Virginia Woolf, Ein Zimmer für sich allein. Schmuckausgabe mit Goldprägung
By Virginia Woolf, Christel Kröning
Der große feministische Klassiker in edler Schmuckausstattung mit Goldprägung. Um schöpferisch tätig sein zu können, braucht es Freiraum zur Entfaltung, Spielraum für Gedanken und ganz simpel einen Rückzugsraum: ein Zimmer für sich allein. Außerdem Geld. Jahrhundertelang hatten Frauen nichts von alldem. Aus dieser Feststellung entwickelt Virginia Woolf in den 1920er-Jahren bahnbrechende Gedanken zur Poetik wie zum Geschlechterverhältnis. In ihrem berühmten Essay ergründet sie die Voraussetzungen weiblichen Schreibens und wirft ästhetische wie politische Fragen auf, die bis heute nichts an Aktualität eingebüßt haben.»Eine Kampfschrift - und zwar eine der elegantesten, die es bis heute gibt« Bayerischer Rundfunk»Die Frauenfrage ist eine Frage des Raums« Leïla SlimaniDer berühmteste feministische Essay - jetzt als veredelte SchmuckausgabeAusstattung: Surbalin Linea mit Goldprägung
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Virginia Woolf, Ein Zimmer für sich allein. Schmuckausgabe mit Goldprägung
By Virginia Woolf, Christel Kröning
Der große feministische Klassiker in edler Schmuckausstattung mit Goldprägung. Um schöpferisch tätig sein zu können, braucht es Freiraum zur Entfaltung, Spielraum für Gedanken und ganz simpel einen Rückzugsraum: ein Zimmer für sich allein. Außerdem Geld. Jahrhundertelang hatten Frauen nichts von alldem. Aus dieser Feststellung entwickelt Virginia Woolf in den 1920er-Jahren bahnbrechende Gedanken zur Poetik wie zum Geschlechterverhältnis. In ihrem berühmten Essay ergründet sie die Voraussetzungen weiblichen Schreibens und wirft ästhetische wie politische Fragen auf, die bis heute nichts an Aktualität eingebüßt haben.»Eine Kampfschrift - und zwar eine der elegantesten, die es bis heute gibt« Bayerischer Rundfunk»Die Frauenfrage ist eine Frage des Raums« Leïla SlimaniDer berühmteste feministische Essay - jetzt als veredelte SchmuckausgabeAusstattung: Surbalin Linea mit Goldprägung
Popular Reviews(1)
Es sollte nicht über die Fähigkeiten der Frau diskutiert werden, sondern über ihre Möglichkeiten. Woolf spricht über Bildung und Privilegien: Während Männer Entdeckungen machten und schreiben konnten, mussten Frauen den Großteil der Sorgearbeit übernehmen, konnten ihnen dies überhaupt ermöglichen: „Doch für Frauen, so dachte ich mit neuerlichem Blick auf die Leere im Regal, waren die Schwierigkeiten noch ungleich gewaltiger. Allein schon ein Raum für sich war für die Frau, ganz zu schweigen von einem stillen oder gar schalldichten Raum, selbst noch zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nur dann denkbar, wenn ihre Eltern sehr reich oder sehr adelig waren. Da ihr Nadelgeld, das von des Vaters Gunst abhing, nur für ihre Kleidung ausreichte, war sie selbst von jenen Linderungen ausgeschlossen, die sogar einem armen Manne wie Keats, Tennyson oder Carlyle zukamen. Von der Wanderschaft, einer kleinen Reise nach Frankreich, von der separaten Unterkunft, die, selbst wenn sie noch so elend war, einen von familiärer Beanspruchung und Tyrannei abschirmte. Derlei materielle Schwierigkeiten waren gewaltig. Doch die immateriellen waren noch ärger. Statt Gleichgültigkeit der Welt, welche Keats, Flaubert und andere geniale Männer so schwer ertragen konnten, erwartete die Frauen Feindseligkeit der Welt. Sie sagte zu ihnen nicht, wie zu den Männern: Schreib, wenn du willst, ist mir egal. Sondern sie lachte wiehernd und fragte: Schreiben? Du? Wofür soll das gut sein? Hier mögen die Psychologinnen am Newnham oder Girton uns zu Hilfe kommen, so dachte ich, und wieder wanderte mein Blick zum Regal. Denn zweifellos ist es an der Zeit, die Auswirkung von Entmutigung auf den kunstschaffenden Geist zu messen, so wie in einer Molkerei die Auswirkung von herkömmlicher Milch und Milch der Güteklasse A auf Ratten gemessen wurde.