Der Wal und das Ende der Welt« [...] liest sich aber wie ein aktueller Kommentar zur Corona-Krise. Und, das ist das Schöne: wie ein Kommentar, der gut tut und motiviert.
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Der Wal und das Ende der Welt
von Maria Poets, Tobias Schnettler, John Ironmonger
Der Wal und das Ende der Welt« [...] liest sich aber wie ein aktueller Kommentar zur Corona-Krise. Und, das ist das Schöne: wie ein Kommentar, der gut tut und motiviert.
Aktuelle Rezensionen(3)
Alles hängt zusammen – ein Roman, der Hoffnung schenkt Der Wal und das Ende der Welt von John Ironmonger ist ein Roman, der leise beginnt und lange nachhallt. Er verbindet philosophische Tiefe mit psychologischem Feingefühl und schafft es dabei, menschliches Verhalten kritisch zu beleuchten, ohne belehrend zu wirken. Statt theoretischer Abhandlungen entfaltet sich eine berührende, spannungsreiche Geschichte, die den Leser sanft, aber bestimmt zum Nachdenken einlädt. Gemeinsam mit Joe verschlägt es uns in das kleine Fischerdorf St. Piran in Cornwall – ein Ort, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, sich aber schnell als Mikrokosmos menschlicher Eigenheiten entpuppt. Die Dorfbewohner sind schrullig, teilweise skurril, vor allem aber lebendig und voller Wärme. Ironmonger zeichnet sie mit großer Empathie: Man beobachtet sie nicht aus der Distanz, sondern wächst mit ihnen zusammen. Gerade diese Nähe macht einen großen Reiz des Romans aus. Inhaltlich bewegt sich das Buch auf apokalyptischem Terrain, doch der Tonfall ist bemerkenswert optimistisch. Anstatt Angst oder Resignation zu schüren, entfaltet sich eine stille Hoffnung, die sich aus Gemeinschaft, Mitgefühl und dem Bewusstsein für Zusammenhänge speist. Der Autor analysiert menschliches Verhalten mit feinem Humor und klarem Blick, lässt Raum für Widersprüche und vermeidet einfache Antworten. Dadurch fühlt sich die Lektüre meist fließend und zutiefst menschlich an. Meine persönliche Geschichte mit diesem Buch verstärkt diese Wirkung. 2019 habe ich es in einer Buchhandlung gekauft – ursprünglich nur wegen des Covers. Danach lag es lange ungelesen da, bis ich es während des Lockdowns aufschlug. Rückblickend war das der perfekte Zeitpunkt: In einer Phase der Unsicherheit bot der Roman Trost, Hoffnung und ein Gefühl von Verbundenheit. Beim erneuten Lesen im Jahr 2025 veränderte sich die Rolle des Buches. Es war kein bloßer Begleiter mehr, sondern eine Reflektion – über Gesellschaft und über Verantwortung. Warum also „nur“ vier von fünf Punkten? So sehr die philosophische Tiefe und die optimistische Grundhaltung überzeugen, neigt der Roman stellenweise zu einer gewissen Langatmigkeit. Einige der vom Autor herangezogenen Vergleiche und gedanklichen Exkurse wirken etwas schwerfällig und bremsen gelegentlich den Erzählfluss. Diese Passagen mindern zwar nicht die inhaltliche Qualität, verlangen aber Geduld und Aufmerksamkeit. Besonders eindrücklich bleibt dennoch die zentrale Erkenntnis, die Ironmonger behutsam entfaltet: Alles hängt zusammen, nichts existiert für sich allein. Der Wal und das Ende der Welt lässt einen hoffnungsvoll zurück – mit dem Gefühl, dass selbst angesichts großer Bedrohungen Menschlichkeit, Solidarität und Nachdenken einen Unterschied machen können. Ein sehr starker Roman, der nicht perfekt ist, aber mit jeder erneuten Lektüre an Tiefe gewinnt.
4,5⭐️ Basierend auf einem Algorithmus sagt ein Banker den Kollaps der Zivilisation voraus. Dieser wird getrieben von Ölknappheit auf der einen, einer Grippe-Epidemie auf der anderen Seite. Das Resultat: Essensknappheit, Stromausfall, Isolation. Der Banker flieht aus London in ein kleines Hafendörfchen, wo er nicht nur einen Wal, sondern die ganze Bevölkerung von 307 Leuten von St. Piran vor dem Kollaps bewahren will. Das Buch ist gut geschrieben und hat mich von Seite 1 an begeistert, vor allem durch die Personenkonstellationen und die Atmosphäre, die in St. Piran herrscht. Es war sehr passend, dieses Buch nach „Blackout“ zu lesen, denn beide schauen auf einen Kollaps und eine große Krise und beleuchten die Reaktion bestehender Systeme. Dieses Buch vernachlässigt die politische, administrative Ebene (die vor allem in Blackout im Zentrum stand) und nimmt die menschliche Natur in den Fokus. Es stellt die große Frage „Wie verhalten wir Menschen uns im Angesicht der Katastrophe und Krise zueinander?“ Die Eingangshypothese des Buchs - die es zu bestätigen gilt- basiert auf dem pessimistischen Menschenbild, das der Staatsphilosoph und Mathematiker Thomas Hobbes in seinem Werk „Leviathan“ geprägt hat: Homo homini lupos, der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Unsere Natur sei, ohne Regulierung durch einen staatlichen Gesellschaftsvertrag, düster, egoistisch, brutal und wild. Das heißt im Angesicht der Krise, wenn bestehende Strukturen brechen, wenden wir uns dieser Natur wieder zu. Auch Hobbes war in meinem Politikstudium ein Grundpfeiler der ersten Semester und mir hat diese Anwendung seiner Theorie sehr gut gefallen. Ihr müsst selbst herausfinden, ob die Hypothese in St. Piran Bestand hat. Tatsächlich verhalten die Menschen sich jedoch anders als in Blackout, soviel sei gesagt, und ich fand dieses Gedankenspiel sehr interessant und habe mit meinem Partner viel dazu gesprochen. Ja, was ist die Natur des Menschen? Was haben wir z.B. während Corona erlebt? Wie würden wir uns verhalten? Dieses Buch ist ein Buch über die Menschlichkeit und es hat mich sehr berührt und mir gut getan. Gleichzeitig ist es einfach Wahnsinn, welche Voraussicht Ironmonger hat. In seinem Buch kann eine Maschine natürliche Sprache verstehen und auswerten. Die Maschine hat einen Namen und wird vermenschlicht. Es bricht eine globale Pandemie aus. Das Buch wurde 2015 geschrieben, lange vor ChatGPT oder bevor Natural Language Processing breit genutzt wurde, lange bevor Corona uns erreichte. Ich bin immer begeistert, wenn Autor:innen einen solchen Zeitgeist zeigen und scheinbar die Dinge bereits erspüren, die für die Zukunft in der Luft liegen. Am Ende war mir das Buch einen Ticken zu pathetisch und unser Banker mir zu melodramatisch, aber das waren zum Glück nur die letzten ca. 20 Seiten. Sonst einfach ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt und den Glauben an die Menschlichkeit zelebriert.
Die Geschichte fängt ganz interessant an, wird dann Unglaubwürdig und flacht letztendlich ab. Trotzdem ganz gut zu lesen und unterhaltsam.