Das Weltereignis: Salman Rushdie erzählt die Geschichte des Attentats auf ihn und schafft daraus große LiteraturIm August 2022 wird Salman Rushdie während einer Lesung auf offener Bühne mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Mehr als dreißig Jahre nachdem das iranische Regime wegen seines Romans »Die satanischen Verse« eine Fatwa gegen ihn ausgesprochen hat, holt ihn die Bedrohung ein. Salman Rushdie überlebt den Anschlag und hält seinem Angreifer das schärfste Schwert entgegen: Er verarbeitet diese unvorstellbare Tat, die die ganze Welt in Atem hielt, zu einer Geschichte über Angst, Dankbarkeit und den Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung.»Knife« ist Salman Rushdies persönlichstes Werk, dringlich und unerschütterlich ehrlich. Eine lebensbejahende Hymne an die Macht der Literatur, dem Undenkbaren einen Sinn zu geben.
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Knife
von Salman Rushdie, Bernhard Robben
Das Weltereignis: Salman Rushdie erzählt die Geschichte des Attentats auf ihn und schafft daraus große LiteraturIm August 2022 wird Salman Rushdie während einer Lesung auf offener Bühne mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Mehr als dreißig Jahre nachdem das iranische Regime wegen seines Romans »Die satanischen Verse« eine Fatwa gegen ihn ausgesprochen hat, holt ihn die Bedrohung ein. Salman Rushdie überlebt den Anschlag und hält seinem Angreifer das schärfste Schwert entgegen: Er verarbeitet diese unvorstellbare Tat, die die ganze Welt in Atem hielt, zu einer Geschichte über Angst, Dankbarkeit und den Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung.»Knife« ist Salman Rushdies persönlichstes Werk, dringlich und unerschütterlich ehrlich. Eine lebensbejahende Hymne an die Macht der Literatur, dem Undenkbaren einen Sinn zu geben.
Aktuelle Rezensionen(8)
𝗗𝗜𝗗 𝗡𝗢𝗧 𝗙𝗜𝗡𝗜𝗦𝗛: 𝟭𝟱 % Ich habe 𝘒𝘯𝘪𝘧𝘦 bereits nach dem ersten Kapitel abgebrochen, weil ich mich zunehmend durch das Buch gequält habe. Das schreckliche Attentat selbst und das, was Rushdie erlebt hat, möchte ich dabei ausdrücklich von meiner Bewertung seiner Erzählweise trennen. Was mich so schnell abgestoßen hat, ist vor allem die Art, wie er sich selbst darstellt. Vieles wirkt auf mich unnötig intellektualisiert und ausgeschmückt – als müssten selbst beiläufige Gedanken noch möglichst geistreich oder bedeutungsschwer erscheinen. Dadurch hatte ich häufig nicht das Gefühl, einen unmittelbaren Einblick in seine Gedanken und Gefühle zu bekommen, sondern eher dabei zuzusehen, wie er sich selbst als besonders gebildete und interessante Figur inszeniert. Manche Bemerkungen wirkten auf mich zudem eitel oder schlicht unnötig. Wenn er beispielsweise unmittelbar nach dem Messerangriff darüber nachdenkt, dass sein Ralph-Lauren-Anzug aufgeschnitten werden könnte, kann ich den absurden Gedanken an etwas Materielles in einer solchen Extremsituation durchaus nachvollziehen. Die konkrete Hervorhebung der Marke ließ es auf mich jedoch eher eitel als menschlich wirken. Auch manche seiner frühen Überlegungen haben bei mir Irritation ausgelöst, etwa seine Spekulation darüber, ob das Messer aus der Küche der Mutter des Täters stammen könnte. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum diese Überlegung überhaupt so viel Raum bekommt, und die Verbindung von Küche und Mutter hat bei mir einen unangenehmen Beigeschmack hinterlassen. Irritiert hat mich außerdem die Art, wie die Ereignisse vor dem Attentat erzählt werden. Es gibt tatsächlich dokumentierte Vorzeichen, unter anderem einen Traum, in dem Rushdie kurz vor dem Anschlag von einem Mann mit einem Speer angegriffen wurde. Trotzdem hatte ich beim Lesen stellenweise den Eindruck, dass das Geschehen im Rückblick beinahe wie ein Filmdrama mit sorgfältig gesetzten Vorahnungen erzählt wird. Nach einem Kapitel kann ich natürlich nicht beurteilen, wie viel davon später noch eingeordnet wird. Von dem Buch hatte ich eigentlich erwartet, mehr über die emotionalen und persönlichen Folgen des Anschlags zu erfahren: über Angst, Verletzlichkeit, Verarbeitung, seine Beziehungen und darüber, wie sich sein Leben danach verändert. Stattdessen hatte ich bisher eher den Eindruck, dass das Ereignis immer wieder zum Anlass für intellektuelle und selbstbezogene Betrachtungen genommen wird. Vielleicht ist das auch eine Form, mit einem traumatischen Erlebnis umzugehen – aber als Leserin erreicht mich diese Distanz nicht. Auch seine Darstellung des Täters hat bei mir einen ambivalenten Eindruck hinterlassen. