4.1

Ein ganz normales Wunder

By Woody Brown, Stephan Kleiner

Format:Hardcover
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Woody Brown schrieb Geschichte als erster nicht-sprechender autistischer Absolvent der University of California. Sein Roman ist ein literarisches Ereignis. Und ein großes Geschenk. In einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung begegnen sich Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist Carlos, der Pfleger mit dem unerschütterlichen Optimismus, und der junge Tom, der sich wortlos nach einer Liebe verzehrt, die unerreichbar scheint. Und da ist Walter, der nach einem schweren Schicksalsschlag versucht, die Scherben seines Lebens wieder zusammenzusetzen.In der flirrenden Hitze Kaliforniens entfaltet sich eine Geschichte über die unsichtbaren Bande zwischen uns. Woody Brown schreibt mit einer solch feinsinnigen Beobachtungsgabe und einer Prise trockenem Humor über das Menschsein, dass man sich beim Lesen nicht nur in die Charaktere verliebt, sondern auch in das Leben selbst.

Literary & Contemporary Fiction
224 pagesHardcover
First published September 3, 2026

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Popular Reviews(2)

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walliliestReviewed by walliliest

In der Kita- und Schulzeit gibt es noch vielfältige Fördermöglichkeiten für Menschen mit Autismus. Manche können sprechen, andere nicht. Manche sind geistig zurückgelieben, viele aber auch nicht. Manche schaffen einen Schulabschluss, viele auch nicht. Nach der Highschoolzeit ist kaum einer der schwer betroffenen arbeitsfähig und landet in einer trostlosen Tagessätte für autistische Erwachsene wie Upward Bound in Los Angeles. Dort werden die "Schützlinge" infantilisiert und von einer sich wiederholenden Beschäftigung zur nächsten geführt. Individuelle Betreuung oder Förderung ist nicht vorgesehen. Wichtig ist, dass die Schützlinge keinen anderen oder sich selbst verletzen. Woody Brown erzählt das Leben in der Tagessätte aus der Sicht mehrerer Schützlinge, wie Jorge, Tom und Walter, dem Ich-Erzähler. Er zeigt die Sicht der Betreuer Carlos, Andy und Ann und die Sicht des Leiters Dave, Marina der Verwaltungsassistentin und Avery, einer außenstehenden Verkäuferin bei Target. Aus den vielen unterschiedlichen Perspektiven auf die gleichen Ereignisse, ergibt sich ein ziemlich plastischer Eindruck über das Leben, Denken und Fühlen in Upward Bound und seiner Schützlinge. Da ist Tom, der isoliert im Rollstuhl sitzt und nicht sprechen kann, der sich in Ann verliebt, wohlwissend, dass seine Liebe nur in seinen Träumen stattfinden wird. Der aber auch von Ann gesehen und liebevoll betreut wird. Ihr Weggang lässt ihn unglücklich zurück. Oder Jorge, großgewachsen, unbeholfen und stark autistisch, der im Betreuer Carlos einen Freund gefunden hat, der ihn über jahrelange Beobachtung auch ohne Worte versteht und ihn zu beruhigen weiß. "Carlos war das Beste an Upward Bound gewesen. Er hatte uns mit Respekt behandelt, als wären wir Menschen, als könnten wir nichts für unser Anderssein." Walter, Seite 204 Walter ist hochintelligent, besitzt einen College-Abschluss und kann mittels Buchstabentafel kommunizieren. Doch für eine Hilfskraft für gestützte Kommunikation fehlt das Geld in Upward Bound. So ist er in der Tagessätte zum Schweigen verdammt. Aber er möchte nicht schweigen. "Ich konnte meine eigenen Entscheidungen treffen oder zumindest auf sie deuten. Das hob mich von den anderen ab. Ich konnte diesem Club des Schweigens nicht angehören, ich weigerte mich, ich konnte die Geschichten erzählen, die sich hinter den Kulissen abspielten." Walter, Seite 206 Meinung: Woody Brown gibt den nicht-sprechenden Autisten eine Stimme. Er kann ausdrücken, was in ihnen vorgeht, was sie ärgert und triggert. Dieser Roman ist ein wichtiges Plädoyer dafür autistische Menschen nicht aufzugeben oder abzuschieben, sondern sie individuell zu fördern, damit sie sich mitteilen können und am Leben teilhaben können. Und es ist ein Plädoyer für umsichtige Pflegekräfte, die sich, ungeachtet ihrer formalen Bildung, in nicht-sprechende autistische Menschen hineinfühlen können und ihnen damit Ruhe und Sicherheit geben. Das Buch ist flüssig und unaufgeregt geschrieben und verdient Aufmerksamkeit und Diskussion!

MirjamReviewed by Mirjam

Ein nachdenklich stimmendes, wichtiges Buch! Um „Ein ganz normales Wunder“ von Woody Brown richtig einordnen zu können, sollte man vorab vielleicht wissen, dass der Autor selbst unter Autismus leidet. Er somit ganz genau weiß und fühlt worüber er schreibt - über Menschen und ihre Schicksale in einer Tagesstätte für Erwachsene, die unter einer Behinderung leiden. Über ihr Können und ihre Empfindungen, die ihnen leider auch heute noch allzu oft abgesprochen werden. Das Buch ist in mehrere kleine Geschichten unterteilt, in denen, aus ganz unterschiedlichen Perspektiven heraus, die Story letztendlich Stück für Stück erzählt wird. Dabei hat mir ganz besonders gut gefallen, dass nicht nur die „Insassen“ zu Wort kommen, sondern das ganze Umfeld mit einbezogen wird. Es geht also genauso um das Schicksal und Gefühlsleben der beteiligten Pfleger oder sogar einer Verkäuferin, die regelmäßig bei einem Ausflug in Kontakt bzw. in Berührung mit ihnen kommt und dadurch ihren Weg findet. Mich hat das Buch gleichermaßen aufgeklärt, wie es mich ergriffen, nachdenklich gestimmt und auch traurig gemacht hat. Doch vor allen Dingen hat es mich Woody Brown bewundern lassen, der dieses Buch als erster nicht-sprechender autistischer Absolvent der University of California schrieb und mit ihm so viel Unausgesprochenes greif- und spürbar macht. Welch eine großartige, respekteinflößende Leistung! Fazit: Ich finde, dieses Buch sollte als Pflichtlektüre in der Schule eingeführt werden und von jedem gelesen werden!

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