4.2

Die Geschichte der Baltimores

von Joël Dicker

Format:Hardcover

Schweizer Autor, geb. 1985. - Bis zum Tag der Katastrophe gab es zwei Goldman-Familien. Die Baltimore-Goldmans und die Montclair-Goldmans. Die 'Montclairs' sind eine typische Mittelstandsfamilie, kleines Haus im unschicken New Jersey, staatliche Schule für Marcus, den einzigen Sohn. Ganz anders die Goldmans aus Baltimore: Man ist wohlhabend und erfolgreich, der Sohn Hillel hochbegabt, der Adoptivsohn Woody ein Sportass erster Güte. Als Kind ist Marcus hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für diese 'besseren' Verwandten und Eifersucht auf ihr perfektes Leben. Doch Hillel und Woody sind seine besten Freunde, zu dritt sind sie unschlagbar, zu dritt schwärmen sie für das Nachbarsmädchen Alexandra - bis ihre heile Welt eines Tages für immer zerbricht. Acht Jahre danach beschließt Marcus, inzwischen längst berühmter Schriftsteller, dass es Zeit ist, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben. Aber das Leben ist komplizierter als geahnt, und die 'Wahrheit' über ihre Familie scheint viele Gesichter zu haben.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
510 SeitenHardcover
Erschienen an: 2016-05-02

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Aktuelle Rezensionen(7)

4.2(85 ratings)
ChrisRezension von Chris

Nachdem mich „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ wirklich begeistert hat, bin ich mit entsprechend hohen Erwartungen an „Die Geschichte der Baltimores“ herangegangen. Und ich muss sagen: Ich bin ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits hat mich das Buch von Anfang an gefesselt. Die Gegenüberstellung der beiden Familienzweige – der „Goldmans von Montclair“ und der scheinbar perfekten „Goldmans von Baltimore“ – ist unglaublich spannend aufgebaut. Nach und nach wird deutlich, dass hinter dieser idealisierten Fassade mehr steckt, und genau dieses langsame Enthüllen des sogenannten „Dramas“ hat mich wirklich gepackt. Auch wenn ich im Verlauf eine gewisse Ahnung hatte, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte, blieb es bis zum Schluss spannend, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es genau dazu kam. Andererseits hat mir im Vergleich zu „Harry Quebert“ etwas gefehlt – und ich glaube, ich kann inzwischen besser greifen, woran das liegt. Während der Quebert-Roman eine sehr klare, fast schon zwingende Dramaturgie hatte, wirkt „Die Geschichte der Baltimores“ auf mich stellenweise weniger fokussiert. Einige Themen, die eigentlich sehr viel Tiefe hätten entfalten können – vor allem die emotionalen Brüche innerhalb der Familie – werden relativ schnell abgehandelt. Ich hatte öfter das Gefühl, dass hier mehr Raum gutgetan hätte, um bestimmte Entwicklungen intensiver mitzuerleben. Auch mit der Figur des Marcus Goldman hatte ich diesmal ein kleines Problem. Obwohl es natürlich dieselbe Figur ist wie in „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, fiel es mir schwer, beide Versionen wirklich zusammenzubringen. Im Quebert-Roman habe ich ihn als sehr präsenten, suchenden und reflektierenden Erzähler wahrgenommen. Hier hingegen wirkt er auf mich oft distanzierter, fast mehr wie ein Beobachter seiner eigenen Vergangenheit. Das ist an sich kein Widerspruch, aber es verändert die Wirkung der Figur deutlich – und genau das hat es mir schwer gemacht, ihn „wiederzuerkennen“. Trotzdem: Das Buch hat mich nicht losgelassen. Die Art, wie Joël Dicker Spannung aufbaut und Informationen dosiert preisgibt, funktioniert auch hier sehr gut. Die Wendung selbst war für mich zwar nicht völlig überraschend, aber trotzdem wirkungsvoll – vor allem, weil der Weg dorthin emotional immer dichter wird. Am Ende bleibt für mich ein Roman, den ich wirklich gern gelesen habe, der mich auch gefesselt hat, der aber nicht ganz an die erzählerische Wucht von „Harry Quebert“ heranreicht. Vielleicht, weil er weniger klar strukturiert ist, vielleicht, weil einige Themen zu schnell abgehandelt werden – und vielleicht auch, weil sich Marcus Goldman hier einfach anders anfühlt. Fazit: Ein spannender und lesenswerter Roman mit einer starken Grundidee und gelungenem Spannungsaufbau – der mich jedoch nicht ganz so tief erreicht hat wie „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“.

