»Yandé Secks Debütroman ›Weiße Wolken‹ ergründet souverän die Identitätssucher zweier erwachsener Schwestern mit migrantischem Hintergrund, ohne dabei die ambivalente, woke deutsche Gegenwart aus dem Blick zu verlieren.«
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Weiße Wolken
von Yandé Seck
»Yandé Secks Debütroman ›Weiße Wolken‹ ergründet souverän die Identitätssucher zweier erwachsener Schwestern mit migrantischem Hintergrund, ohne dabei die ambivalente, woke deutsche Gegenwart aus dem Blick zu verlieren.«
Aktuelle Rezensionen(4)
Es war nett, schön dabei zu sein. Einen Pluspunkt gab es dafür, dass es in Offenbach spielt. Ich fand es war nicht genug auf den Punkt gebracht, die Rassimus Diskussionen waren wichtig und richtig aber teilweise zu diffus. In dem Genre/Thema gibt es andere Bücher die das besser verpacken
Weiße Wolken von Yandé Seck erzählt von zwei Schwarzen Schwestern in Frankfurt und ihren Lebensentwürfen. Zazie hat gerade ihren Master abgeschlossen, arbeitet in einem Jugendzentrum und beschäftigt sich auch in ihrem Privatleben mit den systemischen Strukturen von Rassismus und Sexismus. Ihre Schwester Dieo ist Psychologin und lebt mit ihrem weißen Mann und ihren drei Söhnen im schicken Frankfurter Nordend. Die beiden Schwestern sind nicht immer einer Meinung und können ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten zum Teil nicht vollkommen nachvollziehen. In dem Roman wird außerdem die Perspektive von Simon berücksichtigt, ein weißer mittelalter Mann, der in der Techbranche tätig ist, und mit Dieo verheiratet ist. Vor diesem Hintergrund gelingt es Yandé Seck auf interessante Weise, den Leser:innen näherzubringen, was es in der heutigen Gesellschaft bedeutet, Schwarz und/oder eine Frau zu sein. Man lernt zwei scheinbar unterschiedliche Herangehensweisen kennen: Auf der einen Seite die Wut Zazies, die durch das Aufdecken der Strukturen versucht, einen kleinen Teil dazu beizutragen, das System zu verändern; auf der anderen Seite ihre Schwester Dieo, die versucht in dem System, das sie oft benachteiligt und diskriminiert, zu leben und sich bis zu einem gewissen Grad einzufügen. Weiße Wolken ist unterhaltsam und spannen und darüber hinaus auch unglaublich lehrreich und wichtig. Es gelingt Yandé Seck, die Dinge nicht in Schwarz/Weiß darzustellen, sondern die Lebensrealitäten aller Protagonist:innen liebevoll zu zeichnen. Das Resultat sind mehrdimensionale Figuren, mit Ecken und Kanten. Der Roman regt zum Nachdenken und Hinterfragen an, ohne belehrend zu wirken. Absolut empfehlenswert.
Ich hatte von anderen Rezensionen und der Inhaltsangabe große Erwartungen an den Roman, die konnten aber leider nicht erfüllt werden, obwohl ich das wirklich gern gewollt hätte. Es geht in „Weiße Wolken“ um die Schwestern Zazie und Dieo, beide Schwarz, aber darüber hinaus sehr verschieden in ihren Lebensstilen. Während die ältere Schwester Dieo bereits drei Kinder hat, mit Simon verheiratet ist und eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin macht, hat Zazie gerade ihr Studium beendet, ist zögerlich beim Eingehen einer romantischen Paarbeziehung und plant eine akademische Karriere mit aktivistischen Elementen. Sie ist es auch, die besonders viel Wut in sich trägt, welche sich z. B. im Kontakt mit ihrem sexistischen Vorgesetzten in einem Jugendzentrum zeigt, doch ebenso auch in ihrem Privatleben. Sowohl das spießbürgerliche Leben ihrer älteren Schwester als auch deren Mann Simon, welcher als mittelalter weißer Mann in der Techbranche arbeitet und damit im Kern einer Kapitalismuskritik steht, sorgen immer wieder für Reibungspunkte mit Zazie. Ich habe mich ziemlich durch die Handlung gekämpft. Wandelnde Perspektiven mag ich eigentlich sehr gern, aber hier kam aus mir bis zum letzten Viertel unklaren Gründen auch noch Simon als dritte Perspektive dazu, obwohl es doch primär um die Schwester gehen sollte. Gleichzeitig spielen in den drei Perspektiven dann aber auch noch weitere Charaktere eine größere Rolle und trotzdem (oder genau deshalb) bekam ich die einzelnen Figuren charakterlich einfach nicht zu greifen. Ich habe kein wirklich gutes Gefühl für ihre Probleme oder Beziehungen zueinander bekommen, weil alles so fragmentarisch war. Im letzten Viertel kam es dann erst zu dem im Klappentext erwähnten Todesfall und ab da war die Handlung auch stringenter für mich. Damit habe ich dann auch endlich ein konkreteres Bild der drei Protagonist*innen bekommen. Das Ende kam mir eindeutig zu sehr gewollt. So schön ich es an sich auch finde, der Sinneswandel Zazies war für mich bei aller Vorgeschichte überhaupt nicht nachvollziehbar und auch die am Ende geschilderten Beziehungen zwischen allen Figuren haben für mein Empfinden nicht zur Handlung davor gepasst. Da war mir ein viel zu großer Bruch drin und in Kombination mit dem fragmentarischen Aufbau der Figuren, der teils akademischen Sprache und den vielen Charakteren ist der Roman einfach nichts für mich. Vielleicht war das Ziel gerade, die Figuren nicht so klar zu zeichnen, um sie in ihrer Komplexität abzubilden. Dafür wäre für mich aber eine mitreißende Handlung notwendig, um trotzdem dran zu bleiben, und das war hier leider nicht durchgängig der Fall.
2,5 Das Buch wollte zu viel sein und konnte am Ende nicht halten, was der Klappentext verspricht. Vieles blieb an der Oberfläche, vieles wurde angerissen, die Sprache holperte so vor sich hin, die Figuren wurden nicht greifbar oder nahbar. „Tell, don’t show“ war hier wohl die oberste Schreibregel. Schade, ich hatte mich sehr drauf gefreut.