3.8

Erinnerung Eines Mädchens

von Annie Ernaux

Format:Hardcover

Sommer 1958: Annie Duchesne wird 18 Jahre alt. Sie arbeitet als Betreuerin in einer Ferienkolonie. Sie findet in eine Clique, zusammen feiern sie Feten, genießen ihre Jugend. Und Annie ist in H. verliebt, mit ihm hat sie ihr erstes Mal. Eine Nacht, die einen anhaltenden Schock bedeutet. Denn H. ignoriert sie fortan, sie weiß nicht, wohin mit sich und lässt sich auf andere ein. Schnell ist sie verfemt. Was folgt, sind Ausgrenzung, der Hohn der anderen, ihre eigene Scham.Und Schweigen. Denn über 55 Jahre braucht Annie Ernaux, um sich dieser »Erinnerung der Scham« stellen zu können – anhand von Fotografien und Briefen schreibt sie von einer Zeit, die sich in ihren Körper gebrannt hat. Die ihre Moral, ihre Sexualität, ihr ganzes langes Leben geprägt und bestimmt hat.Mit schonungsloser Genauigkeit erzählt Annie Ernaux von ihrer ersten sexuellen Begegnung – von Macht, Ohnmacht und Unterwerfung. Von einer Wunde, die niemals ausgeheilt ist. Und vom teuer bezahlten Erkennen des eigenen Werts.

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
168 SeitenHardcover
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Aktuelle Rezensionen(5)

3.8(55 ratings)
Florentine HerrmannRezension von Florentine Herrmann

nachvollziehbar und berührend

LeonieRezension von Leonie

„Die Sinnlosigkeit des Erlebten in dem Moment, in dem man es erlebt, vervielfacht die Möglichkeiten des Schreibens. Schon verblasst die Erinnerung an das, was ich geschrieben habe. Ich weiß nicht, was dieser Text ist. Selbst das, was ich mit dem Schreiben des Buchs bezweckte, hat sich aufgelöst. In meinen Notizen habe ich eine Art Absichtserklärung gefunden: Den Abgrund erkunden zwischen der ungeheuren Wirklichkeit eines Geschehens in dem Moment, in dem es geschieht, und der merkwürdigen Unwirklichkeit, die dieses Geschehen Jahre später annimmt.“ S. 164 Ich wünschte, ich könnte Schreiben wie sie. Ich bin begeistert, wie sie ihre Erinnerungen schreibt und Reflektiert. Auch wenn wir unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, konnte ich mich in vielen der beschriebenen Gefühlen wiederfinden. Hat mir wirklich sehr gut gefallen und passt (für mich überraschend, da nicht geplant) erstaunlich gut zu Camus und Beauvoir, die ich zuletzt gelesen habe/lese.

EliRezension von Eli

finde es immer sehr schwer, persönliche geschichten zu bewerten, deshalb nur so viel: ich habs wirklich gern gelesen, war berührt, wütend, traurig. teilweise ist es aber auch kaum auszuhalten, wie die junge annie nicht versteht, was passiert. ernaux hat so gute worte für die scham gefunden, die annie empfindet und wie sie damit umgeht. auch ihre reflexionen über das schreiben der eigenen geschichte haben mir gefallen, über die dekonstruktion des mädchens, den prozess des schreibens.

CharRezension von Char

Erschütternd und grandios. Ich freue mich, das Theaterstück dazu diese Woche zu sehen! Mein 1. Ernaux Buch und es wird nicht das letzte sein.

JuliaRezension von Julia

Wieder gelingt es Annie Erneaux in ihre eigene Vergangenheit wie in einen Roman zu schauen und ihr früheres ich aus seinem Marmorblock herauszumeißeln, bis es uns lebensecht vor Augen steht. Anders als in die „Jahre“ werden hier die großen Weltereignisse nicht in das Leben der Annie verwoben, doch bilden Chansons und Romane eine intime Kulisse für diesen Moment eines Frauenlebens. Einen Moment der Scham, der Lust, der Unsicherheit. Wir lesen über ein Mädchen, das nicht dazugehört und damit struggelt. Bewusst und unbewusst. Sich verlieren, um sich wiederzufinden. In diesem Buch haben sich auch meine Erinnerungen an ein Mädchen, das ich mal gewesen bin, sehr zuhause gefühlt.

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