Marina Rezension von Marina

„Die Geschichte der Baltimores“ von Joël Dicker ist ein fesselnder Familienroman über die Goldman-Gang, eine Gruppe von vier sehr unterschiedlichen Jungen und einem Mädchen. Der Roman dreht sich um tiefe Freundschaft, Zusammenhalt, Karriere, Neid, Liebe, Eifersucht und um Aufstieg wie auch Niedergang. Zugleich erzählt er von falschen Entscheidungen, deren Folgen das Leben aller Beteiligten prägen. Die Geschichte ist so packend erzählt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Alles kreist um eine Katastrophe, die sich 2004 ereignet hat. Während man liest, fragt man sich unablässig, worin diese Katastrophe besteht. Bis zu diesem Tag gab es zwei Goldman-Familien: die Goldmans aus Montclair und die Goldmans aus Baltimore. Während die Montclairs ein eher einfaches, bodenständiges Leben führten, lebten die Baltimores im Wohlstand und genossen hohes Ansehen. Auch hier begegnen wir wieder dem Protagonisten Marcus Goldman, den wir bereits in „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ beim Schreiben seines Romans begleitet haben. Als Kind schwankt Marcus zwischen Bewunderung für seine glamourösen Verwandten aus Baltimore und Eifersucht auf ihr scheinbar perfektes Leben. Doch hinter der glänzenden Fassade verbarg sich weit mehr – bis die Familie unaufhaltsam in eine gewaltige Katastrophe hineingerät…. „Die Geschichte der Baltimores“ ist ein Familiendrama, das tief berührt und zum Nachdenken anregt. Mit hohen Erwartungen bin ich an dieses Buch herangegangen, nachdem mich Dickers vorheriger Roman so begeistert hatte und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Dieser Teil hat mir sogar noch besser gefallen. Der Roman verbindet Spannung und Emotion mit großem Tiefgang und bleibt trotz der vielen Zeitsprünge leicht zugänglich. Eine rundum beeindruckende Geschichte! Ich freue mich schon darauf, auch den dritten Teil, „Die Affäre Alaska Sanders“, zu lesen.

Andrea KusemannRezension von Andrea Kusemann

Besser als Harry Quebert – und das will was heißen Marcus Goldman erzählt die Geschichte seiner Familie: die reichen Baltimores mit ihren beiden begabten Söhnen Hillel und Woody, und die bescheideneren Montclairs. Als Kind verbringt Marcus jede Sommerpause bei den Baltimores, zu dritt sind sie unschlagbar. Dann kommt die Katastrophe. Acht Jahre später schreibt Marcus alles auf und versteht erst jetzt, was wirklich passiert ist. Was dieses Buch für mich stärker macht als “Harry Quebert”: Es ist leiser. Keine ständigen Wendungen, kein neuer Tatverdächtiger alle 50 Seiten. Dicker lässt die Geschichte atmen und konzentriert sich auf das Wesentliche: die Familienverflechtungen, die Liebe, den Neid, die Eifersucht zwischen den Cousins. Was mich am meisten berührt hat: Vieles wäre verhindert worden, hätten die Menschen miteinander gesprochen. So viel Leid, nur weil niemand den Mund aufgemacht hat. Am Ende habe ich wirklich geweint. Ein großer, berührender Familienroman. Mein Lieblingsbuch von Dicker.

Carmen HuberRezension von Carmen Huber

3 ⭐️; ich fand die Familiengeschichte zunächst sehr gut, aber dann wurde es zu lang und irgendwie wurde immer noch mehr reingepackt. Am Schluss wars „ok“ das es vorbei war. Trotzdem lesenswert, wen es interessiert.

