Julia R. Kelly ist Schriftstellerin, Englischlehrerin und Mutter von fünf Kindern. Sie lebt in Herefordshire und schätzt, seit sie im Rollstuhl sitzt, die Reisen, auf die uns das geschriebene Wort führen kann, noch mehr. Ihr Debütroman Das »Geschenk des Meeres« war auf der Longlist für den Mslexia Novel Prize, den Exeter Novel Prize, PenguinWriteNow und den Bath Novel Award, wurde mit dem Blue Pencil First Novel Award ausgezeichnet und in zehn Sprachen übersetzt.
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Das Geschenk des Meeres
von Julia R. Kelly, Claudia Feldmann
Julia R. Kelly ist Schriftstellerin, Englischlehrerin und Mutter von fünf Kindern. Sie lebt in Herefordshire und schätzt, seit sie im Rollstuhl sitzt, die Reisen, auf die uns das geschriebene Wort führen kann, noch mehr. Ihr Debütroman Das »Geschenk des Meeres« war auf der Longlist für den Mslexia Novel Prize, den Exeter Novel Prize, PenguinWriteNow und den Bath Novel Award, wurde mit dem Blue Pencil First Novel Award ausgezeichnet und in zehn Sprachen übersetzt.
Aktuelle Rezensionen(7)
Das (fast) perfekte Buch... Worum geht's? Eines Tages um das Jahr 1900 wird ein kleiner Junge während eines starken Sturms an das schottische Küstendorf Skerry gespült. Der Junge ist extrem verstört und spricht kein Wort. Schnell wirft sein Überleben Fragen auf: Wie konnte der Junge diesen Sturm überleben? Und warum sieht er Dorothys verschollenem Sohn zum Verwechseln ähnlich? Was als emotionaler Roman über einen kleinen Jungen beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einem Kleinstadtdrama. Im Mittelpunkt steht primär nicht nur das Schicksal des mysteriösen Jungen, sondern auch Dorothy und ihr Verhältnis zu den anderen Dorfbewohnern. Dabei wird ein zweiter Zeitstrang eingeführt, der ihren Umzug nach Skerry und ihre Beziehung zu verschiedenen Männern (und Dorfbewohnern) thematisiert. Später wird dann der Fokus besonders auf Dorothys Sohn Moses und sein Verschwinden gelegt. Mit dem Auftauchen des Jungen und der Frage „Kann das Dorothys Junge sein? Das ist doch unmöglich.“ kommen Schmerz und Gefühle wie Schuld, Reue und Sehnsucht wieder in Dorothy auf. Immer wieder prägen diese intensiven emotionalen Szenen die Handlung, die mich stark mitgenommen haben. Was mir auch richtig gut gefallen hat, ist die Struktur des Romans. Dem Leser werden viele Informationen vorenthalten, die nach und nach geschickt in die Handlung eingegliedert werden und oftmals für einen Cliffhanger am Ende des Kapitels sorgen – dadurch entsteht nicht nur ein Drama, sondern zugleich ein spannender Roman mit Thrillerelementen. Das Einzige, was man kritisieren könnte (mich persönlich stört es nicht), ist das etwas kitschige Ende. 5/5⭐️
Das Buch handelt von Dorothy, die in einem kleinen Dorf landet und dort Lehrerin wird. Sie ist sehr verschlossen, was die Dorfbewohner als Überheblichkeit interpretieren, so dass sie kaum Anschluss findet, obwohl sie sich engagiert. Lediglich zu Joseph verbindet sie mehr als nur Freundschaft, aber hier kommen einige Intrigen dazu, dass sie nicht zueinander finden können. Dann taucht plötzlich ein Kind am Strand auf, das sie an ihren Sohn erinnert. Sehr gefühlvoll geschrieben.
