Han Kang ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, seitdem erschienen zahlreiche Romane. Seit sie für »Die Vegetarierin« gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 den Man Booker International Prize erhielt, haben ihre Bücher auch international großen Erfolg. Auch der Roman »Weiß« war für den Booker Prize nominiert, »Menschenwerk« erhielt den renommierten italienischen Malaparte-Preis. Im Aufbau Verlag sind »Die Vegetarierin«, »Menschenwerk«, »Deine kalten Hände« und »Weiß« lieferbar.Mehr Informationen zur Autorin unter www.writerhankang.com. Ki-Hyang Lee, geboren 1967 in Seoul, studierte Germanistik in Seoul, Würzburg und München. Sie lebt in München und arbeitet als Lektorin, Übersetzerin und Verlegerin.
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Die Vegetarierin
von Han Kang
Han Kang ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, seitdem erschienen zahlreiche Romane. Seit sie für »Die Vegetarierin« gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 den Man Booker International Prize erhielt, haben ihre Bücher auch international großen Erfolg. Auch der Roman »Weiß« war für den Booker Prize nominiert, »Menschenwerk« erhielt den renommierten italienischen Malaparte-Preis. Im Aufbau Verlag sind »Die Vegetarierin«, »Menschenwerk«, »Deine kalten Hände« und »Weiß« lieferbar.Mehr Informationen zur Autorin unter www.writerhankang.com. Ki-Hyang Lee, geboren 1967 in Seoul, studierte Germanistik in Seoul, Würzburg und München. Sie lebt in München und arbeitet als Lektorin, Übersetzerin und Verlegerin.
Aktuelle Rezensionen(153)
Die Vegetarierin ist eines dieser Bücher, bei denen man nach der letzten Seite erst einmal kurz sprachlos zurückbleibt. Sprachlos – und ehrlich gesagt auch ein wenig fassungslos. Die Geschichte wird in drei Teilen aus der Perspektive von drei unterschiedlichen Protagonisten erzählt. Jede dieser Perspektiven eröffnet einen neuen Blick auf Yeong-hye und auf ihre Entscheidung, von einem Tag auf den anderen kein Fleisch mehr zu essen. Was zunächst wie eine persönliche Entscheidung erscheint, entwickelt sich immer mehr zu einer radikalen Abkehr von den Erwartungen, die andere an sie stellen. Han Kang erzählt dabei auf eine unglaublich eindringliche, teilweise verstörende Weise. Es gibt Momente, in denen man beim Lesen regelrecht Gänsehaut bekommt – und andere, bei denen ich einfach nur dasaß und dachte: Wow. Echt jetzt? Immer wieder musste ich dabei an Herman Melvilles Bartleby, der Schreiber denken. Auch dort steht eine Figur im Mittelpunkt, die sich dem Funktionieren und den Erwartungen der Gesellschaft auf eine ganz eigene, radikale Weise entzieht. Gleichzeitig hatte ich beim Lesen erstaunlich oft Bilder der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama im Kopf. Die Natur, Blumen, Bäume und die Vorstellung, mit der menschlichen Existenz auf eine andere Weise zu verschmelzen, haben bei mir immer wieder diese Verbindung hervorgerufen. Die Vegetarierin ist für mich deshalb nicht einfach nur eine Geschichte über eine Frau, die kein Fleisch mehr essen möchte. Es geht um Selbstbestimmung, Körper, Gewalt, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage, wie weit ein Mensch gehen kann, wenn er sich diesen Erwartungen vollständig entziehen möchte. Es ist ein Buch, das mich definitiv noch länger beschäftigen wird. Es wirkt nach, hallt nach und hinterlässt Bilder, die man nicht so schnell wieder loswird. Ich kann Die Vegetarierin auf jeden Fall empfehlen – aber vielleicht nicht unbedingt Leserinnen und Lesern mit schwachen Nerven. Es ist verstörend, manchmal schwer auszuhalten und gerade deshalb unglaublich eindringlich.
Teils genial - teils verstörend
Die Prämisse des Buches macht eigentlich großen Spaß. Eine Frau, die von allen in ihrem Umfeld unterschätzt und benutzt wird, entsagt sich dem System und ihrer Rolle als Frau, die auf keinen Fall auffallen darf, indem sie aufhört tierische Produkte zu essen. Dann verliert das Buch aber diesen Fokus und diese Entscheidung wird vor allem als psychische Erkrankung erklärt. Es wird nur über die Frau gesprochen, oft in einer sehr male-gazey Art und am Ende hat sich mit die Metapher nicht ganz erschlossen. Das Buch zieht einen schnell in den Bann und lässt sich schnell weglesen, aber Teil 2&3 haben mich ratlos zurückgelassen.
Verstörend, undurchsichtig, fremd. So fühlt es sich also an, wenn man mit den Protagonisten und vorgestellten Charakteren nichts oder nur wenig gemein hat. Aber allein schon wegen der Andersartigkeit kann ich’s empfehlen.
Warum sind Menschen so ?