IraRezension von Ira

Der erfolgreiche Schriftsteller Marcus Goldman zieht sich zurück, um an seinem neuen Buch zu arbeiten. Kurz zuvor ist sein Onkel Saul gestorben, um dessen Habseligkeiten er sich auch noch kümmern muss. Während er also Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, um schreiben und in Ruhe trauern zu können, begegnet er seiner Jugendliebe Alexandra wieder, die er vor Jahren verlassen hat. Das war kurz nach der Katastrophe. Und plötzlich sieht er sich wieder mit der Vergangenheit konfrontiert, jener goldenen Zeit, in der er und seine Cousins Woody und Hillel die berühmt-berüchtigte Goldman-Gang bildeten. Und vor allen Dingen auch mit den Ereignissen, die langsam aber sicher zu besagter Katastrophe führten – dem großen Einschnitt, der das Leben aller Goldmans maßgeblich beeinflussen sollte. Marcus Goldman kommt euch irgendwie bekannt vor? Hab ich mir auch gedacht. Das liegt daran, dass wir mit ihm den Protagonisten aus Dickers erstem Buch „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ wieder begrüßen dürfen, in dem der Schriftsteller die Geschichte seines Freundes und Mentors erzählt. Dieses Mal wendet er sich der eigenen Familie zu. Schon seit frühester Kindheit hat sich Marcus immer eher der Familie seines Onkels Saul zugehörig gefühlt. Mit seiner schönen und erfolgreichen Frau Anita und dem gemeinsamen Sohn Hillel haben die Goldmans aus Baltimore für ihn all das verkörpert, was seine eigenen Eltern nicht waren. Statt neidisch und missgünstig zu sein wollte Marcus immer nur eines: zu den Baltimores gehören. Da mir der Fall Harry Quebert in weiten Teilen sehr gut gefallen hat, war ich natürlich auch neugierig auf den zweiten Roman Dickers, der mir eine Art Familiensaga in Aussicht gestellt hat. Nicht gerade mein Genre, dachte ich, aber besonders in den letzten Jahren hab ich meine Genre-Starrheit ein bisschen aufgeweicht. Klingt die Geschichte interessant, interessiert mich die Schublade nicht primär, in die das Buch gesteckt wurde. Und in diesem Fall bin ich darüber sehr froh. Dicker lässt Marcus von seiner eigenen Kindheit erzählen, aber auch davon, wie sein Onkel und seine Tante sich kennen gelernt haben, wie sie Hillel bekommen haben und wie Woody, der Dritte im Bunde, dazu stieß. Torben Kessler, der mir schon vom Harry Quebert Hörbuch positiv in Erinnerung geblieben ist, hat auch diese Geschichte ganz wunderbar gelesen. Sie ist in zwei Stränge aufgeteilt, einmal die Vergangenheit, die sich jenem Ereignis annähert, das Marcus und seine Familie nur „die Katastrophe“ nennen, und zum anderen die Gegenwart, in der Marcus den Versuch unternimmt, sich Alexandra wieder anzunähern und herauszufinden, ob er das überhaupt wirklich will. Bei jeder Gelegenheit habe ich ein bisschen mehr über die Baltimores gehört und gedacht, dass es eine ganz angenehme Story ist, aber nichts Besonderes. Wie sehr ich wirklich unter dem Zauber der Goldman-Gang stand habe ich erst gemerkt, als sich ein fürchterlicher Verrat abgezeichnet hat und ich das Hörbuch für geschlagene drei Tage pausieren musste, weil ich diese Wendung einfach nicht ertragen habe. Ich war selbst überrascht, wie viele Emotionen da plötzlich für mich drin steckten, über die ich mir vorher gar nicht im Klaren war. Joël Dicker hat mich mit seinem Schreibstil ganz unbewusst eingewickelt, wie die Spinne eine Fliege in ihrem Netz, bis ich nicht mehr aus der Sache raus konnte. Und ab da gab es praktisch kein Halten mehr – das letzte Drittel habe ich quasi in mich aufgesogen, einschließlich aller Höhen und Tiefen und Tränchen. Vielerorts habe ich gehört, dass die Handlung für einige zu konstruiert, die Dialoge zu ungelenk und alles insgesamt zu unrealistisch gewesen sei. Für mich persönlich hat aber alles ineinander gegriffen, auch wenn ich verstehen kann, dass diese oder jene Wendung Fragen aufwirft. Ich vermisse die Goldman-Gang immer noch. „Die Geschichte der Baltimores“ ist ein Buch, das mich auch nach Wochen noch mit viel Liebe und Zuneigung für die Figuren erfüllt. Wo Harry Quebert Abzüge in der B-Note bekommen hat, weil mir der Plottwist zu schräg war, kann ich bei den Baltimores nur die volle Punktzahl vergeben. Unbedingt lesen!

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