“ (74) Tatsächlich sind sämtliche dieser Frauenbeziehungen, so dachte ich, indes ich rasch all die schillernden Heldinnen an mir vorbeiziehen ließ, zu stark vereinfacht. So vieles fehlt in ihnen, bleibt unversucht. Und ich wollte mich entsinnen, ob mir aus meiner Lektüreerfahrung nicht doch zumindest ein Fall von Frauenfreundschaft bekannt war. (…) Welch seltsamer Gedanke, dass all die großen Frauen in der Literatur vor der Zeit Jane Austens nicht bloß nur durch die Augen des anderen Geschlechts, sondern auch nur in Beziehung zu ihm gesehen worden waren. Denn wie klein ist dieser Anteil im gesamten Leben einer Frau? Und wie wenig kann ein Mann selbst darüber nur wissen, wenn er es durch die rosa oder schwarz gefärbte Brille betrachtet, die seine Geschlechtszugehörigkeit ihm aufsetzt? Vielleicht rührt daher das sonderbare Wesen der Frauen in der Literatur, ihr extremes Schwanken zwischen Schönheit und Schrecken, ihre bald engelsgleiche Tugend, bald dämonische Verderbtheit - denn so würde ein Geliebter sie sehen, je nachdem, ob seine Liebe wüchse oder schwände, gedieh oder litt. Für die Romane des neunzehnten Jahrhunderts stimmt das natürlich nur begrenzt. In ihnen gerät die Frau um einiges vielfältiger und komplexer. Tatsächlich hat vielleicht teils sogar der Wunsch danach, über Frauen zu schreiben, Männer vermehrt ihr klassisches, und klassischerweise gewalttätiges Drama aufgeben und in Form des Romans eine für Frauen passendere Umgebung schaffen lassen. Dennoch ist das Wissen des Mannes, sogar das eines Proust, über die Frau offensichtlich noch immer sehr eingeschränkt und lückenhaft. Gleiches gilt für das Wissen der Frau über den Mann.“ (115-116) Männer wurden unterstützt, konnten sich Namen machen und damit ging der Kreislauf des schreibenden Mannes immer weiter, Frauen wurden für „weniger bedeutend“ gehalten, weil sie in der Geschichte kaum als Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen oder Künstlerinnen auftauchten. Kinder gebären, versorgen, erziehen, Haushalt, Arbeiten, die eine Gesellschaft überhaupt funktionsfähig macht. „Wenn man jedoch weiter fragte, sie auf Jahr und Tag festlegen wollte: Aber was haben Sie am fünften April 1868 gemacht, was am zweiten November 1875? - so würde sie den Kopf wiegen und antwor-ten, dass sie sich an nichts davon entsinnen könne. Denn alle Mahlzeiten sind gekocht, alle Teller und Tassen gespült, die Kinder sind allesamt aus der Schule und in die Welt hinausgezogen. Nichts ist geblieben. Alles ist vergangen. Keine Biografie, kein Geschichtsbuch hat dafür ein Wort über. Während die Romane, ohne es zu wollen, unvermeidlich lügen.“ (125) „Und die Literatur von Männern dreht sich hauptsächlich um Männer: Denn nicht nur feiern diese Werke ausschließlich männliche Tugenden, bestärken lediglich männliche Werte und beschreiben allein die Welt der Männer, sondern die sie durchdringenden Gefühle sind für eine Frau auch einfach unverständlich. Das kommt, so erahnt man, lange vor dem Ende, das sammelt sich, das zerbirst einem gleich schon über dem Kopf.“ (142) Dabei ist Woolfs Meinung folgende: „Poesie braucht eine Mutter ebenso sehr wie einen Vater.