezension von Nadira

Zwischen Ziele erreichen und Im-jetzt-Sein, immer mehr streben ohne langfristige Befriedigung und über Vergänglichkeit (nicht zwingend des Lebens, das auch, aber besonders von Momenten und Erinnerungen würde ich sagen). In dem Buch geht es um viel mehr als das, offensichtlich sehr viel über Schopenhauers Philosophie, aber das sind die Themen, die mir besonders im Kopf geblieben sind, die aktuell und nie abgeschlossen scheinen. Dass immer mehr wollen, prinzipiell etwas, das uns treibt und gesund sein kann, aber das besonders in unserer kapitalistischen Gesellschaft kein Ende findet. Es muss immer (mehr) getan werden, statt zu sein, zu schätzen und zu leben. Aber was leitet einen sonst und gibt einem Sinn, wenn nicht das nächste Ziel, was man vor Augen hat? Ist dieser endlose Kreislauf gesund und normal, vielleicht sogar notwendig, oder lenkt es vom Wesentliche, vom „Sein“ ab? Das Buch beantwortet das nicht, ich weiß nicht, ob das jemals ein Buch können wird. Es setzt sich mit der pessimistischen Philosophie Schopenhauers auseinander, teils auch mit ihm als eigenwillige Persönlichkeit, erklärt Teile seiner Gedanken, lässt im Rahmen einer interessanten Geschichte über Julius (und viel mehr als das) Raum, um mehr über Schopenhauer zu erfahren, ohne dass man sich in seiner beinah depressiven und hoffnungslosen Philosophie verliert. Seine Philosophie und weitere grundlegende Fragen werden über verschiedene spannende Figuren ausgehandelt und reflektiert. Ich mochte all die Figuren des Romans sehr gerne, fand keine total oberflächlich und auch die Entwicklung (die, wie ich finde, immer sehr schwer nachvollziehbar darzustellen ist) spannend. Für mich ist das Buch ein kleiner Hinweis, dass man vielleicht nicht immer nach mehr streben sollte, was auch nicht heißt, dass man keine Ziele oder Hoffnungen haben sollte. Und auch nicht, wie Philipp sagt, sich von dem (Mehr-)Wollen abzuwenden: »Schopenhauer machte mir bewusst, dass wir dazu verurteilt sind, uns endlos auf dem Rad des Wollens zu drehen: Wir wünschen uns etwas, wir bekommen es, wir genießen einen kurzen Moment der Befriedigung, die sich rasch zur Langeweile abschwächt, auf die dann unweigerlich das nächste ›Ich will folgt. Das Verlangen zu stillen, ist kein Ausweg - man muss ganz von dem Rad abspringen. Das tat Schopenhauer, und das habe ich auch getan.« (361) Eher, wie Julius sagt, im Moment verharren, dankbar zu sein und zu schätzen, was man gerade hat, als zu warten bis alles „perfekt“ sein wird (der Moment wird niemals kommen): „Es stimmte, dass er nie richtig den Moment ausgekostet, nie die Gegenwart genossen, sich nie gesagt hatte: »Das ist es, dieser Zeitpunkt, dieser Tag - das ist es, was ich will! Dies sind die guten alten Zeiten, genau jetzt. Lass mich in diesem Augenblick verharren, lass mich auf ewig in diesem Ort wurzeln.« Nein, er hatte stets geglaubt, das saftigste Fleisch des Lebens noch nicht gefunden zu haben, und es hatte ihn immer nach der Zukunft gelüstet - nach den Jahren, in denen er älter, klüger, größer, mächtiger wäre. Und dann kam der Umbruch, die Zeit der großen Umkehr, die plötzliche und alles umwälzende Entidealisierung der Zukunft und der Beginn der schmerzlichen Sehnsucht nach dem, was früher gewesen war.“ (119) Scheinbar banal, aber das scheint besonders in jetziger Zeit umso mehr relevant, auch mal Langeweile auszuhalten. Sei es nicht von Tätigkeit X zu nächster Tätigkeit X zu springen (z.B. jede freie Minute auf Instagram zu verbringen), sondern einfach mal kurz verharren und versuchen, Dinge ohne Zweck und Ziel, sondern nur für das Jetzt zu tun. „Wo wir auch hinschauen, schrieb er, ist die wilde Triebhaftigkeit. Was ist Leiden? Das Zusammenspiel zwischen Wille und nie zu erreichendem Ziel. Wir wollen, wir wollen, wir wollen, wir wollen. Für jedes Bedürfnis, das in unser Bewusstsein gelangt, stehen zehn Bedürfnisse im Unbewussten auf Abruf bereit. Der Wille treibt uns unbarmherzig an, denn sobald ein Bedürfnis befriedigt ist, tritt sogleich ein anderes an seine Stelle, und so geht das unser Leben lang. (…) kreist in alle Ewigkeit um eine Achse der Bedürfnisse, auf die Sättigung folgt. Sind wir befriedigt durch diese Sättigung? Leider nur kurze Zeit. Fast unverzüglich setzt Langeweile ein, und erneut werden wir zum Handeln getrieben, diesmal, um den Schrecken der Langeweile Zu entfliehen.“ (294) „Und was ist das Furchtbarste an der Langeweile? Warum müssen wir uns so schnell wie möglich von ihr befreien? Weil sie ein Zustand ohne Ablenkung ist, der schon bald tiefere, unangenehme existenzielle Wahrheiten sichtbar werden lässt - unsere Bedeutungslosigkeit, die Sinnlosigkeit unseres Seins, unser unerbittliches Fortschreiten in Richtung Verfall und Tod.“ (295) Das habe ich aus dem Buch mitgenommen und frage mich gerade, ob das überhaupt eine der wichtigsten Themen aus dem Buch ist. Der Roman ist noch weitaus vielfältiger schätze ich, aber das waren meine liebsten Stellen im Buch :)

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