Nicht im Traum wäre sein Chef darauf gekommen, dass ausgerechnet Grischa, dieser schüchterne Assistent der Plankommission, zu Subversion neigt und einen – zugegeben – ziemlich genialen Plan ausheckt, wie ihr maroder Laden an eine neue, überraschend gut sprudelnde Finanzquelle gelangt. Wobei ‚Laden‘ in diesem Fall für ein ganzes Land steht. Vielleicht lag es daran, dass Grischa einen etwas eigenwilligen Filmgeschmack hat, in dem sich amerikanische Drogenmafia-Thriller mit sozialistischen Heldenepen kreuzen? Jedenfalls: Grischas Chef kommt aus dem Staunen nicht raus, und mit ihm staunen alle möglichen greisen Minister im Zentralkomitee. Am meisten staunt allerdings kurz darauf der Polizeichef von Westberlin, als sich am Grenzübergang Invalidenstraße tumultartige Szenen abspielen, und zwar auf der falschen (!) Seite. Hunderte junge Leute wollen nach drüben, in den Osten, als wäre Magie im Spiel. Als die Regierung in Bonn Wind davon bekommt, wird die Lage brenzlig. Doch da macht der Osten dem Westen ein Angebot, das er nicht ablehnen kann!
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Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste
von Jakob Hein
Nicht im Traum wäre sein Chef darauf gekommen, dass ausgerechnet Grischa, dieser schüchterne Assistent der Plankommission, zu Subversion neigt und einen – zugegeben – ziemlich genialen Plan ausheckt, wie ihr maroder Laden an eine neue, überraschend gut sprudelnde Finanzquelle gelangt. Wobei ‚Laden‘ in diesem Fall für ein ganzes Land steht. Vielleicht lag es daran, dass Grischa einen etwas eigenwilligen Filmgeschmack hat, in dem sich amerikanische Drogenmafia-Thriller mit sozialistischen Heldenepen kreuzen? Jedenfalls: Grischas Chef kommt aus dem Staunen nicht raus, und mit ihm staunen alle möglichen greisen Minister im Zentralkomitee. Am meisten staunt allerdings kurz darauf der Polizeichef von Westberlin, als sich am Grenzübergang Invalidenstraße tumultartige Szenen abspielen, und zwar auf der falschen (!) Seite. Hunderte junge Leute wollen nach drüben, in den Osten, als wäre Magie im Spiel. Als die Regierung in Bonn Wind davon bekommt, wird die Lage brenzlig. Doch da macht der Osten dem Westen ein Angebot, das er nicht ablehnen kann!
Aktuelle Rezensionen(3)
Leider dauert es zu lange bevor es etwas Komik hervorbringt. Es ist leicht zu lesen und hat ein schönes Ende
Ostberlin, 1983, DDR. Grischa Tannberg beginnt in der staatlichen Plankommission, PlaKo. Er ist zuständig für den Handel mit Afghanistan. Sein Chef, Ralf Burg, erläutert was die Aufgabe der Abteilung ist: kunstvolles Warten, aber ohne offensichtlich zu warten. Grischa ist voller Tatendrang & beginnt sich über Land & Menschen zu erkundigen. Ein Produkt ist besonders gut für den Handel: Hanf. Was passiert wenn ein Mitarbeiter unterfordert ist? Heute nicht vorstellbar (Workaholic), in der DDR schon. Eine Idee wird geboren. Export von Medizinalhanf, Eröffnung vom Freundschaftsladen an der Grenze, die Leute stehen Schlange. Die Ministerien wissen nicht mehr was sie tun sollen & um das Ganze aufzulösen wird 1 Mrd. DM gezahlt. Kurz gesagt, beruflicher Leerlauf lohnt sich nicht. Nicht nur der Handel steht im Mittelpunkt auch andere Tauschgeschäfte werden gemacht (Maschine/Gras). Hein verbindet in dem Buch eine fiktive Story mit realen Geschehnissen. Die historischen Bezüge sind genausten recherchiert & deshalb fühlt er sich nahbar beim Lesen an. Für mich, der nicht in der DDR geboren ist, zeigt es eine neue bisher unbekannte Sicht an. Hein hat einen lustigen, abgedrehten Roman geschrieben. Hier gibt es keine Schmunzler, sondern laute Lacher. Die Charaktere sind nahbar, sehr gut geformt, aber manchmal etwas holzschnittartig. Spaß hatte Jakob Hein beim Schreiben des Romanes sicher & diesen merkt man beim Lesen alle Fälle. Es ist ein herrliches, humoristisches Buch & eine absolute Leseempfehlung für alle die mal eine etwas andere Story lesen wollen. Ein Happy End gibt es auch!
Wieder ein Buch, das richtig großartig hätte sein können. Es geht um Grischa, der in der DDR lebt und durch seine Idee, Medizinalhanf aus Afghanistan an der Grenze zu West-Berlin zu verkaufen, ein politisches Erdbeben auslöst. Soviel zur Theorie. Leider kann das Buch sich nicht entscheiden, ob es lustig-überdreht wie "Goodbye Lenin" oder eher dramatisch-politisch sein möchte. Heißt: die politischen Größen, die genannt werden, verblassen hinter der leicht trockenen Geschichte, witzig anmutende Teile kommen gezwungen rüber. Schade, aus der Idee hätte man mehr machen können!