»Starkes Romandebüt über unausgeglichene Machtverhältnisse in der Kulturbranche.«
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Standing Ovations
von Charlotte Runcie, Katharina Martl
»Starkes Romandebüt über unausgeglichene Machtverhältnisse in der Kulturbranche.«
Aktuelle Rezensionen(5)
Einzigartige Geschichte, hatte persönlich ein bisschen Schwierigkeiten mit dem Schreibstil bzw. den Erzählweisen.
Für mich war es insgesamt ein interessantes Buch. Am spannendsten fand ich den Plot, in dem der Kritiker plötzlich selbst zum Kritisierten wird. Man taucht in eine Welt von Theater und Kunst ab. Mir hat es sehr gefallen. Das Ende war nicht mehr ganz so spannend, aber ich habe es sehr gerne gelesen.
Starker Auftakt, verlor für mich am Ende aber an Fokus Es ist nicht mein erstes Buch über Machtmissbrauch, sodass ich die verschiedenen Werke wohl ganz gut vergleichen kann. Und grundsätzlich hat mir Runcies Geschichte gut gefallen, allerdings ging sie nicht so stark zu Ende wie sie angefangen hat. Ich fand es durchaus reizvoll und innovativ gestaltet, dass wir das Geschehen durch eine dem zentralen Mann nahestehende Frauenfigur geschildert bekommen. Sophie hegt so einige Sympathien für den Theaterkritiker Alex Lyons, was eine manchmal abstoßende, aber grundlegend wirklich interessant zu lesende Perspektive ist. Dass mit Tätern auch sympathisiert wird, lässt sich ja nicht leugnen und so können wir beim Lesen wirklich gut in uns selbst hineinfühlen. Nach und nach sieht Sophie durch den Kontakt mit vielen betroffenen Frauen, denen Alex mit seinen herabwürdigenden Kritiken das Leben schwerer gemacht hat, ihren Kollegen auch mit anderen Augen, stellt sich meinem Empfinden nach aber nie klar auf eine Seite. Das kann mensch nun mögen oder nicht, ich fand es in Ordnung. Grundsätzlich habe ich feministische Protas, die sich solidarisch an die Seite der Betroffenen stellen, schon lieber. Aber eine diesbezüglich weniger klar abgegrenzte Hauptfigur finde ich literarisch im positiven Sinne herausfordernd. Ebenso positiv fand ich die Entwicklung Sophies, die als Alex’ Nachfolgerin im weiteren Verlauf der Handlung selbst in einen beruflichen Zwiespalt gerät. Ob sie ihre Macht dabei missbraucht, muss wohl jede*r selbst für sich einordnen. Ich mochte also generell das Feld rund um Kritiker*innen. Ich stehe denen selbst nämlich auch eher kritisch gegenüber, weil ihre Macht teils immens ist und sie als eine Art objektive Institution angesehen werden, die ja durchaus über den Fortbestand einer Karriere entscheiden kann. Und all das, obwohl doch IMMER ein gewisses Maß an Subjektivität und vielleicht sogar Voreingenommenheit besteht. Doch trotz aller positiven Aspekte, bin ich vom Verlauf der Geschichte etwas ernüchtert. Die erste betroffene Frau startet total stark und geht in den öffentlichen, lauten Widerstand. Zu lesen, dass so etwas wirken kann, fand ich sehr ermutigend. Dabei lässt Runcie ihren Leser*innen aber immer auch Raum, um sich selbst eine Meinung über diesen präzisen Fall der sogenannten Cancel Culture zu bilden. Im letzten Drittel verlor die Handlung für mich jedoch zunehmend an Fokus und ich habe irgendwann kein Gefühl mehr dafür gehabt, was der Roman denn nun konkret aussagen will. Auch die Beziehung zwischen Alex und Sophie sowie das Ende waren mir zu unpassend, weil sie vom Kern des Themas ablenken. Ich vergebe dennoch wohlmeinende 4 Sterne, weil mir das Thema so gut gefallen hat und es für mich auch innovativ war. Die Autorin hätte für meinen Geschmack aber durchaus noch einen Ticken schärfer sein dürfen und zumindest am Ende auch klarer. Ich weiß nicht, ob die Aussage des Romans ohne eine gewisse feministische und machtkritische Vorbildung so richtig ankommt.
So, so spannend, vor allem die Erzählperspektive, die die Autorin gewählt hat, finde ich richtig interessant und hat mich auch erst überrascht. Leider hatte das Buch auch einige Längen, alles in allem mochte ich aber viele Aspekte, zum Beispiel die Gedanken und Einblicke über den Beruf von Kritiker*innen
Da war so viel los. Wow. Ich glaube mir hätte es besser gefallen, wenn sich das Buch alleine auf das Thema der fairen Kritik und dessen Folgen beschränk hätte. Sophies Privatleben hat hierbei für mich gar nicht ins Bild gepasst und ich verstehe auch nicht, was genau die Autorin damit vermitteln wollte. Manche Punkte könnte man fast schon philosophisch weiterverfolgen, was ich sehr faszinierend finde. Aber das sind auch leider nur die Eckpunkte des Buches und nicht die Mehrheit.