“ (144) „Es ist tödlich, statt männlich-feminin oder weiblich-maskulin einzig und allein Mann oder Frau zu sein. Die geringste Klage, das gerechtfertigste Plädoyer, kurz, jedes bewusste Auftreten als Frau ist für die Schriftstellerin tödlich. Und das meine ich nicht metaphorisch. Denn alle derart bewusst eingefärbte Literatur ist des Todes. Sie ist steril. So brillant und einflussreich, so mächtig und formvoll endet sie einen halben oder ganzen Tag auch erscheinen mag, sie verblüht doch zwangsläufig bei Einbruch der Nacht, weil sie im Geiste anderer nicht zu gedeihen vermag. Bevor das Schöpfungswerk vollbracht werden kann, müssen Mann und Frau im Geiste zusammenwirken. Die Ehe der Gegenteile muss vollzogen werden. Wenn wir glauben sollen, dass uns die in einem Buch beschriebene Erfahrung in ihrer ganzen Fülle vermittelt wird, muss der Geist des Schreibenden sich komplett geöffnet haben. Es müssen Freiheit und Frieden herrschen. Kein Rad darf knirschen, kein Licht flackern. Die Vorhänge müssen fest zugezogen sein. Wer schreiben will, muss sich, so mein Gedankengang, nach der Erfahrung zurücklehnen und seinen Geist in Dunkelheit Hochzeit feiern lassen. Dabei darf nicht beobachtet oder hinterfragt werden.“ (146) Dabei geht es nicht darum, den Blick für alle(s) zu haben, sondern offen zu sein und Lebensrealitäten darzustellen. Frauen brauchen dafür die gleiche Freiheit wie Männer, um sich zu entfalten: „Intellektuelle Freiheit beruht auf Materiellem. Und Poesie beruht auf intellektueller Freiheit. Und Frauen waren schon immer arm, nicht bloß seit zweihundert Jahren, sondern seit Anbeginn der Zeit. Frauen hatten weniger intellektuelle Freiheit als altgriechische Sklavensöhne. Frauen hatten nicht den Hauch einer Chance, Poesie zu verfassen. Deswegen habe ich so viel Gewicht auf Geld und einen Raum für sich gelegt.“ (151) „Denn wenn wir, so meine Überzeugung, noch vielleicht ein Jahrhundert lang mit fünfhundert im Jahr für jede und einem Raum für uns leben - ich rede vom echten, vom kollektiven Leben, nicht von den kleinen separaten Varianten, die wir als Individuen führen -, und wenn wir uns Freiheit angewöhnen und den Mut haben, genau das zu schreiben, was wir denken, und wenn wir uns ein Stück weit aus unseren Familienstuben befreien, die Menschen nicht nur in Beziehung zueinander, sondern auch in Beziehung zur Realität und die Wolken, die Bäume oder was auch immer um ihrer selbst willen sehen, und wenn wir an Miltons Schreckgespenst vorbeigucken, weil keiner uns die Sicht versperren sollte, und wenn wir uns der Tatsache, denn es ist eine, stellen, dass da kein Arm ist, an dem wir uns festhalten könnten, sondern dass wir allein unterwegs sind und dass wir in Beziehung zur Realität stehen und nicht nur zur Welt der Männer und Frauen - dann wird die Möglichkeit in unserer Reichweite sein und die tote Poetin, die Shakespeares Schwester war, wird die leibliche Gestalt endlich annehmen, die sie so oft schon hat ablegen müssen. Durch die Leben der Unbekannten, die ihr vorausgingen, wird sie, wie ihr Bruder vor ihr, geboren werden. Denn dass sie ohne diese Vorbereitung erscheint - ohne unsere Anstrengung, ohne die Entschlossenheit, sie bei ihrer Wiedergeburt eine Welt vorfinden zu lassen, in der sie leben und schreiben kann -, können wir nicht erwarten, denn das wäre unmöglich. Doch ich bleibe dabei, dass sie erscheinen wird, wenn wir für sie arbeiten, und dass diese Arbeit, selbst in Armut und pechschwarzer Dunkelheit, die Mühe wert ist.“ (159-160)