Eine archaische Dorfgemeinschaft in einem kleinen Ort an der schottischen Küste, ein tragisches Ereignis einige Jahre zurück und zwei Menschen, die sich in ihren Unzulänglichkeiten verlieren. Und nun wird in einer düsteren Sturmnacht ein Kind am Strand angespült…ein schier unglaublicher Zufall, der mühsam errichtete Schutzwälle einzureißen droht und alte Verwundungen wieder aufreißt. Geschickt verwebt die Autorin die unterschiedlichen Zeitstufen zu einem dichten, atmosphärisch aufgeladenen und bis zum Schluss spannungsreichen
Was für ein wunderschönes Buch eröffnet sich hier dem geneigten Leser. Man kann es gar nicht mehr weglegen.
Eine unglaublich gut konstruierte Geschichte mit geschickter Spannung und viel Menschlichkeit Mit historischen Romanen habe ich aufgrund ihrer logischerweise älteren Sprache oft meine Probleme. Julia R. Kelly ist mit ihrem Debüt aber ein echtes Highlight gelungen, in dem sie die damalige Zeit authentisch abbildet, das Werk aber sprachlich sehr greifbar belässt. Außerdem ist die Bildsprache des Romans eine, die ihresgleichen sucht. Ganz zentral für diesen Meeresroman ist seine Stimmung. Gefühlt spielt sich alles im eisigen, chaotischen Winter ab, sodass die Atmosphäre ebenso bedrohlich wie dicht ist. Bemerkenswert fand ich außerdem die Figurenzeichnung: einerseits für die damalige Zeit auf frustrierende Art authentisch (Aus heutiger Sicht sind so einige Handlungen der Frauen wirklich zum Haare raufen!), andererseits mit ganz viel Liebe und Tiefgang. Selbst die kleinste Nebenfigur erhält Vielschichtigkeit, was es den Lesenden unmöglich macht, klare Urteile zu fällen. Besonders gut gelungen ist meiner Meinung nach die tragende Hauptfigur. Dorothy ist phasenweise eine etwas unzuverlässige Erzählerin (womit ich üblicherweise meine Probleme habe), doch das wird am Ende sehr einfühlsam und glaubwürdig aufgelöst. Ich war durchgängig absolut bei ihr und habe ihr jede Erzählung geglaubt - damit war ich dann manchmal auch ebenso überrascht wie sie selbst. Die Entwicklung der Figur ist makellos, während trotzdem auch nicht alles auserzählt wird. Sie wird keine moralisch perfekte Protagonistin, sondern eine Figur mit Schmerz und Freude gleichermaßen. Sie überwindet durch einen neuen Schmerz einen noch viel größeren und das war schlicht beeindruckend geschrieben. Ich habe sie unglaublich gern begleitet. Der Verbund der Dorfgemeinschaft ist in seiner Dynamik außerdem äußerst reizvoll. Dank geschickter Rückblenden baut die Autorin nicht nur eine Spannung auf, die für einen tollen Lesesog sorgt, sondern entwickelt auch das glaubwürdige Bild einer solchen Gemeinschaft. Dabei sind die grundlegenden Aussagen des Romans absolut zeitgemäß: Wenig ist so, wie es scheint und wir sollten miteinander ins Gespräch kommen, statt uns auf unserem ersten Urteil über andere auszuruhen. Die Autorin schafft es, auch mit wenigen Worten viel zu sagen. Immer wieder webt sie geschickt kleine Details ein, die in ihrer Tragweite für die Figuren enorm sind. Es macht richtig Spaß, gerade auch im Austausch mit anderen, diese Suche nach Handlungssegmenten zu starten. Ich bin völlig geflasht von der Vielzahl der Themen, die die Autorin dadurch in diese zu Beginn einfach erscheinende Geschichte einbaut. Eine klare Empfehlung für dieses Buch, das in irgendeiner Form ein Familienroman ist, wenn auch nicht auf die typische Weise. Fans von vielschichtigen Figuren und einer melancholischen Bildsprache werden hier sicher auf ihre Kosten kommen. Die Handlung driftet bei allem Drama nie ins Überladene ab und sorgte bei mir gerade zum Ende hin für einen echten Kloß im Hals.