4.1

Sie wollen uns erzählen

von Birgit Birnbacher

Format:Hardcover
2-3 Werktage nach Versand
Gratis Versand

Nach »Wovon wir leben« erzählt Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher in ihrem neuen Roman sensibel und literarisch vom Umgang mit Neurodiversität Oz ist anders und tut sich schwer in der Schule, aber diesmal ist ihm etwas wirklich Blödes passiert. Auf dem Heimweg wünscht er sich deshalb zumindest eine kleine Katastrophe, die seine Mutter von dem Brief der Lehrerin, den er ihr geben muss, ablenken würde. Als Oz nach Hause kommt, ist Ann – auch sie ausgestattet mit einem flirrenden Nervenkostüm – nicht wie vermutet in Zeugnis-Feierlaune, sondern es ist tatsächlich etwas passiert. Die Zilly-Oma, die in den Bergen lebt, ist weg … „Dezent und zugleich glasklar, durchscheinend und subtil“ (Süddeutsche Zeitung) erzählt Birgit Birnbacher auch in ihrem neuen Roman von den Menschen – und von den Chancen, die der Wildwuchs im Denken eröffnet. Haben die, die sich nicht anpassen können, unserer überreizten Natur und Umwelt womöglich tatsächlich etwas entgegenzusetzen?

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
224 SeitenHardcover
Erschienen an: March 17, 2026

Was ist bookie?

  • Gratis Lieferung in Deutschland
  • Finde Bücher die zu dir passen
  • Tracke dein Leseverhalten und setze dir Ziele
  • Connecte dich mit anderen Leser*innen

Aktuelle Rezensionen(1)

4.1(7 ratings)
BrittaRezension von Britta

„Sie wollen uns erzählen“ ist ein berührender Roman. Im Mittelpunkt steht der neunjährige Ozzy, der mit ADHS lebt und dessen letzter Schultag vor den Ferien in einem Desaster endet. Ein tragischer Unfall, bei dem der Schulhase stirbt, lastet schwer auf ihm. Mit einem Brief der Lehrerin in der Tasche kreisen seine Gedanken unaufhörlich darum, wie er seiner Mutter davon erzählen kann . Er möchte sie nicht enttäuschen. Dieses innere Ringen ist unglaublich feinfühlig und nachvollziehbar dargestellt. Besonders gelungen ist die Figurenzeichnung. Ozzy ist ein kluger Junge, der genau weiß, dass er „anders“ ist. Er bemüht sich ständig, sich so zu verhalten, dass seine Mutter sich nicht aufregt, was gleichzeitig berührt und schmerzt. Seine Schwierigkeiten im Schulalltag und seine Konzentrationsprobleme wirken dabei sehr authentisch. Auch Ann, seine Mutter, ist vielschichtig gezeichnet. Sie liebt ihren Sohn über alles, ist aber oft überfordert, schnell aufbrausend und ungeduldig. Gerade diese Mischung macht sie unglaublich menschlich und sogar sympathisch, weil man ihre Zerrissenheit zwischen Schutzinstinkt und Überforderung spürt. Birnbacher schafft es eindrucksvoll, mich direkt in die Gefühls- und Gedankenwelt von Ozzy und Ann hineinzuziehen. Die besondere, teils sprunghafte Erzählweise mit Gedankenfetzen und Abschweifungen spiegelt die Neurodivergenz wider und macht das Erleben von ADHS greifbar. Dieser Stil ist zunächst ungewohnt, passt aber natürlich zur Thematik und verleiht dem Roman auch damit eine starke Authentizität. Der Einstieg ist besonders gelungen. Es wird vor allem von Ozzys Gedankenkreisen rund um die „Beichte“ erzählt sowie Anns Bemühungen, ihn im Schulsystem zurechtkommen zu lassen, ohne dass er sich selbst verliert. Im weiteren Verlauf rücken jedoch zusätzliche Handlungsstränge in den Fokus, etwa rund um die aus dem Krankenhaus verschwundene Großmutter oder Anns Schwester Nelly. Diese Aspekte wirkten auf mich weniger packend und lenkten etwas von der zentralen Geschichte ab. Trotzdem überzeugt der Roman insgesamt. Er eröffnet einen eindrucksvollen Einblick in das Erleben von ADHS und macht nachvollziehbar, vor welchen Herausforderungen Kinder in einem stark auf Anpassung ausgerichteten Schulsystem stehen. Gleichzeitig zeigt er sensibel den Balanceakt zwischen Erwartungen gerecht werden und die eigene Identität zu bewahren.

Ähnliche Bücher

Beatrice Salvioni

Chukwuebuka Ibeh

Ayelet Gundar-Goshen

Tatjana von der Beek

Ayelet Gundar-Goshen

Alice Austen

Eva von Redecker

Kiran Millwood Hargrave

Rina Schmeller