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Rushdie diesen Menschen hasst und ihm nach einem solchen Angriff keine Sympathie entgegenbringt. Gleichzeitig schreibt er ihm an einer Stelle Freude am Zustechen zu. Gerade weil er selbst versucht herauszufinden, warum der Täter das getan hat, finde ich es schwierig, ihm einen inneren Zustand wie Freude zuzuschreiben, den er letztlich nicht sicher kennen kann. Einen Täter als Menschen zu betrachten bedeutet schließlich nicht, seine Tat zu entschuldigen. Im Gegenteil: Wenn man verstehen möchte, wie ein Mensch zu einer solchen Tat gelangt, muss man sich auch mit seiner Menschlichkeit, seiner Biografie und seinen Motiven auseinandersetzen. Hinzu kommt, dass ich erst durch das Buch erfahren habe, wie massiv Rushdie bereits vor dem Attentat bedroht worden war und dass er wegen der Fatwa zeitweise untertauchen musste. Das hat meine ursprüngliche Haltung ihm gegenüber durchaus beeinflusst. Ich hatte zunächst angenommen, sein Einsatz für die Sicherheit von Schriftsteller:innen sei vor allem aus einem solidarischen Impuls heraus entstanden. Wenn er davon gleichzeitig persönlich und finanziell profitiert, hinterlässt das bei mir einen bitteren Beigeschmack – auch wenn das allein natürlich nichts über seine tatsächlichen Motive aussagt. Vielleicht entwickelt sich das im weiteren Verlauf noch anders – das kann ich nach einem Kapitel nicht beurteilen. Ich hatte aber bereits zu diesem Zeitpunkt so wenig Zugang zu Rushdies Stimme, dass ich keine Motivation mehr hatte, mich weiter durch das Buch zu kämpfen. Für mich ist das deshalb ein Abbruch.
das name dropping ist ein bisschen aus dem ruder gelaufen, dennoch wahnsinnig rührend, erschreckend + wortgewaltig
In dieser Erzählung von Salman Rushdie nimmt er uns mit durch die vergangenen zwei Jahre. Von dem Attentat der im August 2022 durch einen 24-jährigen Mann auf ihn verübt wurde, über seine Genesung und letztlich seiner Wiedereingliederung in das “normale” Leben. Rushdie schafft es hierbei ein sehr intimes Werk zu schaffen. Man bekommt einen detaillierten Bericht über all das was passiert, jedoch auch die persönlichen Erfahrungen und Gedanken die in solch drastischen Momenten in einem vorgehen. Dabei wird vor allem über drei Dinge philosophiert. Das Leben, die Kunst und Religion. Während sich manche Passagen immer wieder hinziehen, schafft er es dafür alle 30-40 Seiten einen Zweizeiler zu schreiben den man sich am liebsten direkt auf den Unterarm tätowieren würde. Insbesondere das Abschlusszitat des Buches hat eine unglaubliche Wirkung auf mich gehabt (dafür müsst ihr das Buch jedoch selbst lesen). Für mich persönlich war es das erste Buch von ihm und ich glaube, umso vertrauter man mit seiner Arbeit ist desto besser wird dieses Buch noch werden. Mit einer oder zwei Überarbeitungsrunden, in denen man das Buch noch etwas kompakter gemacht hätte, würden wir hier von einem fünf Sterne Buch reden. So wirkt es jedoch etwas so, als wollte man es unbedingt schaffen nicht weniger als 200 Seiten zu schreiben. Insgesamt sprechen wir jedoch von einer großartigen Reflexion, welche einen immer wieder zum Nachdenken anregt.
Die Geschichte ist so schrecklich und trotzdem schafft es Salman Rushdie eine Leichtigkeit und Spaß einzubringen. Wenn autobiografisch schon so gut ist, freu ich mich auf alles fiktive von ihm
Der Beginn rund um die Schilderungen des Attentats ist nichts für schwache Nerven und auch der Genesungsweg von Salman Rushdie ging mir oft durch Mark und Bein. Besonders beeindruckt hat mich aber, wie klar und inspirierend er dabei das große Thema Religion oder den politischen Rechtsruck überall auf der Welt aufdröselt und sehr vielschichtig abhandelt. Insbesondere ein langer, fiktiver Dialog mit dem Attentäter bleibt mir dabei hängen. Insgesamt hat Rushdie ein unheimlich lebensbejahendes Buch geschrieben, das trotz mancher Längen sehr inspirierend und daher absolut lesenswert ist.