Format:Hardcover

Balzacs Roman »Vater Goriot« (»Le Père Goriot«, 1834 und 1835 veröffentlicht) thematisiert an einem nahezu alle Sozialschichten umfassenden Personenensemble sowohl den gesellschaftlichen Aufstieg als auch dessen Niederungen und Abgründe im Kontext der Restauration des beginnenden 19. Jahrhunderts. Balzac gewährt am Beispiel des alternden Nudelfabrikanten Goriot, der nur für seine Töchter lebt, im Gegenzug ausgenutzt wird und schließlich »wie ein Hund« stirbt, einen Blick auf die ideelle Ausrichtung der Gesellschaft, ihre Fixierung auf Ruhm, Macht und den aufkommenden Kapitalismus mit seinem immer stärkeren Eindringen des Geldes in alle Lebensbereiche. Die oft schonungslose Darstellung der Gesellschaft mündet schließlich in eine Kritik. Soziale Mobilität ist nach Balzacs Analyse möglich, so wie ein Goriot durch geschickte Getreidespekulation die soziale Leiter zunächst nach oben steigt, sich in einer auf Korruption und Dekor basierenden Gesellschaft aber nicht zurechtfindet und durch seine monomane Vaterliebe nicht überleben kann. Die Darstellung der Geldfixiertheit und der Unersättlichkeit als Triebfeder der Gesellschaft der postnapoleonischen Ära mündet nicht nur in eine Desillusionierung des Lesers, sondern auch in eine Kritik zeitgenössischen sozialen Handelns, das jeglicher traditioneller bzw. ethischer Grundwerte entbehrt [Wikipedia].

Gegenwarts- & Literarische Fiktion
344 Seiten • Hardcover
Erschienen an: 2023-11-02

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