Die Madonna im Pelzmantel
von Sabahattin Ali
In Ankara kennt man Raif Efendi als duldsamen Mann, der weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz meistert. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Ein eng beschriebenes Schulheft lüftet endlich sein Geheimnis. Die Aufzeichnungen führen in das Berlin der zwanziger Jahre. Arbeiter und Bohemiens heben in miefigen Absteigen die Gläser aufeine ungewisse Zukunft, und eine geheimnisvolle junge Malerin – die »Madonna im Pelzmantel« – kreuzt wie zufällig Raifs Wege. Als er sie eines Abends in einem Nachtklub wieder trifft, weiß er, dass ihrer beider Schicksal untrennbar verwoben ist. Eine hinreißende deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden Zwanziger.
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Die Madonna im Pelzmantel
von Sabahattin Ali
In Ankara kennt man Raif Efendi als duldsamen Mann, der weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz meistert. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Ein eng beschriebenes Schulheft lüftet endlich sein Geheimnis. Die Aufzeichnungen führen in das Berlin der zwanziger Jahre. Arbeiter und Bohemiens heben in miefigen Absteigen die Gläser aufeine ungewisse Zukunft, und eine geheimnisvolle junge Malerin – die »Madonna im Pelzmantel« – kreuzt wie zufällig Raifs Wege. Als er sie eines Abends in einem Nachtklub wieder trifft, weiß er, dass ihrer beider Schicksal untrennbar verwoben ist. Eine hinreißende deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden Zwanziger.
Aktuelle Rezensionen(2)
Die Madonna im Pelzmantel ist kein Buch, das endet, wenn man die letzte Seite umblättert. Im Gegenteil: Es beginnt genau dort. Es arbeitet weiter in einem, stellt Fragen, rührt an verborgene Stellen der eigenen Seele und hallt lange nach. Schon früh begegnet uns ein Gedanke, der die existentielle Tiefe des Romans eindrucksvoll zusammenfasst: „Wozu leben sie überhaupt? Welches Ziel verfolgen sie in ihrem Dasein? Wo liegt die Logik oder der tiefere Sinn, der ihn befiehlt, auf diese Erde zu wandeln?“ Diese Fragen sind nicht bloß literarisches Beiwerk, sie sind das Herzstück der Geschichte. Sabahattin Ali erzählt von zwei Menschen, deren Begegnung weit über eine gewöhnliche Liebesgeschichte hinausgeht. Es ist die leise, intensive Annäherung zweier Seelen, die einander erkennen. Vielleicht zum ersten Mal im Leben wirklich erkennen. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten ist von einer außergewöhnlichen Feinfühligkeit geprägt. Keine lauten Gesten, kein dramatisches Pathos, stattdessen Blicke, Gespräche, Gedanken. Gerade diese Zurückhaltung verleiht der Geschichte ihre Kraft. Die Tiefe entsteht zwischen den Zeilen, in dem, was nicht ausgesprochen wird, in der Melancholie, die sich wie ein zarter Schleier über alles legt. Was dieses Buch so besonders macht, ist seine stille Radikalität: Es stellt die großen Fragen nach Sinn, Einsamkeit, Identität und echter Verbindung. Es zeigt, wie selten es ist, wirklich gesehen zu werden und wie existenziell diese Erfahrung sein kann. Die Madonna im Pelzmantel ist kein Roman für nebenbei. Es ist ein Buch für Menschen, die sich auf Zwischentöne einlassen wollen, auf Verletzlichkeit, auf das Unvollkommene. Es ist tiefgründig, melancholisch und gleichzeitig von einer beinahe schmerzhaften Schönheit. Ein Roman, der bleibt. Und der erst richtig beginnt, wenn man ihn geschlossen hat.
besonders.